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Interview mit Markus Vogt (cuechanger)

Markus Vogt im Billard Cafe "Crazy Ball" in Köln

Ein Thema das viele, wenn nicht sogar die meisten, sehr beschäftigt ist das Material wie z.B. das Queue mit allen Details und die Veränderungen der letzten Jahre auf dem Gebiet. Natürlich hat sich auch einiges getan im Bereich der Pommeranzen (Leder, Tips). Nun, ich konnte mir zu all den schwierigen Themen keinen besseren Interviewpartner aussuchen als Markus Vogt aus Köln. Er hat sich in den letzten Jahren einen erstklassigen Ruf erarbeitet und mit seinem Partner Dave Heijboer zählt er mittlerweile zu den angesehensten Händlern in ganz Deutschland. Beide sind absolute Fachmänner auf Ihrem Gebiet. Jeder der mit einem der beiden jemals ein Gespräch über dies oder das im Materialbereich führen konnte wurde schnell von Ihrer Kompetenz überzeugt. Spezialisiert haben sich Dave (DoubleDave) und Markus (cuechanger) auf den Verkauf von Custom Cues und deren besondere Eigenschaften. Markus Vogt bietet mittlerweile seine eigene Queueserie an, seine „Naturals“! Bevor es losgeht möchte ich noch kurz meine persönlichen Eindrücke des Naturals II zum Besten geben. Vor einigen Wochen war es mir möglich die Naturals II in Augenschein zu nehmen und sie natürlich auch mal Probe zu spielen. Ich gestehe, der erste Kontakt war ein Mix aus Neugier und Skepsis. Die Optik war mir anfangs zu schlicht, aber nach einigen Minuten fing ich Feuer und war angetan von den verbauten Hölzern und der Verarbeitungsqualität. Selten zuvor hab ich schönere Hölzer gesehen und zusammen mit dem „eigenwilligen“ Ringwork wirkten die Naturals II super Sexy auf mich!

Was mir auch auffiel war die gute Verarbeitungsqualität des Ledergriffbandes…fühlt sich prima an und wo ist die Naht? Man(n) muss schon sehr genau hinsehen  😉 Nun, die Optik alleine reicht in den meisten Fällen nicht. Ein paar Kugeln auf den Tisch und los geht’s….die ersten Gehversuche fühlten sich prima an, jeder Stoß erzeugte ein ordentliches Feedback und ich hatte stets das Gefühl das der „Steggen“ aufs Wort gehorcht. Nach einigen Stößen fiel mir besonders die Ausgewogenheit und die gute Balance auf, man merkt sofort das Markus viel Wert darauf gelegt hat. Besonders deutlich wurde die vorhandene Stoßruhe, nie hatte ich das Gefühl das das Queue übers Ziel hinaus schießt. Natürlich testete ich auch den Versatz des Naturals II. Deutlich weniger als ich es persönlich gewohnt bin, aber in einem aus meiner Sicht beherrschbaren Bereich. Nicht so extrem wie beim 314/2er und dennoch voller Dynamik, soll heißen das es trotz geringerem Versatz ne Menge leben hat. Noch zu erwähnen ist der Satte klang des Queue’s, in meinen Ohren kommt das wunderbar an. Nun…ich besitze ja bereits den Cuechanger Concept Jumper der mir am WE das ein oder andere mal ziemlich aus der Klemme geholfen hat, aber eines ist klar….ich möchte in naher Zukunft ein Naturals II… Einige renommierte Cuemaker hab ich an diesem Nachmittag komplett ignoriert! Tolles Cue das für mich wie ein Handschuh zu passen scheint und zudem Preislich auf einem sehr angenehmen Niveau ist!

Und jetzt viel Spaß beim Lesen des Interviews….

Erzähl uns doch zuerst einmal wie Du zum Pool Billard gekommen bist und wie dann später die Liebe zum „Material“ entstanden ist?

Ich habe Billard schon immer gerne gespielt. Spätestens als ich als pubertierender Jugendlicher die Kneipen heimgesucht habe, bin ich auch an den Billardtischen hängengeblieben. Mit 17 bin ich dann einem Verein beigetreten und habe 2-3 Jahre dort trainiert und gespielt. War zwar ziemlich hart, aber auch spaßig. Das waren halt die Zeiten in denen es noch genug Verrückte gab, mit denen man 60 Stunden am Stück in irgendeinem Vereinsheim spielen konnte. Damals hatte ich von Material nur so viel Ahnung wie ein 18-jähriger Junge eben haben kann. Mein erstes Cue war ein Stamboulini, welches ich für kleines Geld verkauft habe, um mir für großes Geld ein Meucci JR-5 zu kaufen. Auf solche Ideen kommt man wohl nur, wenn man a) sehr jung und b) in den End-80zigern/Anfang-90zigern in Deutschland gewesen ist. Dann folgten 14 Jahre Pause in denen ich außer 250 bis 300 Stunden Arbeiten im Monat nicht wirklich viel anderes gemacht habe, bis ich irgendwann Anzug und Krawatte gegen eine eigene Kneipe tauschte und Karriere und 6-stelliges Gehalt  gegen normale Menschen. Vor knapp 6 Jahren dann packte mich der alte Virus wieder. Ich holte also mein altes Meucci aus dem Keller und stellte ziemlich schnell fest, dass das irgendwie nicht klappt. Also machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Cue und stellte fest, dass es ja mittlerweile so unendlich viel mehr gab als damals. Das machte neugierig. Sehr neugierig. Eine Eigenschaft, die ich wohl sehr ausgeprägt schon immer hatte, wenn ich von etwas fasziniert gewesen bin. Ich probierte diverse Cues aus, fand die Unterschiede äußerst interessant und landete auch schnell bei meiner ersten Custom-Bestellung. Was dann folgte hatte wohl schon so ein wenig von Besessenheit. Ich fing an zu sammeln und in kleinem privaten Rahmen auch ein wenig zu handeln. Innerhalb von 3 Jahren war meine Sammlung an die 100 Cues stark, wobei noch sehr viel mehr durch meine Hände gingen. Ich suchte gezielt Cues von Herstellern, die mir entweder noch unbekannt waren, von denen ich mir aber qualitativ viel versprach oder von solchen, von denen ich schon einmal etwas besessen und für gut befunden hatte. Ich spielte jedes Cue zur Probe, bearbeitete wenn nötig noch Kleinigkeiten und machte mir meine Gedanken, warum dieses Cue so funktioniert wie es funktioniert. In dieser Zeit wuchsen auch meine Beziehungen zu diversen Cuemakern und ich bekam bei Einigen auch die Gelegenheit zum fachlichen Austausch, was ich sehr wertvoll fand. Am Ende meiner Sammlerkarriere wollte ich wissen, ob die Dinge, die ich glaubte gelernt zu haben, auch tatsächlich so funktionieren. Also fing ich an, meine ersten Cues zu konstruieren und zu untersuchen, ob das Ergebnis auch meinen Vorstellungen entspricht. Da ich selbst kein Handwerker bin und auch nicht über eine entsprechende Werkstatt verfüge, lasse ich die Cues nach meinen Vorgaben produzieren. Eine der wichtigsten Lektionen, die ich dankenswerter Weise früh genug gelernt habe, ist dabei, dass ein gutes Cue abhängig ist von gutem Material. Daher habe ich frühzeitig angefangen ein eigenes, umfangreiches Holzlager anzulegen, für Butt- und Shaft-Holz. Liebe zum Material hieß für mich halt irgendwann nicht nur mehr die Arbeit anderer zu bewundern, sondern auch selbst mit dem erlernten Know-How zu versuchen, Top-Cues zu konstruieren.

Du spielst natürlich selber auch. Was waren Deine größten Erfolge oder schönsten Erlebnisse beim Pool?

Oh je…, das wird wohl eher ein beschämender Abschnitt. Als ich vor 22 oder 23 Jahren anfing Pool zu spielen, war ich sicher nicht unbegabt und durfte auch direkt recht hochklassig spielen, aber ich war auch ein kleiner, ungeduldiger und unerfahrener Junge. Als ich später wieder anfing, war ich das nicht mehr, aber dafür mittlerweile ziemlich kurzsichtig und mit dem Kopf bei der Existenzsicherung und meinen kleinen Kindern. Um heute noch mal starke Leistungen zeigen zu können, sehe ich zu wenig und habe zu viel um die Ohren. Versuche mit einer Billardbrille scheiterten fürchterlich und Kontaktlinsen bekam ich erst gar nicht ins Auge. Ich würde mich als einen technisch starken Spieler mit eklatanten Seh- und Konzentrationsschwächen beschreiben. Das reicht, um Cues auf Herz und Nieren zu testen, aber nicht um Turniere zu gewinnen… 😉 Ich freue mich einfach immer, wenns gereicht hat, einem starken Spieler mal einen Satz zu klauen.

