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Interview mit Ralph G. Eckert

Ralph G. Eckert – Foto: Mike Gaberdiel – Fotodesign

Mein nächster Interviewpartner ist Ralph G. Eckert, einer der populärsten Menschen in der nationalen sowie internationalen Billardszene.  Er ist nicht nur professioneller Spieler, sondern auch Buchautor, Kommentator, Kolumnist, Trickstoßweltmeister und er gehört zu den anerkanntesten internationalen Toptrainern. Vor einigen Wochen ist er aus Amerika zurückgekehrt, wo er an der inoffiziellen 14/1 Weltmeisterschaft teilgenommen hat. Er belegte einen hervorragenden 3. Platz wo er erst im Halbfinale vom späteren Sieger John Schmidt (USA) gestoppt wurde. Neben diesen ganzen „Tätigkeiten“ ist Ralph ebenfalls aktiv an der Gründung des Billard Verbandes Deutschland beteiligt und wird auch hierzu sicher das ein oder andere zu erzählen haben. Wie des öfteren verblüfft mich Ralph mit der ein oder anderen Aussage und lädt zum Nachdenken ein! Am Ende des Interviews findet Ihr alle wichtige Links sowie Kontaktmöglichkeiten.

Viel Spaß beim lesen….

Willkommen zurück in Deutschland und Herzlichen Glückwunsch zu Deinem 3. Platz bei der 72. Ausgabe des Predator World 14.1 Tournament in New York. 3. Platz in einem sehr starken Feld und das in der Königsdisziplin des Pool Billard. Erzähl uns doch ein wenig über dieses Turnier und gib uns einen kleinen Einblick über Deinen Turnierverlauf!

Ralph: Eigentlich war ich am Anfang etwas unsicher. Denn im Training dieses Jahr fing zwar alles recht gut an (22x über 100 und 1x über 200), aber die letzten 6 Wochen vor New York, wollte mir keine Serie mehr gelingen. Dazu noch zwei unangenehme Gegner in meiner Gruppe, sah ich zu Beginn meine Erwartungen doch etwas gedämpft. Doch nach und nach, lief es doch recht gut. Alle 5 Gruppenspiele gewonnen und keiner hatte mehr wie 50 Punkte gemacht. Glück im Unglück hatte ich in der Doppel KO Stage, wo Zion Zvi noch in seinem letzten Rack einen Ball verschoss und ca. 135:80 führte und mir war Hundselend! Irgendwas Falsches gegessen… Aber es ist schon eine längere Geschichte, und warum die Spannung rausnehmen, wenn Ihr im nächsten Touch-Magazin meine Kolumne darüber lesen könnt… 😉

Ist 14.1 bzw. Straight Pool in Deinen Augen immer noch die Königsdisziplin oder hat sich dieser Eindruck gewandelt?

Foto by Michael Gaberdiel

Ralph: Ich kann mit Begriffen wie „Königsdisziplin“ nichts anfangen. Gibt’s da eine Definition dazu? Vielleicht kann man es dann beantworten aber bis dahin, soll einfach jeder seine eigene „Königsdisziplin“ haben dürfen. Maßgebend in der Pool-Welt war es von 1912 bis Anfang der 80er allemal. Und bis zu meinem letzten BL Jahr 2005 haben wir uns in den verschiedenen Teams 20 Jahre lang darum gestritten, wer das 14.1 spielen darf. Momentan hab ich jedenfalls wieder viel Spaß am 14.1.

Warum kann es einem Pool Spieler nicht schaden ein gutes Verständnis für den Spielablauf im 14.1 zu entwickeln, hilft Ihm das auch bei den „Kurzballdisziplinen“? Was sind die größten Unterschiede Deiner Meinung nach?

Ralph: „Kurzballdisziplinen“? Darf ich das mal zitieren? Hör ich zum ersten Mal. Aber ich weiß schon was Du meinst. Nun, man bekommt auf die Dauer eben ein gutes Gefühl für das Positionsspiel im engen Raum. Das hilft auch oft in den Rotationsspielarten. Dazu kann man im 14.1 eher ein Flow- oder Rhythmus-Gefühl erleben. Wenn man das dann kennt, kann man auch in den anderen Disziplinen besser darauf hinarbeiten, einfach weil man das Gefühl kennt. Ich habe auch den Eindruck, dass ältere Spieler hier ihre „Erfahrung“ besser ausnutzen können und daher, auch im höheren Alter dort noch erfolgreich mitspielen können. Einfach weil sie „leichtere“ Ballfolgen schneller erkennen, natürliche Verläufe besser einschätzen und Probleme oft vermeiden können.

