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Interview mit Ingo Lamberti (Landessportwart des BLMR)

Ingo Lamberti (Landessportwart BLMR)

Ich freue mich das ich Ingo Lamberti mal ein wenig "kritisch" befragen durfte. Wir kennen uns schon etliche Jahre und wurden zusammen auch schon Deutscher Mannschaftsmeister :) Heute ist er Landessportwart des BLMR (Billard Landesverband Mittleres Rheinland) und für mich ist er sowas wie ein "Hoffnungsschimmer" für den Verband. Mit Ihm verbinde ich folgende Attribute. Zielstrebig, Ehrgeizig, Zuverlässig, Fachkundig...und vorallem hat er viele sehr gute Anregungen und Ideen für den Billardsport in Deutschland! Aber lest selbst, viel Spaß dabei..... Erzähl ein wenig was über Deinen sportlichen Werdegang und Deine Funktionärslaufbahn (Dein Alter, wie lange Du dabei bist, deine Vereine, deine Erfolge, deine Funktionärstätigkeiten etc…alles was dir wichtig erscheint um dich vorzustellen).
  • Ingo: Das ist ja mal direkt eine Frage die Seiten füllen könnte :) Ich versuche das Wichtigste mal aufzuzählen. Geboren wurde ich am 08.05.1963 in Erkelenz. Mein 1. Billardverein war der BC 71 Erkelenz, ein Karambolverein. Von 1981 bis etwa 1985 war ich da aktiv und genoss eine gute Dreibandausbildung incl. Trainer. Dann kam ich durch meinen Freundeskreis zum Pool. Im Jahr 1986 haben wir dann den Verein PSG 1986 Erkelenz e.V. gegründet. Dieser existierte bis 1997 und war bzw. ist bis Heute der erfolgreichste Poolbillard Verein der Stadt Erkelenz. Größter Erfolg war 1995 der Aufstieg in die 2. Bundesliga und der Titel Deutscher Meister Pokalmannschaft. 1996 wurde die 1. Mannschaft dann Deutscher Vize-Bundesmeister in der 2. Bundesliga und hätte fast den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse geschafft. Nach der Vereinsauflösung wechselte ich für 2 Jahre bis 1999 zu meinem Sportwart-Ausbilder Werner Ertel zum PBC Rot-Gelb Stolberg (heute Aachen).

Auch da schaffte ich mit der 1. Mannschaft

den Oberligaaufstieg. Dann folgte ich einem Angebot der BF 94 Eilendorf, bei denen ich bis 2006 aktiv war und auch dort den Aufstieg zum Oberligaverein miterlebte. Ab Sommer 2006 bin ich dann an meinem Ziel angekommen und bin seit dem aktiv beim BC Alsdorf. Einer der wohl bekanntesten und erfolgreichsten Vereine in Deutschland. Seit 1975 hat der BC Alsdorf einen Namen in der Billardszene.

Meine persönlichen wichtigen Erfolge sind schnell erzählt 🙂
1994 DM Herren 8-Ball – 9. Platz
1995 DM Pokalmannschaft – 1. Platz – kam allerdings als 5. Mann nicht zum Einsatz
1995 DM Damenländerpokal – 1. Platz – als Damenwart des PBVRW
1997 VM Herren 9-Ball – 1. Platz (Finale gegen Armin Pesch)
1997 Eurotour Deutschland – Startplatz gewonnen durch 1. Platz bei Qualiturnier
2004 VM Senioren 8-Ball – 2. Platz (Finale gegen Rudi Zick)
2007 VM Senioren 8-Ball Pokal – 2. Platz (Finale gegen Rudi Zick)
2009 VM Senioren 9-Ball – 2. Platz (Finale gegen Armin Pesch)
2011 VM Senioren 8-Ball – 2. Platz (Finale gegen Rudi Zick)
Dazu kommen natürlich noch einige kleinere Turniersiege.

Als Funktionär gab es auch einige Stationen
Sportwart PSG 1986 Erkelenz von 1986-1997
1. Vorsitzender PSG 1986 Erkelenz von 1993-1997
Von 1990 bis 1995 war ich im Vorstand des PBVRW tätig.
Unter anderem 4 Jahre als Damenwart, 2. Geschäftsführer und 2. Sportwart (die linke und rechte Hand von Werner Ertel)
Schiedsrichterobmann im PBVRW
Präsident des Landesschiedsgericht des damaligen PBLNW
Sportwart BC Alsdorf seit 13.07.2008
Landessportwart des BLMR seit 23.04.2010

Für besondere Verdienste um den Billardsport, wurde mir am 23.08.2008 vom PBVRW die bronzene Ehrennadel verliehen.