Dave und Du….ein „Traumpaar“….wie habt Ihr Euch gefunden?  😉

Oh, ganz einfach. Ich hab irgendwann ein Cue bei ihm gekauft. Und weil ich neugierig war und er gerade mal 90km von mir wohnt, bin ich mal eben vorbeigefahren. Daraus entwickelte sich eine ziemlich intensive und lang andauernde Geschäftsbeziehung. Ich kaufte viele Cues von Dave und irgendwann kaufte er auch Cues von mir. Es war schnell klar, dass wir einige Leidenschaften teilen… und wir haben uns schnell sehr gut verstanden. Sowohl Dave und ich haben bei unseren Deals immer unseren Vorteil gesucht, aber auch immer den des anderen respektiert und gelten lassen. Das war sympathisch. Ich möchte auch erwähnen, dass Dave mir in 2010 mit dem Ankauf großer Teile meiner Sammlung sehr geholfen hatte, als ich nach einem sehr schwierigen Jahr mit meiner Kneipe fast die Existenzgrundlage meiner Familie verloren hätte. So etwas trägt sicher auch dazu bei, sich weiter zu vertrauen.

Was motiviert Dich wenn es um Custom Cues geht? Ist es die persönliche Leidenschaft oder pures Geschäftsinteresse?

Das ist sicher vorwiegend die Leidenschaft. Die Handelsspannen sind im Serien-Cue Bereich meistens deutlich besser als bei Customs. Sicher machen wir auch Gewinne beim Verkauf von Custom-Cues, aber wenn wir einseitig profitorientiert arbeiten würden, dann müssten wir Cues verkaufen, die im Low-Budget Bereich für die 3 Millionen Hobbyspieler und nicht für die maximal 3000 Customliebhaber in unseren Breitengraden interessant sind. Am Ende kommen unsere Einnahmen aus einem Mix, bei dem die Customs sicher einen guten, aber nicht den größten Teil ausmachen. Vergleicht man das mit dem Kapital, dass wir für unsere Bestände hier binden müssen, so könnte man dies evtl. als kaufmännisch wenig sinnvoll bezeichnen. Allerdings haben Dave und ich den großen Luxus, dass wir nicht allein vom Billardgeschäft leben müssen. Sowohl er als auch ich betreiben das als unser –zugegeben ziemlich intensives- Hobby, dem wir als Teilzeitbeschäftigung nachgehen.

Dave war mit seinem Internetpräsenz www.doubledavecues.com bereits vor der Eröffnung des Shops in Köln sehr erfolgreich, was hat Euch bewogen gemeinsam diesen Schritt zu gehen?

Ich würde sagen, wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, bzw. wir hatten das Glück, dass unsere Bedürfnisse an einem bestimmten Zeitpunkt genau zueinander gepasst haben. Wie ich schon mal erwähnt habe, ist der Cuehandel für uns eine Nebenbeschäftigung. Allerdings ist das mittlerweile so zeitaufwändig, dass einer alleine das nicht mehr leisten kann, wenn er noch andere Verpflichtungen hat. Dave suchte einen Weg, seinen Arbeitseinsatz reduzieren zu können, um seinen anderen Geschäften gebührende Aufmerksamkeit widmen zu können, war aber nicht bereit, den Billardhandel aufzugeben, weil es halt eine echte Leidenschaft für ihn ist. Ich war auf der Suche nach einer Teilzeit-Nebenbeschäftigung, um ein wenig mehr abgesichert zu sein, als ich es nur mit der Kneipe war. Das passte irgendwie zusammen, zumal wir uns bereits kannten und vertrauten. Glücklicherweise konnte ich uns zur Untermiete im Billard-Cafe Crazy Ball einen sehr kostengünstigen, eigenen Standort besorgen, der mit hervorragenden Tischen und einem sehr gepflegtem Ambiente ideale Rahmenbedingungen für uns bietet. Hier können Cues halt nicht nur begutachtet, sondern auch anständig getestet werden.

Ihr habt mit dem Verkauf von Custom Cues einen kleinen Boom ausgelöst in Deutschland. Viele wollen nur noch ein Einzelstück spielen. Habt Ihr damit gerechnet?

Nun ja, doubledavecues.com war einfach die erste Seite hierzulande, die in nennenswerter Anzahl und Auswahl Customs angeboten hat. Vielen war das gar nicht so bewusst, was es da noch alles gibt und ich bin eigentlich ziemlich sicher, dass auch einige andere Menschen eine gewisse neugierige Grundeinstellung mit mir gemeinsam haben. Von daher ist es sicher folgerichtig, dass man viele der ambitionierten Spieler dafür begeistern kann. Man darf aber auch nicht vergessen, dass dies ein sehr kleiner Markt ist. Solange wir in Deutschland dieses enorme Missverhältnis von weitläufig Billard-Affinen und organisiert-ambitioniert Spielenden haben, wird dieser Markt auch sehr klein bleiben. Da tummeln sich wenige tausend Spieler für die so etwas in Frage kommt und die können nicht nur bei uns einkaufen, sondern auch bei einem knappen Dutzend Cuemakern in Deutschland und in global-vernetzten Zeiten auch bei einem Dutzend guter Shops in Übersee oder bei den 500 Cuemakern im Rest der Welt. Dem deutschen Käufer stehen alle diese Möglichkeiten offen, während Du als deutscher Anbieter in Zeiten eines schwachen Dollars sicher kaum amerikanische oder asiatische  Käufer dazu bekommst. Das ist sicher ein wenig unglücklich. Wir freuen uns aber immer über jeden einzelnen, den wir für gute Cues begeistern können, nicht nur wegen des Umsatzes, sondern weil wir einfach eine Szene vergrößern, die uns Spaß macht.

Bevor wir uns mit der Materialthematik im Einzelnen befassen erzähl uns doch ein wenig über Deine Queueserie. Wodurch wurdest Du sozusagen inspiriert, mit wem verwirklichst Du das Ganze, welche Hölzer verbaust Du und was für Spieleigenschaften sollen Deine Queue’s haben?

Wie ich eingangs schon mal ausgeführt hatte, war es in erster Linie die Absicht, dass was ich als Sammler über Cues gelernt hatte, in eigene Konstruktionen einfließen zu lassen. Ziel war es, einen enorm spielstarken Player zu entwickeln, der einfach gehalten, aber trotzdem gediegen wirken und für jeden normalen Spieler erschwinglich sein sollte. Aus diesem Konzept entwickelten sich die Naturals. Einfache Plain-Janes, mit Leder-Wrap und einfachem Ringwork, aber mit guten und schönen Butt-Hölzern und mit ganz ausgezeichneten Shaft-Hölzern, bei maximaler Playability. Um so etwas umsetzen zu können braucht man neben dem geeigneten Materiallager vor allem einen Cuemaker, der bereit ist, dieses Wagnis auch mitzumachen. Hierfür bedarf es eines großen Maßes an Vertrauen auf beiden Seiten, denn sowohl der Name des Cuemakers wird Schaden nehmen, wenn meine Konstruktion nicht funktioniert, als auch mein Projekt und mein Name wird geschädigt, wenn der Cuemaker es schlecht umsetzt. Die meisten Cuemaker wären zu so etwas vermutlich nicht bereit. Glücklicherweise habe ich mit Oliver Stops einen Cuemaker gefunden, mit dem ich lange genug zusammenarbeite und genug kleinere Projekte umgesetzt habe, dass diese Vertrauensbasis vorhanden ist. Ein zusätzliches Plus ist auch, dass er keine 70km von mir entfernt wohnt und ich regelmäßig die Arbeitsschritte begutachten kann. So werden die aktuellen Cuechanger-Projekte Naturals II, Concept-Breaker und Concept-Jumper von Oliver Stops gebaut. Ich habe auch schon mit anderen Cuemakern einzelne Cues oder sogar kleinere Serien geplant, aber hierbei hielt sich mein Einfluss auf die technische Umsetzung in sehr viel engeren Grenzen.