Foto: Mike Gaberdiel – Fotodesign

Vor gut 2 Jahren kam die Diskussion um das Wechselbreak im 8 Ball, 9 Ball oder 10 Ball auf. Es wurde ziemlich konträr darüber diskutiert wieso es das Spiel spannender und fairer macht als das Winnerbreak. Du schuldest mir noch Deine Sicht der Dinge 😉

Ralph: Oft hab ich darüber nachgedacht und meine Meinung, mit neuen Argumenten, immer mal wieder revidiert. Aktuell denke ich so: Das Wechselbreak ist aus sportlicher Sicht geboten und scheint fairer, …und genau deswegen bin ich für Winnerbreak! Das ist mein Ernst!

Wie betrachtest Du die deutsche Turnierlandschaft derzeit? Große Events bekommen eine Menge Zuspruch. Gerade bei den Hangelar Open oder den Stuttgart Open konnte man die Meinung vieler Zweifler widerlegen das Pool Billard in Deutschland Tod ist. Wie ist Deine Meinung dazu?

Ralph: Schön dass Zuspruch da ist. Doch was ist ein „großer“ Event? Hangelar und Stuttgart mögen die größten Turnierevents in Deutschland sein aber sind sie deshalb wirklich „groß“? Gemessen an was? Teilnehmerzahl? Preisgeld? Startgeld? Tischzahl? Zuschauer? Spielqualität (ist in Deutschland eh sehr, sehr hoch!)? Gemessen am Spaß und Zuspruch, sind sie wohl wirklich groß und es ist Klasse, dass es sie gibt. Dennoch, frage ich mich, warum es in Deutschland kein Turnier gibt, das die Weltklasse auch ohne Einladung dazu bewegt teilzunehmen?  Klar, kommt jetzt gleich: „mach‘s doch besser!“ Böse, böse aber wie sagt man bei uns im Kurpfälzischen: „Isch sach jo nix, isch maehn jo blos…“
Man missversteht mich da oft, wenn ich mir immer „professionelle“ Turniere wünsche. Ich finde jedes Turnier, das in Deutschland stattfindet gut. Ich will kein einziges Turnier weniger! Aber die „Luxus-Events“ fehlen einfach. Man muss doch Oben Anreize schaffen, damit sich Unten mehr bewegt, oder? Da Oben muss ein Traum sein.

Ich bin ein großer Freund Deiner „Schreibe“, ich mag Deine Kolumnen im Touch Magazine und Dein letztes Buch (Die letzte Freiheit) habe ich verschlungen und dient mir heute in vielerlei Hinsicht. Was können wir in Zukunft von Dir als Autor erwarten und bist Du mit dem Erfolg deines letzten Buches zufrieden?

Ralph: Herzlichen Dank! Ich hab echt Blut und Wasser geschwitzt, als ich die ersten Exemplare verschickt habe. Wie konnte ich sowas nur schreiben? Ich Wahnsinniger! Aber die vielen Rückmeldungen die mich erreichten, ließen mir ein Stein vom Herzen fallen. Mit dem hier in Deutschland Erreichten bin ich schon zufrieden. Ich konnte viele Billardspieler erreichen, nur die Leser außerhalb des Billards hab ich noch nicht in der Zahl gefunden, die ich mir gewünscht hätte. Aber 2013 geht die englische Ausgabe in den USA an den Start. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und stecke auch schon in den Vorbereitungen. Was man noch erwarten kann? Nun, wer in meinem Artikel im BA (Artikel Archiv: März 2008) aufgepasst hat, weiß dass da von 33 Weisungen Mr. Kim’s die Rede war und im Buch sind es nun 27… 😉
War keine Absicht, aber nach 3 Jahren schreiben hatte ich genug. Die 6 übrigen Weisungen sind halt recht tiefschichtig. Nicht ganz einfach darüber zu schreiben…
Ach, und dann hab ich jetzt einen Kontakt zu einem namhaften engl. Filmproduzenten. …aber darüber kann ich jetzt wirklich noch nichts sagen. Ich konnte es aber auch nicht lassen, das zu erwähnen. Sorry, ist doch Menschlich, oder?

Ich habe vor einigen Tagen aufgeschnappt das Du einen neuen Sponsor hast. Viele Fragen sich wer oder was in Zukunft die Geschicke des Ralph Eckert unterstützt? Kannst Du schon etwas dazu sagen?