Du bist nicht nur Funktionär eines großen Landesverbandes sondern auch Mitglied in einem der renommiertesten Vereine Bundesweit (BC Alsdorf), dort spielst Du derzeit aktiv in der Oberliga und bist bekannt für das Ausrichten sehr gut „ablaufender“ Turniere. Wie schaffst Du es all dies zu vereinen?

  • Ingo: Die Arbeit als Sportwart in Alsdorf ist eigentlich halb so schlimm. Es wird zwar viel getan und sieht auch vielleicht nach viel Arbeit aus, aber wenn jemand dieses Sportwarte-Gen im Blut hat, dann erledigt sich das meiste mit Links. Anspruchsvoller ist auf jeden Fall der Job als Landessportwart. Da schauen dir schon sehr viele Leute auf die Finger und du darfst dir keine Fehler leisten. Solch ein Amt von einer Sportwarte-Ikone wie Werner Ertel zu übernehmen, erzeugt schon einen gewissen Druck. Das 1. Jahr habe ich jetzt fast geschafft und bin ganz zufrieden bisher. Natürlich gibt es Zeiten wo alles etwas eng wird. Dann steht ein Turnier in Alsdorf an, die Ausschreibungen zur Landesmeisterschaft müssen fertig werden, und der nächste Oberligaspieltag steht an. Aber es klappt bisher alles einwandfrei, abgesehen von meiner Leistung in der 1. Mannschaft 🙂 die aber nichts mit meiner Funktionärstätigkeit zu tun hat. Ich trainiere und spiele Turniere wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Da wir uns schon sehr lange kennen weiß ich das Du vor Jahren schon mal einen Anlauf als Funktionär genommen hast, wieso hat es damals nicht geklappt?

  • Ingo: Wie oben erwähnt habe ich neben der Vereinsarbeit auch einige Verbandsarbeit verrichtet in den Jahren 90-95. Als noch junger engagierter Spieler Funktionär zu werden ist nicht immer ganz einfach. In meinen Augen sind die Funktionäre, die noch an vorderster Front kämpfen, eigentlich die besseren Funktionäre. Sie sind immer live dabei, ob bei den Mannschafts- oder Einzelwettbewerben. Sie erleben alles hautnah und bekommen alle positiven wie negativen Vorkommnisse mit. Das aber war damals ein großes Problem im PBVRW. Ich bin da sehr oft angeeckt bei den „Alten Hasen“. Da war das Generationenproblem einfach zu groß. Mittlerweile hat sich das etwas gebessert und ich habe Hoffnung das es auch in Zukunft so bleibt bzw. sich noch mehr reguliert.

Viele derzeit aktive Funktionäre mussten ja praktisch in das Amt „gedrängt“ werden, war es bei Dir auch so oder wolltest Du es unbedingt antreten?

  • Ingo: Bisher musste ich noch nie in ein Amt gedrängt werden. Ich war immer in der glücklichen Lage mir aussuchen zu können was ich machen möchte. Dein angesprochenes Problem ist mir aber bekannt. Leider gibt es zu wenige Sportler die neben ihrem Hobby Poolbillard auch noch als Funktionär ihre Freizeit opfern wollen. Dazu kommt das Problem, wenn es Mitglieder- oder Delegiertenversammlungen gibt, schicken die Vereine oder Verbände nie die passenden Leute. Oft muss unter den Anwesenden einer gefunden werden, oder der Posten bleibt unbesetzt. Da passiert es oft dass jemand einen Posten übernimmt, für den er eigentlich nicht der Richtige ist. Funktionär sein ist ein Hobby wie jedes andere auch, und nur wenn mir mein Hobby Spaß macht, bin ich auch in der Lage als Funktionär gute Arbeit zu leisten.

Jetzt bist Du Landesportwart des BLMR, wie wichtig ist dir dieses Amt und was willst Du erreichen?