Prinzipiell versuche ich Cues zu entwickeln, die ein präzises und deutliches Feedback mit einem ruhigen und sicheren Stoßgefühl, einer guten Wirkungsübertragung und einer möglichst geringen Deflection verbinden. Diese Eigenschaften, Berechenbarkeit, Reproduzierbarkeit, Stoßruhe, Wirkungsfreude und Low-Deflection, sind es, die ein gutes Cue für mich ausmachen und die nicht immer leicht miteinander zu verbinden sind. Ich verwende in aller Regel Forearmhölzer die eine hohe Dichte und eine stabile Struktur aufweisen und dabei noch möglichst einige optische Reize bieten. Ich bin Purist und Holz-Fan. Ich lasse Hölzer am liebsten für sich selbst sprechen, sowohl optisch als auch technisch. Ich core meine Forearme prinzipiell nicht und verwende nur Hölzer die ich auch für geeignet halte. Ich mag es, die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Hölzer später auch noch im Cue wiederzufinden. Es eignet sich längst nicht jedes Holz hierfür, aber doch mehr als man denkt. Schätzungsweise 30 Sorten haben wir schon ausprobiert und noch ein paar mehr, außerhalb des Forearm-Bereichs. Neben den allseits bekannten Favoriten waren auch einige recht wenig verbreitete Hölzer dabei, wie z.B. Thinwin, Katalox, Marblewood, Black&White Ebony, Tamboti, Lingnum-Vitae, Goldregen, Andrampotsy, Burmese Blackwood, Teak-Burl, Redwood-Burl oder Curly Satinwood. Und alle machen Spaß, wenn man sie an den richtigen Stellen verbaut und richtig behandelt.

Lass uns doch mal gemeinsam ein gesamtes Queue betrachten. Fangen wir beim Leder (Pommeranze) an. Mein erstes Leder war ein Elkmaster (auf nem Meucci, wenn ich daran denke frag ich mich wie ich das Spiel lernen konnte 🙂 ), später gab es dann LePro und Triangle. Gute Leder mit brauchbaren Spieleigenschaften und relativ Formstabil. Aber im Vergleich zu heute mit Kamui und Co. Mehrschichtledern nicht zu vergleichen. Erkläre uns doch bitte die Unterschiede im Detail und geh doch bitte auch auf die verschiedenen Durchmesser der Leder ein!

Nun, die 3 klassischen Einschichtleder waren Elkmaster (weich), Triangle (mittel) und LePro (mittelhart). Das Problem bei Einschichtledern ist zumeist, dass aufgrund der einen, recht hohen Lederschicht große Schwankungen in Konsistenz und damit Eigenschaft auftreten. Auch ist die Formstabilität nicht allzu hoch, da sich das Leder in dieser Höhe nur bis zu einem gewissen Grad pressen lässt. Man erreicht eine sehr viel gleichbleibendere Qualität, wenn man dünnere Leder vorab selektiert und miteinander verbindet. Auch lassen sich einzelne dünnere Schichten später effizienter verpressen als eine dicke Schicht. Neben Press- und Klebetechnik unterscheiden sich heutige Mehrschichtleder vor allem in der qualitativ guten oder weniger guten Auswahl der verwendeten einzelnen dünnen Lederschichten und dem richtigen Know-How beim Gerben. Als Ergebnis hat man bei den guten Mehrschichtledern ein Leder mit sehr konstanten Spieleigenschaften. Man kann auch darüber spekulieren, dass Spieleigenschaften bei Mehrschichtledern anders sind als bei Einschichtledern des gleichen Härtegrades. Sicher ist, dass es sich anders anfühlt, was vermutlich auch daran liegt, dass Einschichtleder meistens vom Rind und Mehrschichtleder vom Schwein stammen, also auch Material-intern eine andere Struktur aufweisen. Es empfiehlt sich immer, selbst zu testen und Erfahrungen so gut es geht zu beschreiben und zu interpretieren. Es ist auch nicht jedes Leder gleichgut für jedes Cue oder jeden Spieler geeignet. Unterschiedliche Cues sorgen dafür, das Leder durchaus anders funktionieren und auch die individuelle Technik eines jeden Spielers sorgt dafür, dass Leder und Ihre Eigenschaften immer wieder ganz verschieden Einschätzungen unterliegen. Es gilt immer für den richtigen Spielertyp das richtige Cue zu finden und das fängt beim Leder schon an. Das ist so ein bisschen wie bei Harry Potter und Mr. Olivander… 😉

Idealerweise kauft man sein Leder geringfügig größer als der Ferulendurchmesser. So kann man das Leder vernünftig zentrieren und am Ende einen nicht zu großen Rand wegschneiden und planen. Viele Leder werden nicht nur im Pool, sondern auch im Karambolage verwendet. Dort gibt es noch einmal ganz andere Ferulendurchmesser. Dementsprechend kann man viele Leder auch in sehr unterschiedlichen Diametern kaufen.

Die Ferrule, früher ein helles Stück Kunststoff das ziemlich häufig gerissen ist. Heute wird mit ganz anderen Materialien und „Maßen“ gearbeitet die auch die Stoßeigenschaften deutlich verbessern sollen. Erkläre es uns doch bitte!

Die Suche nach der idealen Ferrule ist für meine Begriffe noch nicht beendet, wobei man sagen muss, dass sich hier ein wenig die Geister scheiden. Zu tun hat dies in erster Linie etwas mit den Bestrebungen des modernen Cuemakings, Low-Deflection Shafts zu bauen. Es gibt verschiedene Ansätze und Prinzipien die hierbei Verwendung finden und je nachdem welchen Ansatz man verfolgt, braucht man die eine oder andere Ferruleneigenschaft. Eigenschaften die unstrittig heute von allen Ansätzen verfolgt werden sind ein möglichst leichtes Gewicht in Verbindung mit großer Rissfestigkeit, guter Klebstoffannahme und guter Polierfähigkeit (Kreideabweisend, bzw. leicht zu reinigen). Wo es unterschiedliche Theorien gibt, was wie gesagt vom Gesamtkonzept des Oberteils abhängt, ist, ob die Ferrule eher weich oder hart sein sollte. Viele Top-Shaft Produzenten arbeiten mit auffällig weichen Ferrulen, was meiner Meinung nach bei einigen am Konzept liegt, bei anderen an Alternativmangel. Es ist schlicht schwierig ein Material zu finden, welches leicht, polierfähig und hart ist und so belässt man es halt schon mal bei polierfähig und leicht. Ich arbeite heute gerne mit Juma oder Micarta, wobei Micarta in vielen Variationen vorkommt und nur in wenigen wirklich brauchbar ist. Der Cuemaker MasonH hat ein sehr taugliches Micarta entwickelt, dass wir gerne verwenden, wenn wir es kriegen. Auch haben wir noch einige Restbestände vom wahrscheinlich bisher besten produzierten Micarta, dem „old Wrestinghouse“ oder auch „yellow“ Micarta, welches aber leider schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr produziert wird. Die wenigen Restbestände werden zu entsprechenden Preisen gehandelt. Was wir eher selten verwenden ist Elfenbein. Neben der Schwierigkeit dies aus kontrollierten Beständen zu bekommen, bin ich aufgrund seines hohen Gewichtes auch kein großer Fan der Spieleigenschaften. Wenn, dann verbaue ich dieses Material immer nur als sehr kurze Ferrule mit eher geringem Diameter. Insgesamt gibt es heute eine sehr viel bessere Auswahl qualitativ guter Ferrulen als noch vor 20 Jahren. Das liegt eigentlich nur daran, dass die Billardindustrie schon immer zu klein und unbedeutend war, um die chemische Industrie dazu zu motivieren, eigene Materialien speziell für das Cuemaking zu entwickeln. Die Cuemaker haben meist Material gesucht, dass schon irgendwo auf dem Markt war und nach 20 Jahren suchen hat man mittlerweile mehr gefunden, abgesehen davon, dass es inzwischen auch definitiv mehr unterschiedliche Kunststoffe gibt. Interessant sind natürlich auch die neueren Ansätze, Oberteile ganz ohne Ferrule zu konstruieren.

Das Oberteil! Es gibt wohl kaum einen Bereich bei einer „Stoßstange“ der kontroverser diskutiert wird. Laminierte Oberteile haben es dem Vollholzoberteil ziemlich schwer gemacht in den letzten Jahren. Hier heißt das Zauberwort „Versatz (Deflection)“. Oder man spricht von „Low Deflection“ und verschiedenste Schliffe der OT’s gibt es auch noch. Du hast hier und jetzt die Möglichkeit das ganze exakt zu erklären und Licht ins dunkle zu bringen. Und bitte ganz ausführlich damit einige „Unwahrheiten“ endlich mal beseitigt werden!

Nun ja, das ist wohl eine der Kardinalfragen im Cuemaking und ich würde mal sagen, dass es nicht viele Menschen gibt, die hier abschließend Auskunft geben könnten und die würden es so öffentlich vermutlich nicht tun. Das was ich weiß, gebe ich aber gerne weiter.