Ralph: Mein absolutes Jahreshighlight! So ein Sponsor ist schon eine tolle Sache! Ok, er hätte auch 25 Jahre früher kommen können aber ich will ja nicht meckern…  😉
Nun, es handelt sich um eine völlig neue Firma mit Sitz in Wien und dem Namen „QPOD“. Mein derzeitiger Kenntnisstand geht soweit, dass mit dem offiziellen Start des Produktes zum Jahresende gerechnet werden kann. Bis dahin hält sich die Firma verständlicherweise bedeckt. Ich benutze nun schon seit 6 Wochen einen Prototypen und viele denken, dass es ja „nur“ ein Kreidehalter wäre! Es ist aber mehr als das! Es ist ein Schmuckstück! Es ist das ideale Präsent für Billardspieler! Egal, ob mit Perlmutt oder Halbedelsteinen, jeder Spielertyp kann getroffen werden. Ohne Qpod spiel ich gar nicht mehr! Der Sponsor hat mich im März in Philadelphia spielen sehen, hat mich angesprochen und etwas von „Ausstrahlung“ von sich gegeben. Dazu kommt, dass ich schon immer so ein „Schmuckstück“ gesucht habe! Wir haben uns sofort verstanden.

Was sind Deine nächsten Turniere oder Veranstaltungen auf die Du Dich konzentrierst? Gibt es da einen Schwerpunkt?

Ralph: Auch mit Sponsor, werde ich meine Angebote (Training, Trickstoß, Kommentierung, Moderation, Bücher, Vorträge…) aufrecht erhalten, sonst würde ich ja Gefahr laufen, nach einem Auslaufen des Sponsorings vor dem Nichts zu stehen.
Internationale Turniere stehen fortan aber im Mittelpunkt. Mindestens fünf US-Amerikanische Events und wahrscheinlich zwei Asiatische Events stehen pro Jahr auf dem Kalender. Nächstes Turnier sind die US 9-Ball Open Ende Oktober in Virginia (USA).

Als 2010 „Die letzte Freiheit – Reflexionen eines Meisterschülers“ erschien, war Billarddeutschland in eine, aus meiner Sicht, ziemliche Lethargie verfallen. Es plätscherte so vor sich hin. In Deinem abschließenden Kapitel „Ruhm ohne Geld“ hast Du sehr deutliche Worte gesprochen die vielen zu deutlich waren. Jetzt sind wir 2 Jahre weiter und plötzlich sind Deine Worte aktueller als je zuvor.  Du hast Deinen Worten Taten folgen lassen und bist Teil des Billard Verbands Deutschland der kurz vor der Gründung steht. Was ist Deine Motivation und wie beurteilst Du die derzeitige Situation in Deutschland und der DBU (Deutsche Billard Union)?

Ralph: 30 Jahre persönliche Erfahrung mit der DBU, halten mich da sehr skeptisch, wenn es um neue Impulse aus dieser Richtung geht! Auch wenn man jetzt neues (und durchaus vielversprechendes) Personal vorne hingestellt hat, so bleiben viele Strukturen und Personalien gleich, die den Bewegungsspielraum von neuen Leuten doch sehr begrenzen. Ich lass mich natürlich auch sehr gerne positiv überraschen. Wirklich!
Der BVD steht jedenfalls vor der Gründung und es ist einfach nur wichtig, dass eine Alternative da ist! Auch in Berlin habe ich gehört soll eine Billard Genossenschaft an den Start gehen. Das ist doch toll! Selbst wenn diese neuen Verbände und der Alte uneins sind, kann viel Positives daraus entstehen! Mr. Kim hat schon gesagt: „Wo Reibung ist, entsteht Wärme!“ Da müssen sich in den verschiedenen Verbänden alle mehr anstrengen, um keine Spieler an den anderen Verband zu verlieren. Besser ist natürlich, wenn jeder Verband es schafft, neue Spieler zu gewinnen, die bereit sind ins organisierte Billard einzusteigen. Das wird gut! Gut für die Spieler!
Selbst dann, wenn offiziell immer nur ein Verband vom DOSB anerkannt sein wird. Das ist grob gesagt sekundär! DOSB Mitglied zu sein hat ja nicht nur Vorteile. Was nützen Fördermittel, wenn sie nicht wirklich ankommen? Selbst wenn ein Genossenschaftsverband oder der BVD im Nichtstun versinken, würde die bloße Tatsache, dass sie da sind, dafür sorgen, dass man sich in der DBU mehr anstrengt. Findest Du nicht?