  • Ingo: Ich bin froh dieses Amt übernommen zu haben. Mir ist dieser Posten sehr wichtig. Einer meiner Hintergründe war auf jeden Fall die Aussicht etwas verbessern zu können. Nach fast einem Jahr stelle ich fest, dass ich diesen Job noch etwas länger machen muss, wenn ich alle meine Vorstellungen halbwegs realisieren will. Ganz wichtig ist mir ein geregelter und Problemloser Spielbetrieb in unserer Oberliga. Dazu kommen die Landesmeisterschaften. Mein nächstes Ziel soll ein Angebot im Einzelwettbewerb sein, das sich über große Teile der Saison hinzieht. Momentan gibt es ja nur die zwei Wochenenden LM im Einzel. Zufrieden werde ich erst sein wenn es Jahr für Jahr reibungslos läuft und die große Masse mit allem zufrieden ist. Das ich es nie jedem Recht machen kann ist mir vollkommen klar.
    Des Weiteren ist es mir noch ein Dorn im Auge das meine beiden Bezirksverbände PBVRW und PBVM so unterschiedliche Strukturen und Einstellungen haben. Aber die beiden Bezirksverbände näher zu bringen ist nicht ganz einfach. Es kann also gut sein das ich noch einige Jahre Amtszeit brauche um einige meiner gesteckten Ziele zu erreichen 🙂
    Den großen Vorteil den ich dabei habe ist, dass ich in keinem der beiden Verbände Funktionär bin und dadurch nicht alles mitbekomme und deswegen einiges etwas neutraler sehe.

Du bist in die Fußstapfen von Werner Ertel getreten, ist Dir dass Anfangs schwer gefallen? Immerhin hat Werner gut 30 Jahre Erfahrung was die Funktionärsarbeit angeht.

  • Ingo: Florian, alles was einfach ist kann doch jeder 🙂 Ich habe allergrößten Respekt vor Werners Arbeit. Ihm habe ich sehr viel zu verdanken. Schon in vergangenen Jahren habe ich immer versucht mir alle guten Eigenschaften von Werner anzueignen. Die schlechten habe ich ihm gelassen 🙂
    Ich werde zwar nie seine Erfahrungen machen können, aber denke schon dass ich in fachlichen Dingen mithalten kann. Außerdem steht Werner mir seit über 25 Jahren immer noch mit Rat und Tat zur Seite wenn es mal irgendwo kneift.

Hast Du Ambitionen auf Bundesebene?

  • Ingo: Absolut Nein! Es gab Anfang der 90er mal die Idee bei der DBU einen neuen Posten ins Leben zu rufen. Bundesturnierwart. Damals war ich für diesen Posten vorgeschlagen worden und hätte den auch gerne ausgeführt. Leider wurden diese Pläne dann wieder über Bord geworfen. In der heutigen Zeit reizt mich der Posten des Bundessportwartes absolut nicht. Ich bin der Meinung das die DBU diesen Posten zur Zeit gut besetzt hat. Roland Gruß ist ein Funktionär mit viel Erfahrung und ganz wichtigen Kontakten zur Basis. Den sollte ein Funktionär nie verlieren. Ich habe eigentlich relativ oft Kontakt mit Roland und komme sehr gut mit ihm aus. Es ergeben sich immer gute und konstruktive Gespräche.

Ich skizziere mal das weit verbreitete Bild eines typischen Pool Billard Funktionärs in Deutschland. Ehrenamtler ohne Motivation, unprofessionell, geringes Fachwissen, weit weg von den aktiven der sich meist als was Besseres sieht! Was muss sich ändern um dieses Bild zu erneuern? Sollte es mehr hauptberufliche Funktionäre geben?

  • Ingo: Diese Frage kann ich so nicht gelten lassen. Das ist ganz sicher nicht das typische Bild eines Funktionärs. Ganz klar, es gibt sehr viele unmotivierte die sehr weit von den Aktiven entfernt sind. Mit Sicherheit gibt es auch viele denen es an Fachwissen mangelt. Die große Masse versucht aber für die Tausenden Billardspieler ihre Arbeit vernünftig zu machen. Leider zu 99% Ehrenamtlich. Ich würde sofort dafür appellieren wenn es teilweise Hauptberufliche Funktionäre gäbe. Die könnten sich dann auch den ganzen Tag mit unserem Sport beschäftigen und würden nicht immer täglich von ihrem Job abgelenkt 🙂

Wo steht der Landesverband BLMR sportlich derzeit Deiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Verbänden?

  • Ingo: Wir stehen ganz klar im oberen Drittel Bundesweit. Egal ob Mannschaftswettbewerbe oder im Einzel. Der Medaillenspiegel der DM 2010 zeigte ganz deutlich dass wir zu den Top 3 Landesverbänden gehören. Wenn man berücksichtigt das wir in Deutschland 15 LV haben, und so wie es aussieht nächste Saison zwei von acht Bundesligamannschaften stellen, dann kann man sehr zufrieden sein. Obwohl diese Leistung zum größten Teil bei den gut geführten Vereinen liegt. Fakt ist aber auch, wir könnten noch viel besser abschneiden. Leider spielen viele Starke Spieler keine Einzelwettbewerbe.