Zunächst einmal muss man sagen, dass ein Oberteil nun mal nur das halbe Cue ist. Es ist nicht zu unterschätzen, da es für viele Eigenschaften des Cues mitentscheidend ist, aber man neigt in jüngster Zeit eher dazu, es im Gegenteil zu überschätzen. Ein Oberteil muss vor allem mit dem Unterteil harmonieren und unterliegt in diesem Zusammenspiel weitaus mehr Gesetzmäßigkeiten als die mittlerweile klassischen Fragen um Taper, Holzauswahl, Hohlbohrung oder Carbonkern so erklären würden. Hier liegt tatsächlich eine Kunst im Cuemaking, die vor allem von der Erfahrung und dem Händchen des Cuemakers lebt und Low-Deflection fängt lange vor dem Oberteil in der Konstruktion des Unterteils an.

Aber zurück zum „blanken“ Oberteil. Low-Deflection ist tatsächlich der Dreh- und Angelpunkt der letzten 10 Jahre gewesen. Das Spiel entwickelt aus sich heraus genug Schwierigkeiten, dass es sich wohl mittlerweile als Spielvereinfachend herausgestellt hat, bei Anpassung des Treffpunktes auf Speed und Spin nicht im Bereich des Vermutens liegen zu müssen, sondern vielmehr zu wissen, dass der Treffpunkt der Treffpunkt ist und auch bleibt. Die erste „Unwahrheit“ hierbei, die gerne hartnäckig in den Köpfen weniger Material-Versierter spukt, ist, dass laminiertes Holz etwas mit Low-Deflection zu tun haben könnte. Das ist nicht der Fall. Man versucht durch das Laminat Eigenschaften sehr dicht und gleichmäßig gewachsenen Holzes nachzuahmen, bzw. diese zu verbessern, was allerdings nur mäßig Erfolg hatte. Radial-Consistence war das Zauberwort des Markteinführers seinerzeit, soll heißen, man konnte das OT 360 Grad drehen wie man wollte und es sollte immer die gleichen Eigenschaften haben. In der Realität scheitert dies an der unzureichenden Selektion nach Qualitäten der laminierten Holzteile. Laminat hat meiner Meinung nach durchaus sinnvolle Eigenschaften, die man im seriellen Cuebau nutzen könnte, aber weniger im Bereich der Oberteilherstellung, zumindest nicht für Player. Der Hauptnachteil liegt meines Erachtens in der Einbuße eines großen Teils des Stoß-Feedbacks, was die richtige Dosierung der Stoßenergie mitunter sehr schwierig macht. Wer jahrelang Vollholz-Oberteile gespielt hat und versucht, einen veritablen Druckball mit Laminat kontrolliert auf Stellung zu spielen, wird verstehen, was ich damit meine. Der Hauptgrund für die serielle Herstellung laminierter Oberteile liegt denke ich eher im finanziellen Bereich. Man hat ein Marketing aufgebaut, das diese Oberteile als besonders hochwertig suggeriert und kann entsprechende Preise bei minimalen Materialkosten nehmen, da man an die Rohware bei weitem nicht mehr die selektiven Ansprüche anlegen muss, wie man das tun müsste, würde man klassisch mit Vollholz bauen. Hierin wiederum liegt aber gerade der Schwachpunkt des heute seriell hergestellten Laminats. Würde man bei Materialauswahl und Fertigungsqualität deutlich höhere Ansprüche ansetzen, hätte das Laminat auch tatsächlich bessere Eigenschaften, aber es würde dabei auch seinen Kostenvorteil verlieren. Daher gehen diesen Weg auch nur einige wenige Custommaker, allerdings mit erstaunlich positiven Ergebnissen.

Mit Low-Deflection haben andere Konstruktionsansätze der jüngeren Zeit deutlich mehr zu tun. Ich für meinen Teil habe 3 Ansätze herausgefiltert, die jeder für sich Deflection verringern können und in der Praxis zumeist in Kombination miteinander angewendet werden.

Prinzip Nummer eins ist die reine Formgebung des Oberteils. Der alte Unterschied zwischen European- und Pro-Taper ist überspitzt ausgedrückt der Unterschied zwischen einer Pyramide und eines hohen, parallelen Turmes. Die Pyramide weist die höhere Stabilität auf, während der hohe Turm das deutlich wackeligere Gebilde ist. Der Protaper braucht für seine Stabilität einen gewissen Diameter, weshalb diese klassischerweise um 13mm gebaut werden. Der European-Taper holt sich seine Stabilität aus der reinen Form und ist daher gerne mit schlankeren Diametern um und auch unter 12mm konzipiert. Stabilität im vorderen Taperbereich ist es, was erstrebenswert ist und worauf letztlich alle 3 Ansätze abzielen. Aus diesem Prinzip lässt sich auch leicht ableiten, dass längst nicht jedes Oberteil präziser wird, wenn man seinen Diameter verjüngt. Bei einem klassischen Vollholz-Protaper erreicht man mitunter das Gegenteil, wobei es in vielen anderen Fällen Sinn machen kann.

Prinzip Nummer 2 arbeitet mit Gewichtsreduktion im vorderen Taper. Nahezu jedes LD-Oberteil heutzutage arbeitet mit einer Hohlraumbohrung auf den ersten 7 inch und/oder mit weiteren kleinen Kniffen, um das Gewicht im vorderen Bereich zu senken. Kurze und leichte Ferulen oder gar der Verzicht auf diese sind ein Beispiel. Um den Sinn dieser Übung zu verstehen kehren wir kurz zurück zu unserer Vorstellung mit dem hohen Turm. Man stelle sich vor, man würde Gewicht in seiner oberen Etage einsparen und damit den Schwerpunkt deutlich nach unten verlagern. Dies würde den Turm sehr viel unanfälliger für unerwünschte seitliche Bewegungen machen, sprich ihm zusätzliche Stabilität verleihen.

Das dritte Prinzip schließlich versucht die Stabilität aus der Materialsteifigkeit an sich zu ziehen. Dies ist ein sehr komplizierter Ansatz, da er keinen einfach verständlichen Regeln folgt. Die Faustformel härter = besser gilt leider nicht in Gänze, genauso wenig wie man direkte verbindliche Schlüsse aus der Dichte des Materials ziehen kann. Bis zu einem gewissen Grad kann eine hohe Materialsteifigkeit, kombiniert mit anderen Eigenschaften sehr förderlich sein um hervorragende Low-Deflection Ergebnisse zu erzielen, allerdings kann zu hohe Steifigkeit oder zu hohes Gewicht auch den gegenteiligen Effekt haben, was letztlich erklärt, warum Oberteile immer noch hauptsächlich aus Hardmaple gefertigt werden und nicht etwa durch künstliche Stoffe. Carbon hat sich als taugliches Material erwiesen, als Core die Steifigkeit von Oberteilen positiv zu erhöhen und gleichzeitig das Gesamtgewicht nicht über die kritische Masse zu bewegen. Aber auch ein sehr hartes und dicht gewachsenes Maple-Oberteil kann genau diesen Zweck erfüllen, wobei dies natürlich wieder enorme Anforderungen an die Materialselektion stellt. Das Gewicht von Vollholz-Oberteilen kann in diesem Zusammenhang durchaus ein Indikator für dessen Härte sein, muss es aber nicht. Letztlich ist es immer noch die Erfahrung und das Know-How des Cuemakers, einen Rohling zu erkennen, der positive Eigenschaften in das spätere Oberteil mit einbringen wird.

Was beim Thema Deflection allerdings immer gerne ausgespart wird, ist die Variable des Spielers. Deflection zu messen setzt ja immer auch einen konstanten Stoß voraus und zwar nicht nur von einem Spieler sondern auch in Vergleichbarkeit zwischen den Spielern. Da wird es in der Realität schon schwierig, da jeder Spieler ein wenig anders stößt und dies direkte Auswirkung auf das Deflectionsergebnis hat. Marginale Unterschiede im Anstellwinkel des Cues haben da schon gewaltige Auswirkungen. Hier gilt ganz klar „Cue flach halten“! Low-Deflection fängt in der Tat bei der eigenen Technik an.

Ich bin mir sicher, dass wir hier noch lange nicht am Ende der Erkenntnisse und Entwicklungen sind. Ich für meinen Teil werde das sehr interessiert beobachten und soweit ich kann, auch selbst weiter testen und experimentieren.

Jetzt käme das Ringwork (Zierring), können wir das auslassen oder gibt es hier auch entscheidende Veränderungen in den letzten Jahren die mehr als nur optischer Natur sind?

Das kommt darauf an, was man als Zierring bezeichnet. Die Tatsache, dass man einen Ring um den OT-Ansatz als auch um den Joint legt, hat in erster Linie stabilisierende Gründe. Es gibt nun Bauweisen, in denen der „Zierring“ vielmehr der komplette Joint wird, was sicher dann eine Auswirkung auf die Spieleigenschaften hat. Ein Steeljoint hat sicher andere Eigenschaften als ein Phenolic- Elfenbein- oder Hartholzjoint. Allerdings kann man das schlecht pauschalisieren, da es immer darauf ankommt, in welchem Zusammenhang mit welchen anderen Komponenten sie wirken können. Hier alle Kombinationen zu beschreiben wäre unmöglich, zum einen weil ich noch nicht alle ausprobiert habe und zum anderen weil ich dann vermutlich 100 Seiten nur zu diesem Thema schreiben müsste.