In Deinem Buch gibt es ein Motto:“ So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Konzentration aufs Wesentliche!“  Gilt dieses Motto auch für Eure Ambitionen

WM Turnier in NY – Halbfinale

den BVD (Billard Verband Deutschland) betreffend?

Ralph: Ich bin im BVD (vielleicht noch) nicht wirklich tätig! Ich gestatte die Benutzung meines Namens und das auch nur so lange, dieser Verband sich auch wirklich auf das Wesentliche Konzentriert. Und das ist die Popularisierung des Billardspiels! Und wenn es nach mir geht sogar nur Pool! Natürlich bin ich fortlaufend informiert, was für Aktivitäten geplant sind und durchgeführt werden.

Ich bin Felsenfest davon überzeugt das Pool Billard medienwirksam zu vermarkten ist und die Leute begeistern kann. Teilst Du diese Meinung und wie sieht für Dich die Formel dazu aus?

Ralph: Wenn Pool Billard weltweit, seit über 150 Jahren, Millionen von Menschen begeistern kann, dann sollten sich die Medien endlich mal was einfallen lassen, wie sie das rüber bringen! Sie müssen den einmaligen Charakter des Spiels und der Menschen einfangen! Es darf einfach nicht umgekehrt sein, dass sich das Spiel auf die Medien einstellen muss. Was für eine Faszination geht von diesem Spiel aus? Was für wahnsinnige Typen spielen das?
Immer wieder haben Verbände versucht, das (aus deren Sicht) negative Image von Billard positiv zu beeinflussen und das Gegenteil bewirkt. Im „Billiards Digest“ habe ich erst kürzlich gelesen, dass Mosconi von Brunswick entlassen wurde, als bekannt wurde, dass Er technische Hilfe bei einem „Zockerfilm“ („The Hustler“, 1961) gegeben hat! Kurze Zeit später wurde Er wieder eingestellt, weil sich die Umsätze der Billardindustrie nach dem Filmerfolg verzehnfachten! Nehmt das Spiel einfach so wie es ist.
Warum glaubt der Sport immer den Hoheitsanspruch zu haben auf Eigenschaften wie: Fairness, Begeisterung, Hingabe, Charakter, Teamfähigkeit, usw.? Das gibt es auch im Spiel. Und die genannten Fähigkeiten, mögen auf Sportler und Spieler gleichermaßen zutreffen, doch aus meiner Erfahrung heraus leider nur in geringem Maß auf leitende Funktionäre. Letztere verstehen leider auch zu wenig von (Billard-) Geschichte, um zu bemerken, dass sie sich nun schon so oft wiederholt hat.

Es gibt kaum Jemanden der die Welt so sehr bereist wie Du in Sachen Pool Billard. Kannst Du die Unterschiede zwischen den USA, Asien und Europa im allgemeinen (sportlich, politisch) kurz erläutern. Da gibt es sicher den ein oder anderen Unterschied!

Ralph: In Europa wird es fast sportlich pur betrieben. In den USA spricht man zwar auch vom „Sport“, doch unterscheidet sich die deutsche und englische Definition dieses Begriffs in gewissen Nuancen!
So generiert Europa zwar sportliche Qualität (gutes Training, gute Spieler, gute technische Turnierausrichtung, …) aber leider wenig Geld (kleine Sponsoren, kleine Startgelder, günstige Ehrenamtliche Helfer, Vereinsheime,…). Das Ergebnis ist, dass sich immer mehr Spieler, die immer besser spielen, sich den immer gleich groß bleibenden Kuchen teilen müssen.
In den USA ist man mit „Added Money“ besser aufgestellt, weil es auch mehr große Partner gibt. Man kann Casinos nicht nur ansprechen, sondern ihnen auch was bieten. Ferner tummelt sich in der Szene auch der ein oder andere Multimillionär und Milliardär. Dann gibt es „Profis“ nicht nur als Spieler, sondern auch als Veranstalter, Turnierdirektoren, Schiedsrichter u.a.
Mag sein, dass man dort noch von Hand den Turnierplan ausfüllt, worüber europäische Spieler oft die Nase rümpfen aber beim „Added Money“ sieht‘s dann wieder viel „professioneller“ aus! Es gibt auch eine gut strukturierte Freizeitspielerszene in professionellen Verbänden (APA, ACS, CSI, VNEA und viele andere regionale Leagues) und eben die „Pro-Tournaments“. Die unterscheiden sich hauptsächlich in der Höhe des Startgeldes. Da kocht jeder auch sein eigenes Süppchen und man konkurriert miteinander, doch „Added“ gibt es immer dazu! Deshalb begrüße ich ja auch neue Verbände in Deutschland.
Zu Asien kann ich nicht so viel sagen, da ich dort eher als Trainer unterwegs war und nur wenige Turniere gespielt habe. Doch werden die dortigen Verbände interessanterweise von schwerreichen Leuten geführt (Taiwan, Thailand, Japan,…), die entsprechenden Einfluss geltend machen können („My friend the primeminister…“). In Deutschland/Europa gibt es keinen Funktionär, der auch nur im Entferntesten in dieser Liga spielt!