Fast alle Topspieler des BLMR verzichten mittlerweile auf Teilnahmen an den Einzelmeisterschaften, was bedeutet dass Sie sich nicht für die DM qualifizieren können. Woran liegt das aus Deiner Sicht und es sollte Dir doch wichtig sein das die besten Deines Landesverbandes auch spielen?

  • Ingo: Gut das ich es in der vorigen Frage am Ende noch erwähnt habe 🙂
    Das ist ebenfalls ein Teil meiner Aufgabe als Landessportwart. Zur Zeit erarbeite ich ein Konzept durch das ich genau diese Sportler erreichen will. Als Landesportwart kann es nicht befriedigend sein mit der 2. oder 3. Garnitur zur DM zu fahren. Leider bin ich da auf die beiden Bezirksverbände angewiesen. Meine Präsidiumsmitglieder gehören diesen beiden Verbänden an und entscheiden was passiert und was nicht passiert. Alleine kann ich absolut nichts ausrichten. Diese Problematik haben aber ausnahmslos alle Landesverbände. Darum greift mein Konzept von ganz unten bis zur DM. Es beinhaltet eine deutliche Aufwertung der Landesmeisterschaft und der Deutschen Meisterschaft. Diese muss auch ganz dringend passieren, sonst spielen auf einer DM demnächst nur noch Idealisten die sich so eine DM leisten können, und das ist dann allenfalls noch die 3. Garnitur.
    Durch zahlreiche Gespräche mit unseren Spitzensportlern im BLMR habe ich mir deutliche Tendenzen aufzeigen lassen. Die für mich weitest reichende Aussage kam von Klaudio Kerec, Bundesligaspieler (Gelbe 1 Wuppertal)
    Er zählte mir auf an wie vielen Sonntagen er spielen müsste um dann in einer Disziplin in Bad Wildungen antreten zu dürfen. Wenn er dann Deutscher Meister wird hat er was erreicht???
    Meister im Bezirksverband, Landesverband und DM heißt im Klartext. Drei Medaillen oder Urkunden und keine Garantie zur Europameisterschaft nominiert zu werden. Er fragte mich warum er das alles spielen sollte. Sagte gleichzeitig auch, dass er in der gleichen Zeit Turniere spielen könnte und da etwas zählbares gewinnen kann. Jedes kleine Hausturnier wäre lukrativer als eine Einzelmeisterschaft.
    Da musste ich ihm in allen Punkten Recht geben und seit dem arbeite ich an einem Bundesweiten Konzept was diese Probleme lösen soll. Dazu aber erst mehr wenn ich damit fertig bin. Wäre dann erst für die Saison 2012/2013. Bei einer kurzen telefonischen Darstellung bei der DBU kam jedenfalls eine positive Resonanz.

 

Viele Bezirksverbände kochen, was die Einzelmeisterschaften und Ligaspielsysteme angeht, Ihr eigenes Süppchen. Kannst Du erklären wie man das ändern könnte oder was die Gründe dafür sind?

  • Ingo: Dieses zu ändern wäre ganz einfach. Die betroffenen Verbände bzw. Funktionäre bräuchten sich bloß mal was sagen lassen von höherer Stelle. Es gibt sehr viele eingefahrene Strukturen die längst einer Reform herhalten müssten. Leider haben viele Funktionäre Angst man könnte ihre Kompetenzen beschneiden oder ihre autonomität untergraben. Bestes Beispiel sind die beiden Bezirksverbände hier im BLMR. Da ich jetzt besten Einblick in beide Verbände habe, stelle ich ständig fest, dass beide fast alles unterschiedlich machen. Es gibt aus meiner Sicht vieles was im PBVRW besser ist und vieles was im PBVM besser ist. Leider sieht es ganz schlecht aus, dass mal irgendwann auf einen Nenner zu bringen. Dazu bedarf es wohl noch einen weiteren Generationswechsel. Zu stark bestehen noch die Einflüsse der letzten starken Funktionärsgeneration.

Als aktiver Spieler würde ich mir wünschen das sich zb. das Qualisystem ändert und das System der Deutschen Meisterschaft Teilnehmerfreundlicher wird. Wie ist Deine Meinung dazu?