Mein Lieblingsthema ist die Verschraubung (Pin). Ich bevorzuge seit mehr als 20 Jahren eine in Holz Verschraubung mit 3/8×10 Pin wie ich sie zum ersten mal bei einem McDermott Queue erlebt habe. Mittlerweile bin ich persönlich beim Radial Pin angekommen. Aber es gibt auch immer noch die klassischen Verschraubungen ala 5/16×14 die meist in einer Metallhülse verschraubt werden. Was ist denn nun besser oder ist dies persönlicher Geschmack?

Das ist sicher eine Frage der persönlichen Vorliebe. Es gibt gute und renommierte Cuemaker der einen oder der anderen Fraktion, die jeweils für sich entschieden haben, dass zu ihrer Art Cues zu bauen halt eher ein Big-Pin oder ein Feingewinde passt. Ich persönlich würde vielleicht sagen, dass es eine leichte Tendenz dazu gibt, dass der Big-Pin ein direkteres Feedback liefert und das Feingewinde etwas mehr Dynamik produziert, aber auch das ist keine absolute Regel und hängt von vielen anderen Faktoren der gesamten Konstruktion ab. Wichtig ist in erster Linie, dass die Verbindung sehr passgenau arbeitet und die beiden Teile des Cues möglichst homogen zusammenwirken lässt. Gut gemacht können das sicher beide Typen.

Der Joint wäre der nächste Punkt. Was für mich gar nicht geht ist der Stahljoint. Ich mag ihn nicht, optisch wie auch von der Stoßrückmeldung ziemlich mittelmäßig. Wie ist Deine Meinung zu dem Thema?

Auch hier muss ich wieder zu dem Punkt zurückkehren, dass es immer eine Frage des Gesamtpakets und der persönlichen Vorliebe ist. Gut umgesetzt kann ein Steel-Joint durchaus eine hochpräzise und sehr dynamische Verbindung sein, die sehr direkt Stoßenergie und somit auch Feedback transportiert. Schlecht gemacht eben nicht. Aber das gilt auch für alle anderen Arten des Joints. Und ob man das mag oder nicht, ist denke ich eine Frage der eigenen Erfahrungswerte die man mit der einen oder anderen Art von Cues gesammelt hat.

Kommen wir zum Unterteil des Queue’s, und zwar zum sogenannten Forearm. Auch hier gibt es verschiedenste Hölzer die verbaut werden und das hat nicht nur optische Gründe. Richtig oder Falsch?

Völlig richtig. Vieles vom sog. „Hit“ kommt aus dem Forearm. Unterschiedliche Hölzer haben unterschiedliche Eigenschaften, je nach Dichte, Härte und Elastizität. Das gilt für verschiedene Sorten, als auch für unterschiedliche Wüchse innerhalb derselben Sorte.

Man sagt grob gesehen, dass der Hit aus dem äußeren Holzmantel und die Skills aus dem Holzkern kommen. Daher neigen einige Cuemaker dazu, Ihre Forearme zu coren, um allen ähnliche Eigenschaften mit auf den Weg zu geben. Es gibt natürlich auch noch andere Gründe dafür einen Forearm zu coren, wie Gewichtskontrolle oder Schutz vor Verzug. Ich persönlich neige dazu, die Forearme massiv zu bauen, da ich Spaß an den unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Hölzer habe. Hölzer deren Eigenschaften ich für einen Forearm nicht für positiv halte, verbaue ich eben nicht. Aber bei mir soll sich ein Zircote-Cue halt spielen wie ein Zircote-Cue und ein Leopardwood, wie ein Leopardwood.

Das Griffstück (Handle). Es gibt Leinengriffbänder, welche aus den verschiedensten Ledern und den nackten über lackierten Griffbandbereich. Ich denke dass dies wohl wirklich nur der persönliche Geschmack entscheidet. Aber welche Ledergriffbänder kannst Du denn besonders empfehlen (Haltbarkeit, Look and Feel)?

Das Feeling ist natürlich wirklich rein subjektiv. Für die Anhänger der Lederwraps gilt das natürlich genauso. Ob ich nun ein möglichst softes Glattleder oder ein hartes Elepahnt oder womöglich ein möglichst strukturiertes Lizard gut finde ist reine Geschmackssache. Je nach Nutzung kann man aber davon ausgehen, dass man alle paar Jahre ein neues Leder braucht und das unabhängig von der Preisklasse. Leder ist ein Naturprodukt und es nutzt sich mit der Zeit ab. Verzichten würde ich vielleicht auf Leder die eine zu auffällige „Glossy“-Schicht aufgetragen haben, da diese am schnellsten verschleißt und es dann unregelmäßig aussieht. Prinzipiell sollte man beim Lederkauf darauf achten, dass man auf dem ganzen Stück eine gleichmäßige Höhe hat. Ist dies nicht der Fall, wird die Montage und vor allem das Kaschieren der Naht sehr schwierig. Professionelle Hersteller liefern da gute und gleichmäßige Qualität ab, die man bei irgendwelchen Schnäppchen vom Gerber um die Ecke eher weniger erwarten kann. Der Cuemaker Eures Vertrauens wird vernünftige Bezugsquellen haben. Wir natürlich auch…

Markus und seine Naturals II

Über den Butt (Endstück) geht es über das Butt Cap zum Bumper. Der war vor 30 Jahren schon aus Gummi und ist wahrscheinlich der Teil des Queue’s der am wenigsten Beachtung bislang bekommen hat, oder 🙂

In erster Linie soll der Bumper das Cue natürlich vor Beschädigungen beim Aufsetzen auf harten Untergrund schützen. Dafür hat vermutlich noch niemand etwas sinnvolleres erfunden. Aus optischen Gründen wird auch schon mal Bumperless gebaut und Gerüchten zufolge kann dies sogar ein wenig Auswirkungen auf den Sound haben, aber ich kann dazu nicht wirklich viel sagen. Interessanter ist der Bumper heutzutage als technische Vorrichtung um eine Extension anbringen zu können. Da gibt es mittlerweile durchaus gute und sinnvolle Lösungen, sowohl von Serien als auch von Customherstellern. Für die neue Charge der Naturals II gibt es das natürlich auch. 😉

Dann gibt es noch folgende Begriffe die immer wieder einmal im Raum stehen. Fullsplice, Plain Jane oder Sneaky Pete. Kannst Du diese Begriffe bitte nochmal kurz erläutern?

Also ein Fullsplice sind zwei verschiedene Holzsorten die über eine gewisse Länge ineinander verkernt werden, klassischerweise mit 4 Points. Das ist eine sehr aufwändige Bauweise und dies so zu herzustellen, dass am Ende alle Points auch sauber, scharf, spitz und gleichmäßig werden ist eine hohe Kunst, die nur wenige Cuemaker wirklich perfekt beherrschen. Leider ist die Herstellung von Fullsplices für die Cuemaker auch wenig attraktiv geworden, da der Herstellungsaufwand selten im Verhältnis zum Verkaufserlös steht. Dies gilt vor allem für sog. Sneakie-Petes, also Fullsplice Cues die im Design an klassische Hauscues angelehnt sind. Das traditionelle Sneakie-Pete ist ein Zocker-Cue, das äußerlich wie ein Hauscue daherkommt, tatsächlich aber ein spielstarker 2-Teiler ist. Da aber selten jemand bereit ist, nennenswertes Geld für ein Hauscue-Design auszugeben, die Herstellung tatsächlich aber aufwändig und somit teuer ist, verliert es zunehmend an Attraktivität bei den Cuemakern. Die meisten kaufen die Fullsplices heute als fertige Blanks bei spezialisierten Herstellern ein und versuchen mit diversen Stilmitteln das Cue künstlich aufzuwerten. Das Ergebnis ist dann ein „Fancy“ Sneakie-Pete und ist erkennbar kein Hauscue mehr.

Eine Plaine-Jane ist ein Cue mit einem Forearm und einem Buttsleeve ohne Inlays oder Points und einem Griffband in der Handle-Section. Das gleiche als Wrapless mit Holzhandle nennt man Merry-Widow.

Wie wichtig ist das Gewicht eines Billardqueue’s aus Deiner Sicht?