Woran liegt es Deiner Meinung nach das derzeit die meisten „großen“ Titel an die etwas älteren Pool Spieler gehen? Nur in seltenen Fällen können sich die jungen Talente gegen die erfahrenen Spieler durchsetzen. Sind die Talente nicht gut genug oder spielt Erfahrung bei dieser Leistungsdichte eine immer größere Rolle?

Ralph: Ist das so? Hab ich gar nicht so wahrgenommen. Was ist denn, wenn die Kids mit 20, 21 Jahren aus der Schule kommen und nicht zu den wirklich Geförderten gehören? Es gibt im Pool nach meinem Wissen immer nur Einen der per Bundeswehr langfristig gefördert werden kann und dadurch auch zum Profi mutieren kann. Für die Anderen gilt: Kein Geld da (Pro-Turniere? Liga?), also Job suchen oder studieren. Die können dann einfach nicht mehr so viel Zeit für Billard aufwenden. Ob sie nun wollen oder nicht. Da verschieben sich einfach die Prioritäten. Obwohl bestimmt Dutzende junge deutsche Spieler das Zeug zum Profi hätten. Wirklich! Es gibt natürlich auch andere, von der DBU Förderung unabhängige Wege. Die sind aber hart und unsicher. Einen Kompass bräuchte man schon dazu…

Wie sieht Dein Rat an alle deutschen Pool Billard Talente aus?

Ralph: Oh Gott! Poker und Golf sind interessante Alternativen…  😉 Spaß beiseite. Zum einen ist Gelassenheit recht wichtig, bei dem Lärm und der Dramatik, die manchmal um ein Talent herum veranstaltet wird. Zum anderen ist es die Freude am Spiel, die man sich einfach nicht nehmen lassen darf. Von keiner Person und auch nicht von negativen Umständen. Daraus resultiert, dass ihr jede Schwierigkeit die sich Euch in den Weg stellt, herzlichst begrüßen könnt! Denn je mehr Schwierigkeiten Ihr auf Eurem Weg meistert, umso größer werdet Ihr wachsen, als Mensch und auch als Spieler (der Begriff „Sportler“ nervt mich allmählich!). Also her mit den Schwierigkeiten!

Was sind Deine persönlichen Ziele als Spieler? Gibt es etwas was Du unbedingt noch erreichen willst und wird man Dich bald mal wieder in Deutschland an

Foto by Moritz Leick

einem Turniertisch sehen?

Ralph: Turniere in Deutschland spiel ich eher nicht. An den Wochenenden hab ich ja immer mal Trainings- oder Trickstoß-Aufträge. Die gehen vor! Und wenn ich mal an einem Wochenende Zeit hätte, muss ich das nicht auch noch mit einem Turnier füllen, wo ich mich meist wie eine wandelnde Zielscheibe fühlen würde. Ab und zu schau ich gern mal vorbei, aber nicht um zu spielen, sondern eher um mal wieder alte Bekannte zu treffen. Ansonsten tu ich an freien Wochenenden gern mal das, was in meiner Jugend eher zu kurz gekommen ist. Ich geh gern mal in der Mannheimer Szene aus. Und damit mein ich sicherlich nicht die Billardszene (Facebook Profil: Ralph G. Eckert ist interessiert an…). Da gibt’s tolle Stimmung und so mancher Billardspieler hat mich auch schon begleitet und viel Spaß gehabt! Als Spieler reizen mich fast nur noch interkontinentale Turniere. Manchmal hab ich das Gefühl, je weiter weg, desto besser spiele ich.