  • Ingo: Für mich ist die DM in Bad Wildungen ein ganz tolles Event was auf jeden Fall erhalten werden muss. Das so eine Woche für gute Spieler, die mehrere Disziplinen spielen, eine nicht ganz billige Angelegenheit ist, ist mir vollkommen klar. Aber ich bin auch der Meinung, dass diese Woche es auch Wert ist. Natürlich gibt es da unterschiedliche Ansichten. Viele freuen sich auf diese Woche und sind auch froh pro Tag nur 1-2 Sätze spielen zu müssen. Andere würden am liebsten jede Disziplin an einem Tag fertig spielen. Das Qualifikationssystem finde ich eigentlich in Ordnung. Wir haben 15 Landesverbände aus denen die Teilnehmer kommen. Es muss jedenfalls weiterhin gegeben bleiben, dass aus jedem LV mindestens 1 Vertreter am Start ist. Das z.B. bei den Herren das Grand-Prix-System gescheitert ist, liegt in meinen Augen zum größten Teil an den Sportlern die diesen Veranstaltungen ferngeblieben sind. Kein Turnierausrichter kann über Jahre eine Veranstaltung am Leben erhalten wenn die Teilnehmer ausbleiben.

Die letzte DM in Bad Wildungen war z.b. bei den Herren sportlich nicht Topbesetzt, ich glaube dass diese Veranstaltung mit jedem Jahr an Stellenwert verliert obwohl der Veranstaltungsort vom Feinsten ist. Welche Gründe gibt es dafür?

  • Ingo: Für mich liegen die Gründe ganz klar bei den Kosten für die Spieler und den fehlenden Sportfördermitteln. Dazu kommt auch, dass unsere Topspieler und Profis satt sind was Titel angeht. Eigentlich sollte jeder Sportler das Ziel haben mal in Bad Wildungen spielen zu dürfen, aber es gibt auch welche, die es irgendwann satt sind, weil sie schon über viele Jahre unzählige DM´s gespielt haben. Das Konzept was ich oben schon erwähnt habe, greift in diese Problematik stark mit ein. Auch wenn ich eigentlich ein Gegner davon bin, gute Spieler mit Preisgeld zu locken, aber nur mit Idealisten auf der DM werden wir in Zukunft auf jeder EM untergehen. Da muss dringend was unternommen werden. Ich werde in dem Punkt ganz sicher Gespräche mit den zuständigen Leuten bei der DBU führen.

 

Auch wenn es Dich nicht direkt betrifft. Die Nominierungskriterien der DBU zur Europameisterschaft sind oft nicht zu durchschauen, wieso fehlt es hier an Transparenz?

  • Ingo: Das ist wirklich ein Problem und leidiges Thema was jedes Jahr wieder für Zündstoff sorgt. Auf einer Seite kann man es sich ganz einfach machen. Jeder Deutsche Meister wird nominiert. Die zusätzlichen freien Plätze nominiert die DBU aus ihrem Kader. Da gibt es schon den nächsten Zündstoff. Wer kommt in den Kader und wer nicht?
    Erst mal zu den Deutschen Meistern. Es ist für die DBU ganz sicher nicht einfach Grundsätzlich festzulegen, dass jeder Deutsche Meister zur EM fährt. Ich stelle mir im Moment einige Sportler vor. Wenn ich dann weiterdenke und mir vorstellen sollte, dass diese Sportler für Deutschland auf einer EM spielen dürften, dann schüttelt es mich direkt 🙂
    Vielleicht behält sich die DBU auch deswegen vor, nicht Grundsätzlich jeden zu nominieren der sich sportlich qualifiziert hätte. Dazu kommen ja auch noch die verdienten „alten“ die es ja eigentlich auch verdient hätten nominiert zu werden, aber nicht auf der DM waren. Alles schwere Entscheidungen.

Ein Sportler der nicht an der DM teilnimmt dürfte nicht für die EM nominiert werden! Richtig oder falsch?

  • Ingo: Falsch! Auch letztes Jahr kam es zu dem Absurdum, dass gleichzeitig ein Welklasse Turnier der Damen in Asien war, bzw. der Weltverband auch mal eine WM verlegt. Die DM dann noch zu verschieben ist unmöglich. Dazu kommen noch die erfolgreichen Sportler der letzten EM, die oft auch nicht an der DM teilnehmen.

Die Billard Arena wird abgeschafft. Zu wenig Zuschauer, keine Sponsoren, kein Medieninteresse! Das ist doch ein ziemlicher Tiefpunkt und vielleicht auch der Anfang vom Ende. Deine Meinung dazu!

  • Ingo: Schade auf jeden Fall. Ich denke, dass es auch ein Problem der Organisation im Spielbetrieb ist. Wer soll denn bitteschön nach Stuttgart oder vorm PC sitzen wenn der Livestream läuft?
    Alle Sportler die dieses Event eventuell interessieren würde, spielen doch alle selber.
    Dann müsste an den Wochenenden für alle Mannschaftswettbewerbe in Deutschland Spielfrei sein. Dann könnte es passieren, dass das Interesse dementsprechend steigt.

Was ist das Bundesligaspielsystem der Zukunft? Sollten wir zb. 14/1 abschaffen?