Durchaus wichtig. Viel wichtiger finde ich jedoch die richtige Verteilung des Gewichts und das geht weit über die reine Balance hinaus. Der Schwerpunkt ist eine Sache, die möglichst natürliche Verteilung des Gewichts über alle Ansatzstellen eine andere. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass es für Spieler viel wichtiger war, dass sich das Cue natürlich in der Hand angefühlt hat, als die Frage ob es jetzt 18,5 oder 19,5oz hat.

Auch die Jump Queue’s haben in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung gemacht. Ich bin zwar ein ziemlich großer Gegner des Jump Shots aber ich musste was das angeht leider umdenken. Schuld daran ist Klaudio Kerec, wegen Ihm werde ich da wohl gehörig aufrüsten  😀 Erzähl uns was zum Jump Queue, was sind hier die Grundlegendsten Veränderungen der letzten Jahre?

Jaja, der Klaudio… das kann er allerdings tödlich präzise. Wenn man sich überlegt, dass man vor gerade einmal gut 20 Jahren mit dem Jumpen angefangen hat, ist das noch eine sehr neue Disziplin im Cuemaking. Daher hat man in sehr kurzer Zeit sehr viel probiert und hatte auch einiges mehr an Möglichkeiten was die Materialauswahl anging als beispielweise bei Player-Oberteilen, da hier Haptik und Feedback nur eine untergeordnete Rolle spielen. Hinzu kommt, dass sich mit der Dart-Stroke Technik eine weitere Jumptechnik dazu addiert hat, die wiederum andere Ansprüche ans Material stellt. Zusammenfassen kann man denke ich sagen, dass sich für kurze Jumps sehr leichte Handles durchgesetzt haben, die für lange Jumps sinnvoller Weise mit einem schwereren Short-Butt ergänzt werden können. Die Oberteile sollten in erster Linie sehr hart sein. Eine große Rolle spielt das entsprechende Tip. Die alle Probleme beseitigende Allroundlösung scheint noch nicht gefunden zu sein. Je härter das Tip, desto besser die Kraftübertragung auf die Platte und desto leichter der Jump. Dummerweise geht dies in aller Regel einher mit einem entsprechenden Kontrollverlust. Tips die nicht ganz so glashart sind, bieten mehr Kontrolle, erfordern aber auch mehr Tempo und bringen bei extremeren Anforderungen wiederum dadurch Schwierigkeiten. Ich für meinen Teil behelfe mir mit einem Stick mit G10-Tip für sehr kurze Jumps und meinem Break-Jumper mit H4000 für mittlere und lange Jumps.

Das Breakqueue! Ein Materialbereich der in den letzten Jahren das gesamte Spiel aus meiner Sicht auf ein neues Level gebracht hat. Topspieler sind abhängig von Ihrem Break. Was empfiehlst Du, die Break Jump Variante oder das einteilige Break Queue?

Das Break ist in der Tat bei den Top-Level Spielern der wichtigste Stoß geworden. Man kann hervorragende Break-Jump Kombinationen bauen, die sowohl das Break als auch mittlere und lange Jumps sehr gut beherrschen. Würde man versuchen, die kurzen Jumps auch noch mit einzubauen, müsste man Abstriche bei den Breakeigenschaften machen, da sich Materialanforderungen in diesen Bereichen zu sehr widersprechen. Prinzipiell gilt, je spezieller das Einsatzgebiet des Cues, desto besser und kompromissloser kann man es darauf abstimmen. Der beste Breaker wird also ein reiner Breaker sein, wobei man dies wie gesagt, durchaus mit langen und mittleren Jumps kombinieren kann. Was für einen persönlich die beste Wahl ist, hängt sehr vom eigenen Anspruch ab. Bin ich Top-Level Spieler oder schrecke ich einfach nicht davor zurück, viel Geld für viele spezialisierte Cues auszugeben und einen großen Köcher mit mir zu schleifen, dann sind sicher die Einzellösungen sinnvoll. Wenn nicht, dann gibt es sehr gute Break-Jumps die wirklich ganz ausgezeichnete Kompromisslösungen darstellen und mit denen man zumindest unter Normalbegabten keinen wirklichen Nachteil hat.

Break/Jumpqueue‘s gibt es mittlerweile sehr sehr viele in allen Preisklassen, aber aus meiner Sicht ist es nur ein ziemlich schlechter Kompromiss. Ich hab bislang noch nix gescheites in die Finger bekommen. Wieso ist es so schwer ein Break/Jumpqueue zu bauen, das beide Anforderungen perfekt erfüllt?

Ich spare mir mal die Ausführung von einigen technischen Details, die eher Nebenkriegsschauplätze sind und konzentriere mich mal auf ein paar wenige wesentliche Stellen. Zum einen ist da das Oberteil. Für die Überwindung sehr kurzer Jumpdistanzen sollte dies sehr, sehr hart sein. Eine Verkürzung und ein konischer Taper, vielleicht sogar ein alternatives OT-Material wären da sinnvoll. Dummerweise ist das für die Wirkungsentfaltung beim Break sehr hinderlich. Ein zu hartes und zu steifes OT entfaltet beim Break keinerlei Dynamik mehr, es ist tot. Ein weiteres Problem ist das Tip. Während ein gutes Breakcue eine gute Wirkungsentfaltung mit einem Maximum an Kontrolle verbinden sollte, muss ein Jumpcue, das auch sehr kurze Distanzen überwinden können sollte, ein Tip haben, dass extrem hart ist, was allerdings wiederum der Maximalen Kontrolle des Breaks im Weg steht. Daher habe zumindest ich persönlich es bislang nur geschafft, ein Break-Jump zu entwickeln, das hervorragend breakt und sehr gute Jump-Ergebniss für mittlere und lange Distanzen liefert. Natürlich gibt es Cues, die alles irgendwie können, aber sie machen immer Kompromisse in die eine oder andere Richtung.

Eine etwas kompliziertere Frage. Viele Spieler leihen sich ein Predatorqueue mit 314/2er Oberteil um es Probe zu spielen. Sind anschließend total begeistert und bestellen sich für Ihr Spielqueue (kein Predator) ein 314/2er Oberteil. Dann schrauben Sie es auf Ihr Spielqueue und sind total enttäuscht, dass es sich anders spielt als das reine Predatorqueue. Wo liegt das Problem?

Das eingangs erwähnte Problem, dass ein OT auch auf ein Unterteil abgestimmt sein muss, kann sicher hierfür ein Grund sein. Ein anderer Grund kann aber sicher auch darin liegen, dass Predator-Oberteile eine breite Streuung in ihrer Ausführungsqualität aufweisen. So sind verarbeitete Holzqualitäten innerhalb des Laminats oft sehr unterschiedlich und selbst die ab Werk angegebenen Diameter weichen oft weiter ab, als sie sollten. Ich habe bei baugleichen fabrikneuen Oberteilen Gewichtsunterschiede von über 1oz gewogen und es ist selbstverständlich, dass dies zu ganz unterschiedlichen Spielergebnissen führt.

Zu welchen Eigenschaften eines Queue’s würdest Du einem blutigen Anfänger raten?

Ein mittelhartes bis hartes Cue, nicht wirkungsüberzüchtet, gut kontrollierbar mit gutem Feedback und möglichst wenig Deflection, so dass ihm von vornherein beigebracht wird, dass man für die gewünschte Wirkung auch sauber stoßen muss und er sich direkt an die natürlichen Treffpunkte gewöhnt, ohne sich mit der Frage zu beschäftigen, wie viel Effetkorrektur er nun einplanen muss.

Viele glauben, dass Sie durch ein sehr kostspieliges Custom Cue schnell besser werden. Sicher wird es heute z.B. durch ein 314er Oberteil ein wenig einfacher das Spiel zu lernen, aber es kann nie Fleiß und Ehrgeiz ersetzen. Deine Meinung dazu!

Beim Billard spielt sich viel im Kopf ab. Selbstvertrauen ist sehr wichtig im Spiel und man sollte das entsprechende Zutrauen in sein Material haben. Der eine hat dies in ein 50 Euro Cue, ein anderer braucht dazu ein weitaus kostspieligeres Custom. Neben der Frage, ob es sich tatsächlich um ein taugliches Cue mit guten Eigenschaften handelt, kommt es maßgeblich darauf an, ob der Spieler ihm vertraut und es zu nutzen weiß. Was das 314ner angeht, so denke ich nicht, dass es einem das Erlernen der richtigen Technik erleichtert, eher im Gegenteil. Es wird einem Anfänger erleichtern, Wirkungsbälle spielen zu können, da es diese Wirkung auch noch bei weniger sauber ausgeführten Stößen produziert, aber das führt letztlich nicht dazu, dass der Spieler sich technisch wirklich entwickelt. Ein härteres Cue, das ihn zum sauberen Arbeiten zwingt, ist sicherlich für seine technische Entwicklung förderlicher, neben dem richtigen Trainingsehrgeiz natürlich. Das 314ner hat ganz unbestreitbar seine Qualitäten, aber ich würde es dann doch eher Spielern empfehlen, die technisch sehr fortgeschritten und vor allem sehr stabil sind.