  • Ingo: 14.1 darf auf keinen Fall aussterben. Im Spielsystem der Bundesliga würde ich es allerdings streichen. Wie attraktiv ein Mannschaftswettbewerb sein kann, zeigt uns ja der Mosconi-Cup. Da müsste man anknüpfen und ein vernünftiges System entwickeln. Vielleicht auch mal 3er-Mannschaften in Erwägung ziehen. 2 Durchgänge a 3 Einzel Kurzball und in der Mitte einen Satz 8-Ball zu dritt im Stoßwechsel. Es gibt sehr viele Varianten es für Spieler und eventuelle Zuschauer interessant zu machen.

In der Szene wird ständig darüber gesprochen das Pool Billard bald mal Olympisch sein sollte, ich finde das ganze ziemlich daneben wenn man sieht wie weit weg wir von diesem Anspruch sind. Ich denke wir haben ganz andere Sorgen. Wie beurteilst Du diese Diskussionen?

  • Ingo: Das Ziel Olympia muss das größte Ziel bleiben. Nur da liegt der Durchbruch im Punkto Sponsoren und Medieninteresse. Ohne Olympia wird es noch Jahre so rumdümpeln.
    In dem Zusammenhang wären auch wieder Hauptberufliche Funktionäre dringend nötig.
    Aber wenn es so kommt, dann niemals nur Pool-Billard. Das ist das nächste große Problem. Wenn, dann gehören alle Billardsparten dazu. Das allerdings ist ein sehr großes organisatorisches Problem.

 

Viele meinen wir verrennen uns zu sehr in Paragraphen und Regularien, wie beurteilst Du die Gesamtsituation in Deutschland?

  • Ingo: Da fragst du natürlich genau den Richtigen 🙂 Da einer meiner Spitznamen Korinthenkacker ist, kannst du dir denken, dass ich für die Einhaltung vieler Regularien bin. Wir wollen was erreichen in der Billardwelt, dann müssen wir uns auch so zeigen. Angefangen von der Spielkleidung bis zu den Regeln. Auch wenn es wahrscheinlich keine Sportart auf der Welt gibt, die so viele Menschen ausüben die ihre Regeln nur teilweise kennen. Wichtig wäre nur, es einheitlich von Oben bis Unten zu handhaben. Da mangelt es sehr in Deutschland. Da müsste die DBU mehr Druck auf die Landesverbände ausüben und viele grundlegende Dinge einfach festlegen und bestimmen.

Ist es in Deinen Augen Sinnvoll wenn man sich andere Sportverbände wie zb. den DFB zum Vorbild nimmt wenn es um Strukturen und Regularien geht?

  • Ingo: Auf jeden Fall. Der DFB ist ein gutes Beispiel, aber immer im Hinterkopf halten, dass da Hauptberufliche Funktionäre am Hebel sitzen. Da wird es bestimmt keine Fußballverbände in Deutschland geben die das Spielsystem auf 3×30 Minuten ändern oder anfangen die Nettospielzeit einzuführen. Wenn da die 3 Punkte-Regelung eingeführt wird, dann bis Unten runter. Aber da könnte ich jetzt unzählige Beispiele aufführen, auch aus anderen Sportarten.

Es fehlen in der deutschen Poolszene absolute Medienprofis die wissen wie man mediale Akzeptanz erreicht! Siehst Du das ähnlich?

  • Ingo: Wenn ich mich nicht täusche, hat die DBU einen neuen Mann im Präsidium, der aus dieser Branche kommt. Presse und Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig und sollte niemals unter den Tisch gekehrt werden. Das alles wird natürlich um ein vielfaches einfacher, wenn Billard bei den Olympischen Spielen wäre.

Eine Frage die die Billardwelt seit längerer Zeit in Atem hält, was bin ich denn nun als aktiver …Spieler oder Sportler? 🙂

  • Ingo: Sportler. Wir nennen uns zwar auch Einzel- oder Mannschaftsspieler, aber wir sind ganz klar Sportler. Wie sehr wir auch körperlich Fit sein müssen, kann jeder bestätigen der viele Turniere spielt. Ein Pokerturnier ist zwar körperlich auch anstrengend, aber der Pokerspieler ist und bleibt ein Spieler, kein Sportler.

Wenn Du 3 Dinge im Pool Billard Sport ändern könntest, welche wären das?

  • Ingo: Hauptberufliche Funktionäre einführen, Einheitliche Regeln und Spielsysteme, Weltweites einheitliches Online-System mit allen Sportlern.

Wie beurteilst Du die Turnierkultur in Deutschland als jemand der bekannt dafür ist sehr gute Turniere zu organisieren?

  • Ingo: Danke für die Blumen 🙂
    Das größte Problem haben die Sportler selbst. Viele scheuen Turniere in ihrer eigenen Umgebung aus Angst vor starken Spielern bzw. dem Bewusstsein nicht gewinnen zu können bzw. sich eventuell zu blamieren.
    Angebote gibt es meiner Meinung reichlich. Was momentan eigentlich reizvoll ist, sind Turniere deren Modus mehr als 2 Sätze zulassen im Vergleich zu normalen Doppel-KO Systemen. Alles natürlich immer unter dem Aspekt, dass die Zeit und die Anzahl der Tische passt. Leider kann ich nicht so wie ich gerne möchte 🙂 Erst vor kurzem war ich in einem ganz tollen Billardcafe wo absolut nichts gemacht wird. Über 20 Tische und keiner organisiert da etwas. Das tut mir in der Seele weh.

Stellen wir uns vor Du würdest die Möglichkeit bekommen eine Bundesweite Turnierserie zu veranstalten, wie sehe das aus?

  • Ingo: So wie das Quali-System in den 90er Jahren zur Eurotour. Es gibt unzählige Regionale Quali-Turniere bei denen man sich für Nationale Qualifikationsturniere qualifiziert. Dort bekommen die Ersten Plätze dann freie Teilnahme an der Eurotour. Das funktionierte damals schon, wurde leider durch den Untergang der Firma Billard-News abgeschafft. Sollte die DBU einen Hauptberuflichen Bundesturnierwart suchen der so ein System auf die Beine stellen könnte, würde ich mir das natürlich ernsthaft überlegen auf Bundesebene aktiv zu werden 🙂

Was macht Pool Billard in Deinen Augen so faszinierend? Aus der Sicht als Spieler und als Funktionär!

  • Ingo: Ich hatte gehofft, dass die Fragen irgendwann leichter werden. Sieht allerdings nicht danach aus 🙂 Als Spieler sind es ganz sicher die unzähligen und nie aufhörenden neuen Spielsituationen bzw. die unendlichen Möglichkeiten wie die Kugeln liegen und wie man sie spielen kann. Ich bin sicher, dass ich eher 6 Richtige im Lotto habe, als das die Kugeln nach einem 8-Ball Break gleich liegen wie nach einem vorherigen Break.
    Dazu kommt die unendliche Möglichkeit besser zu werden. Eine Serie im 14.1 kann man immer verbessern, egal wie hoch sie bisher war.
    Als Funktionär sind es halt ganz andere Dinge. Da will ich versuchen für die Sportler die Möglichkeiten so gut wie möglich zu gestalten. Gute Voraussetzungen zu schaffen und bei den Spielsystemen mit der Zeit zu gehen. Pool ist in den letzten Jahren moderner und schneller geworden und da muss ein Funktionär drauf reagieren. Wir Funktionäre geben die Richtung vor und müssen die Arbeit für die Sportler machen und nicht für uns selber. Unser Lohn sind zufriedene Sportler, Mannschaften und Vereine und dann eventuell auch Lob und Auszeichnungen.

1995 haben wir quasi gemeinsam die Deutsche Pokal Mannschaftsmeisterschaft nach Erkelenz geholt. Heute stellt sich die Pool Billard Welt deutlich anders da. Was hat sich seitdem geändert?

  • Ingo: Leider war ich in unserer starken Truppe mit Abstand der schwächste und durfte natürlich auf der DM 1995 beim Heimspiel in Erkelenz nicht spielen. Durch meine Spiele in den Vorrunden fühle ich mich aber bis Heute als Teil dieser Mannschaft und dem Titel.
    Als ich erst vor kurzem deinen Videobericht der DM 1995 sehen konnte, fielen mir auf Anhieb einige Unterschiede auf. Ganz gravierend haben sich natürlich die Frisuren geändert 🙂 Dazu gibt es zum Glück kaum noch Billardspieler die in weißen Socken spielen 🙂
    Nein, Scherz beiseite. Die Technik ist auffallend perfekter geworden. Heutzutage gibt es ja auch unzählige gute Spieler die schwächere aufbauen und trainieren. Diese Möglichkeiten waren ja damals etwas eingeschränkter. Wenn ich sehe wie manche Heute schon mit 12 und 13 Jahren Pool spielen, wird einem ganz schwindelig. Dieser Trend ist aber gut und gefällt mir.

 

In den letzten Jahren konnte man folgendes feststellen. Desto niedriger die Spielklasse desto mehr wird über Regeln gestritten und das Fairplay mit Füßen getreten. Im Spitzenspielerbereich ist dies kaum oder recht selten vorhanden, dort gibt es seit eh und je einen respektvollen und fairen Umgang miteinander. Wie ist das aus Deiner Sicht zu erklären?