Glaubst Du das viele Anfänger zu viel Zeit mit dem Material als mit dem Spiel an sich verbringen?

Ja und nein. Ich denke, man sollte sich von vornherein eine Ausrüstung zulegen, die einem später auch nicht im Stich lässt und es lohnt sicher, dafür ein wenig Recherche zu betreiben. Dies kann auch mit kleinem Geld funktionieren. Ich behaupte mal, man kann sich mit 300 bis 350 Euro vollständig konkurrenzfähig ausrüsten. Wenn man das jedoch einmal getan hat, sollte man sich auf sein Spiel und sein Training konzentrieren. Es gibt viele traurige Beispiele von ewig Suchenden, die schon fast eine Zwangsneurose in Bezug auf das nicht optimale Cue entwickelt haben und die ihr eigenes Unvermögen prinzipiell mit unzureichendem Material erklären. Das ist natürlich alles andere als sinnvoll.

Naturals II v.l.n.r. East Indian Rosewood, Olivewood, Figured Purpleheart, Goncalo Alves, Katalox, Zircote, Birdseye-Maple AAA, Cocobolo AAA

Die Firma Kamui bietet seit einiger Zeit ihre eigene Kreide an. Ein Stück Kreide das es uns erlaubt mit nur einmal Kreiden bis zu 40 Stöße zu machen. Allerdings bin ich skeptisch das es das ist was die Spieler wollen. Das Kreiden ist viel zu sehr in unseren Stoßrhythmus integriert und für mich vor einem Stoß nicht mehr wegzudenken. Deine Meinung dazu!

Ich denke, das ist alles Gewohnheitssache. Man kann sich auch an einen neuen Rhythmus gewöhnen, wenn das Sinn macht. Ich denke aber auch, man kann mit einer herkömmlichen Kreide problemlos ein Dutzend Stöße machen, ohne dabei abzurutschen und trotzdem kreiden wir nach jedem oder jedem zweiten Stoß, zumindest die meisten von uns. Die Tatsache, dass ich mit einer Kreide dann möglicherweise theoretisch 3 mal weniger Kreiden müsste, rechtfertigt in meinen Augen in keiner Weise eine Verzehnfachung des Preises gemessen am bisher teuersten Stück und gar eine annähernde Verhundertfachung, wenn ich den guten alten Master Großpack zugrunde lege. Es müssen also noch andere erhebliche Faktoren dazukommen, um das auch nur annähernd zu rechtfertigen. Die geschickt lancierten angeblichen Eigenschaften, wie bessere Effetübertragung und selteneres Abrutschen könnten ja in diese Richtung gehen. Allerdings fällt mir dazu ein, dass Abrutschen nahezu ausschließlich auf technische Fehler zurückzuführen ist. Was die Effetübertragung angeht, so kann man daran glauben oder nicht. Angenommen das wäre tatsächlich so, würde ich mich erstens fragen, ob ich dies überhaupt haben will, da ich eigentlich hier bislang keinen Mangel feststellen konnte und als Mensch der ein wenig von Cuemaking und LD-Faktoren versteht, würde ich mich weiterhin fragen, ob eine verlängerte Kontaktzeit auf dem Spielball, auch wenn dies nur im Millisekundenbereich stattfindet, nicht unweigerlich zu erhöhter Deflection führen muss. Eine Deflectionsvermindernde Eigenschaft kann ich nach meinem Wissensstand zumindest ausschließen. Was man zweifelsohne einräumen muss, ist, dass die Kamui-Kreide weniger Blueing am Shaft hinterlässt. Am Ende bleibt es natürlich jedem selbst überlassen, aber ich persönlich halte das für eine geschickte und vermutlich sogar erfolgreiche Produktveredelungsstrategie, mit sehr fraglichem Nutzen für den Spieler.

Wieso haben die meisten Spieler ein anderes Empfinden dafür was ein gutes Queue ist, ich meine es gibt tatsächlich Topspieler die absolut nix mit den Top Cuemakern anfangen können. Gibt es da eine Erklärung für?

Wie der Latainer sagt, „quod capitas, quod mensis“ oder wie wir in Köln sagen würden „jeder Jeck is anders“. Manche Spieler sind in der Lage sich innerhalb einer halben Stunde auf ein neues Cue einzustellen und andere bekommen die Krise und treffen keinen Ball mehr, wenn Du die Balance ihres Cues um 1/10 inch veränderst oder ihnen eine Pommeranze montierst, die geringfügig vom Gewohnten abweicht. Es gibt völlig unterschiedliche Techniken, unterschiedliche Lerntypen, unterschiedliche Charaktere und unterschiedliche Gewohnheiten. Je nach dem auf welchem Cue ein Spieler gelernt hat, hat er sein Spiel auf dieses Cue hin abgestimmt. Es gibt Leute, die können schnell umlernen, andere brauche viel Zeit dafür und wieder andere können das gar nicht. Und das gilt für Spieler aller Spielstärken.

Welche Serienqueue’s kannst Du aufgrund Ihrer Spieleigenschaften empfehlen?

Man muss da sehr vorsichtig sein, denn zum einen entwickeln sich Marken von Zeit zu Zeit immer mal wieder überraschend weiter, bei denen man schon gar nicht mehr damit gerechnet hat und zum anderen hängt es natürlich immer von den persönlichen Bedürfnissen des Spielers ab, der den Cue nachher spielen soll. Ich kann z.B. Mezz uneingeschränkt empfehlen, was Verarbeitung, Spielqualität und Variabilität angeht. Pechauer hat sehr klassische und sehr gute Spieleigenschaften, gepaart mit einer hervorragenden Verarbeitung und Joss bietet gute Playability und klassisches Design für überschaubares Geld. Sehr viel Design für recht wenig Geld bekommst Du bei Lucasi und neuerdings auch LD-Shafts, wohingegen Poison eher für ungewöhnliches Design steht. Predator ist sicher der Marktführer für Leute die wirkungsfreudige LD-Cues suchen, McDermott bietet viel Cue für die Liebhaber des eher softeren Hits und wer einen soliden satten Hit sucht ist bei Viking richtig. Wirklich schlechte Marken gibt es eigentlich nicht mehr, die verschwinden vom Markt. Es gibt nur Marken mit unterschiedlichen Ausprägungen und Schwerpunkten.

Was sind für Dich die wichtigsten Materialerrungenschaften der letzten Jahre?

Ohje, das is ne harte Frage… Ich glaube die größte Errungenschaft ist gar nicht an einzelnen Gimmicks fest zu machen, sondern liegt eher darin, dass die gesamte Cuemaking-Szene einen großen Schritt nach vorne in Richtung Qualität gemacht hat. Jeder ernstzunehmende Cuemaker, der sich heute noch am Markt behauptet, liefert gute Arbeit. Das war nicht immer so und ich denke, das liegt in der Transparenz der Szene begründet, die wir heute im global vernetzten Zeitalter, international besetzter Foren und ambitioniert betriebener Blogs erleben. Die Szene hat sich stark internationalisiert und jeder lernt von jedem.

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Wie sieht Dein perfektes Queue vom Aufbau her aus? Vom Leder bis zum Griffband.

Die Suche nach dem perfekten Cue begleitet jeden Cuemaker -oder bei mir Konstrukteur- wohl sein Leben lang. Letztlich hängt auch dies immer vom Einzelfall ab. Jedes Detail spielt in das nächste herein. Ich bin Holz-Fan. Mein perfektes Cue wäre also wahrscheinlich eine Plain-Jane. Ich denke es hätte im Ober- und Unterteil je ein halbes inch Überlänge. Das OT wäre ein extrem dichtes, sehr hartes und leicht mineralisches Vollholz-OT mit einer Hohlbohrung, einer kurzen Ferrule aus einem hochpolierfähigem, harten und dennoch leichtem Material, einem Mischtaper mit größeren Protaperanteilen, so knapp unter 13mm. Mittelhartes, formstabiles Leder mit einem trockenen Hit. Das Holz fürs UT ist Utopie. Irgendwas völlig abgefahren extrem stark gemasertes, das trotzdem hart und stabil genug ist um es uncored zu bauen und das einen harten, direkten und schwingungsarmen Hit abliefert. So ein Holz gibt es leider nicht. Ich bevorzuge 3/8×10-Pins und kurze Mantel-Joints aus Phenolic. Dezentes aber schönes Ringwork an ABCD, kein Buttcap, flacher Bumper mit Extension. Lizard-Print. Fertig. Wenn wirs gebaut haben, sag ich Bescheid… 😉

Viele Serien Queuehersteller wie z.B. Mezz erreichen mittlerweile annähernd das Niveau der besten Custom Cue Maker. Siehst Du das ähnlich oder wird das Custom Cue immer einen gewissen Vorteil haben?