  • Ingo: In den unteren Klassen ist die Regelschwäche noch schlimmer als in den oberen Ligen. Dafür müsste der Bedarf an Regelexperten erhöht werden. Die Verbände müssten mehr Schiedsrichterobmänner ausbilden, die dann in den Vereinen Regelkunde betreiben müssen. Mir fallen an fast jedem Oberligaspieltag oder großem Turnier Spieler auf, die teilweise länger aktiv sind als ich, aber keine Ahnung von Regelkunde haben. Erschreckend !!!

Du planst zusammen mit Deinem Verein (BC Alsdorf) den nächsten Brunswick Gold Crown 5 Cup. Im letzten Jahr war das Turnier sehr gut besetzt. Ich habe gehört dass dieses Jahr neben anderen Topleuten auch ein Vizeweltmeister dabei sein soll. Nur ein Gerücht und was planst Du noch?

  • Ingo: Richtig. Die Planungen für den 3. Brunswick Gold Crown V Cup laufen schon seit einigen Wochen. Er wir vom 02.-04. Sep 2011 stattfinden. Wie auch in den letzten Jahren versuchen wir wieder ein Topbesetztes Turnier auf die Beine zu stellen. Wir alle wissen, dass ein Turnier immer nur so gut ist, wie die Leute die mitspielen. Darum war ich mehr als begeistert, dass wir letztes Jahr von dem 64er Feld über 30 Oberliga- bis Bundesligaspieler am Start hatten. Mit Dominic Jentsch hatten wir auch einen würdigen Vorzeigesportler als Gewinner.
    Leider gab es 2010 eine Überschneidung mit dem Abflug nach Asien, sonst hätten wir wahrscheinlich mit Ralf Souquet und Nils Feijen noch zwei Weltklasse Spieler dabei gehabt. So wie der Terminplan dieses Jahr aussieht, geht der Flieger nach Asien erst Montag oder Dienstag.
    Das ich versuchen werde dieses Turnier so hochkarätig wie möglich zu besetzen, da kannst du von ausgehen. Alle Planungen bzw. eventuelle Neuerungen kann ich hier und jetzt noch nicht verraten, aber ganz sicher……nur zum Wohle der Sportler 🙂

Und zu guter letzt bitte ein Statement zu Sixpockets.de!

  • Ingo: Ja, also Anfangs habe ich gedacht, dass deine Seite nur eine von vielen privaten HP´s wäre. Auch ich hatte da mal meinen Steckbrief hinterlegt. Eigentlich war alles ganz OK. Mittlerweile ist die Seite viel professioneller geworden und man sieht, durch die schnelle Verbreitung im Internet und den neuen rasend schnellen Foren wie Billard-Aktuell und Facebook, hat deine HP viel Zulauf und Anerkennung gefunden. Sie ist sehr aktuell und informiert über Weltweite Ereignisse in der Billardszene. Ganz sicher werde ich mich auch bei dir jetzt öfter informieren. Wenn ich der Meinung wäre, dass deine Seite kein Interesse in der Billardszene verdient hätte, glaube ich nicht, dass ich mir die Zeit für dieses ausführliche und Zeitraubende Interview genommen hätte.
    Zum Abschluß möchte ich mich noch bei dir bedanken, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast in dieser Form einige meiner Gedankengänge der Billardszene hier mitteilen zu dürfen.

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

2 Turnierplakate des BC Alsdorf, eines vom letzten Brunswick Gold Crown V Cup und eines vom bevorstehenden BC Alsdorf 9 Ball Open 2011 vom 11.-13. Juni 2011!

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6 Kommentare zu Interview mit Ingo Lamberti (Landessportwart des BLMR)

  1. Sehr sympathisches Interview, hab Ihn noch nie persönlich kennengelernt. Seine Antworten gefallen mir und ich würde mir wünschen das es solche Funktionäre auch bei uns im Süden gibt….bitte mehr solche Artikel Flo 🙂
    LG
    Gretel

  2. Kann man bei dem Turnier in Alsdorf noch mitspielen? Sehr gutes Interview wie ich finde!

    Holger

  3. Scheint ein guter Typ zu sein….schönes Gespräch!

    Vg, Lack

  4. Vielen Dank für die bisherigen Blumen 😉

  5. Tolles Interview! Knackige Fragen, so kennen wir den Flo 🙂 aber sehr gute und professionelle Antworten. Die 20 Minuten waren gut investiert!

    Grüße aus dem Ländle
    Werner

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