Custom bedeutet ja eigentlich „für den Kunden gemacht“, auch wenn wir heute dazu neigen alles als Custom zu bezeichnen, was nicht wirklich 1 zu 1 reproduzierbar seriell gefertigt wird. Ein Custom trägt also somit den Wünschen und Bedürfnissen des Kunden in besonderem Maße Rechnung und hat darüber hinaus immer den Nimbus des Einzigartigen. Das kann ein Seriencue natürlich nicht leisten, ganz gleich wie gut es ist. Was Seriencues leisten können, ist ein enorm starkes Niveau an Playability und Verarbeitungsqualität zu erreichen und die besten hierunter brauchen den Vergleich zu guten Custom-Makern sicher nicht zu scheuen.

Was sind Deine/Eure weiteren Projekte? Geht es weiter für Dich mit Queuebau oder in eine ganz andere Richtung?

Ich muss gestehen, dass meine Zeit mich kreativen Projekten und Erprobungen zu widmen durch den Handel etwas eingeschränkt wird. Man darf nicht vergessen, dass ich außerdem noch Gastwirt und Familienvater bin. Ganz sicher ist aber, dass ich die Finger nicht vom Cuemaking lassen werde, solange ich noch das Gefühl habe, etwas Sinnvolles und Gutes konzipieren zu können. Derzeit habe ich mit den Naturals II, dem Concept B/J und dem Concept-Jumper die Cues auf dem Markt, die das wiedergeben, was ich zu planen im Stande bin. Wenn ich irgendwann wieder genug gelernt habe um neue Ideen zu entwickeln, wird es vermutlich die Naturals III geben. Auch denke ich noch über einen reinen Breaker nach. Insofern ich Dave dazu bewegen kann, werden wir auch noch mal die eine oder andere Miniserie mit Cuemakern machen, die uns interessieren.

Nenne uns doch mal Deine bevorzugten Tools für die Queue Reinigung und dem bearbeiten der Pomeranzen!

Was die Pommeranze angeht, so bin ich einer der Leute, die fast nie trimmen. Eine gute Pommeranze bleibt in Form. Ich habe ein Bowtie 3 in 1 Tip-Tool im Köcher für alle Fälle, finde aber auch den Sandman praktisch. Was die Reinigung von Oberteilen angeht, so kann ich nur sagen, dass jedes Reinigungsmittel, das es wirklich schafft, starke Verschmutzungen vom Holz zu nehmen, auch Substanz wegnimmt. Ich rate daher, nach jedem Spiel oder Satz mit einem Microfasertuch das Oberteil zu säubern und es mit einem Poliertuch ab und an so heiß zu polieren wie irgend möglich. Das verschließt die Poren und wirkt Schmutzabweisend. Man sollte sich einfach bemühen, so wenig wie möglich Schmutz durch das Holz aufnehmen zu lassen. Wenn er erst mal da ist und sich festgesetzt hat, kriegt man ihn ohne Substanzverlust nicht mehr runter.

Ein Blick in die Zukunft. Du hast doch sicherlich einen sehr guten Überblick was die großen Queue Hersteller so planen. Was wird uns neues erwarten?

Ich denke im Moment ist das große Rennen um die besten LD-Shafts voll im Gange. Techniken und Qualitäten werden sich im Laufe der Zeit annähern. Geld verdienen können die Großen sicherlich im Segment der Spezialcues, wie Breaker und Jumper und vielleicht sogar wieder mal Masse-Cues. Hier wird auch nach wie vor die große Spielwiese für neue Materialien sein.

Wer sind für Dich die wichtigsten Cuemaker Weltweit. Welche waren und sind Richtungsweisend?

Das ist eine Frage, die ich unmöglich beantworten kann. Es gibt so viele Cuemaker die wirklich Top-Cues machen und gemacht haben, dass es ungerechtfertigt wäre, einzelne zu nennen, während ich andere hinten runter fallen lasse. Außerdem bin ich kein Fachmann für die großen alten Klassiker. Es gibt bei den Amerikanern sicher alte Seilschaften und Schulen, aber letztlich haben die Leute, die heute moderne, gute Cues machen sich auch woanders umgesehen, um das zu tun, was sie heute tun. Wie schon einmal gesagt, ich denke, dass die Szene heutzutage von der Szene lernt, ganz global und erstaunlich transparent. Es gibt natürlich Cuemaker deren Arbeit ich heute sehr schätze. In Deutschland sind dies neben Oliver Stops natürlich, der meine Naturals produziert, auch Andreas Hartmann, Cem, Andreas Sure und Christian Bocklage, die ich mit Interesse als quasi junge Wilde Garde sehr gerne beobachte. In den Staaten bin ich ein großer Freund von Keith Josey, Bryan Mordt, Ariel Carmeli, Brent Hartmann, Cory Barnhart, Leon Sly, Steve Klein, Bryan Fisher und Darrin Hill. Aber da gibt es hüben wie drüben noch eine große Reihe mehr guter Leute…

Und zu guter Letzt bitte ein Statement zu Sixpockets.de!

Ich muss Dich zu einem gut gemachten, liebevoll betriebenen und sehr informativen Blog beglückwünschen! Er bietet einiges an Information, das man sonst vergebens sucht. Generell denke ich, kann auch im Billard in solchen Blogs eine Menge Potential abseits der offiziellen Strukturen stecken. Ich freu mich auf jeden Fall das es ihn gibt und wünsche noch jede Menge Traffic!

Danke für das ausführliche Interview und weiterhin viel Erfolg!

Sollte jemand auf den Geschmack gekommen sein die Naturals II zu testen oder vielleicht mit dem Gedanken spielen seine Ausrüstung zu erweitern, dem empfehle ich den Online Shop von Dave Heijboer und Markus Vogt DoubleDaveCues

Im Billard Aktuell Forum ist Markus ebenfalls sehr aktiv und steht allen Usern mit Rat und Tat zur Seite…

 

9 Kommentare zu Interview mit Markus Vogt (cuechanger)

  1. Absolut genial! Endlich kann man sowas mal nachlesen und viele „Halbwahrheiten“ (wie Flo sie nennt) werden mal aus der Welt geschafft. Ich kann nur sagen das es toll ist das es solche positiv Billardverrückten gibt! Sixpockets.de ist immer einen Besuch wert, war auch für Markus sicher eine Menge Arbeit die Fragen zu beantworten. Respekt und Daumen hoch!

    Grüße aus Wien
    Rafa

  2. Hi,
    endlich mal jemand der mir verständlich und bildlich das Thema Versatz erklären konnte. Hat mich neugierig gemacht, werd mich mal nach Köln bewegen 🙂

    Danke für das tolle Interview
    Olaf

  3. Hallo,
    ziemlich gutes Interview…..kann man einfach so in den Laden in Köln reinmarschieren, oder sollte man vorher besser nen Termin machen? Scheinen ja eine ziemlich „exotische“ Auswahl zu haben 🙂

    Grüße
    Ralf L.

  4. Hallo Jungs,

    meinen Glückwunsch zu diesem Interview.

    Es wurde nie langweilig, obwohl ich die meisten Geschichten; bzw. Entwicklungen von / mit / über Markus schon kannte.

    (Jetzt kann ich nachvollziehen, warum du in Köln etwas über den Umfang des Interviews „stöhntest“, Markus.)

    Hobo

    @ an Ralf L.
    Du solltest besser einen Termin machen. Dann kann auch ein Tisch reserviert werden, für den Fall dass du etwas zur Probe spielen willst (reiner Erfahrungswert).

  5. Hallo,
    ganz großes Tennis das Interview! Hat mich total Neugierig gemacht und war toll zu lesen. Normalerweise schläft man bei sowas ja schnell ein 😉 aber hier hab ich ne Menge gelernt. Symphatischer Typ der Herr Vogt!

    Der Mo

  6. Hallo Leute,
    freut mich riesig, dass es Euch gefällt. Hat mächtig Spaß gemacht und mir fallen immer noch beim Lesen wieder neue Sachen ein… aber war glaub ich so schon lang genug. 😉
    Liebe Grüße
    Markus
    Köln

  7. Hab das Interview eben über einen BA Thread gefunden, bin wirklich sehr angetan von den Ausführungen des Herrn Vogt! Großes Lob von mir und im neuen Jahr werd ich mir ein Queue in Köln kaufen 🙂

    Schönen Gruß
    Ulf

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