Du hast zuletzt mit Florian „Venom“ Kohler einige Shows einstudiert und bist mit Ihm aufgetreten. Kannst Du uns was über die Zusammenarbeit mit Florian

Kohler erzählen (und über Ihn)  und sind weitere Programme mit Ihm geplant?

Ralph: Macht einen Riesen Spaß! Er ist ungeheuer Kreativ! Der Beste, den ich je gesehen habe. Das scheint auch ansteckend zu sein. Bei der letzten Show haben fast alle Doppelstöße beim ersten Versuch geklappt! Und die waren nicht leicht! Sein Tisch zuhause ist definitiv der am meisten abgespielteste Tisch der Welt. Übersät mit Löchern und Brandspuren der Weißen. Zuletzt hat Er sich auch mit „normalem“ Pool befasst und hat u.a. gerade Bälle trainiert. Seine Antwort auf meine Frage wie es denn nun läuft werd ich nie vergessen: „It’s so much easier, when you aim straight!“  Klar, können wir noch mehr zusammen machen. Er hat mal gesagt ich wär der Erste, der seine Skizzen verstehen könnte…

Stell Dir vor Du könntest ohne größere Schwierigkeiten in Sekunden drei Dinge in der Pool Billard Szene ändern, welche wären das?

Ralph: In der Deutschen? Kann ich auch 3 Personen ins Exil schicken? Lach…

Eine etwas persönlichere Frage, wie schaffst Du es Deine Liebe zum Pool Billard aufrechtzuerhalten beim dem Programm das Du teilweise abspulst?

Ralph: Sooo viel spul ich doch gar nicht ab. Da ich kaum Werbung mache, habe ich in meinem durchschnittlichen Tagesablauf immer auch ruhige Phasen, was mir sehr wichtig ist. Mit etwas mehr Werbung und wenn ich jede Nachfrage annehmen würde, könnte ich sicherlich sowas wie „Vollauslastung“ erreichen. Das will ich aber gar nicht… 😉

Ich geb Dir ein paar Worte/Namen/Begrifflichkeiten/Aussagen vor und Du sagst mir was Dir spontan dazu einfällt.

  • Der größte Fehler den ein Pool Spieler machen kann, ist….! Ralph: …ganz unbewusst schlechte Gewohnheiten auszubilden.
  • In ein paar Jahren werden die Chinesen unschlagbar sein! Ralph: …und trotzdem meist zu Hause bleiben.
  • PAT (Playing Ability Test) interessiert immer weniger Leute! Ralph: Na sowas…  🙂
  • Mario He und Albin Ouschan! Ralph: Cool & dry!
  • Kozoom Livestream! Ralph: Sorry, aber ich schaue fast nie Billard im TV (hab eh keinen!) oder im Internet. Nur Live! Was ich live sehe, motiviert mich. Ich denke immer das kann ich auch. Was ich im Internet sehe, generiert in mir eher Zweifel.
  • Die USA gewinnen den Mosconi Cup 2012! Ralph: Ich würd’s ihnen gönnen, wenn sie denn gut spielen.
  • 2014 ist Ralph Eckert Team Captain der europäischen Mosconi Cup Mannschaft! Ralph: Wie bitte? Die Coaches der letzten Jahre machen einen Top-Job! Da muss nichts geändert werden. Die Europäer sind allgemein eh super trainiert, da wäre die Aufgabe Captain des US-Teams zu sein, doch viel reizvoller… 😉

Und zu guter Letzt bitte ein Statement zu Sixpockets.de!

Ralph: Wird immer besser! Steckt bestimmt auch viel Arbeit dahinter. Sowas braucht Billard-Deutschland. Vor allem, wenn es in neutralen und vor allem unabhängigen Händen steckt und so nicht missbraucht werden kann. Meinen „Like“ Daumen hast Du!

Danke für das Interview Mr. Eckert, hat viel Freude gemacht und einige Deiner Antworten lassen mich wie schon so oft ein wenig nachdenklich zurück 😉 Das ein oder andere sollten wir demnächst in Ruhe mal vertiefen! Wer mehr über Ralph erfahren will, oder Lust bekommen hat auf sein Buch, dem empfehle ich die folgenden Links und Kontaktmöglichkeiten. Und sollte das nicht reichen so könnt Ihr Ralph auch für eine Trickstoßvorführung buchen…immerhin steht bald Weihnachten vor der Tür 🙂

Ralph G. Eckert – Offizielle Homepage

Ralph G. Eckert – Facebook

Die letzte Freiheit – Reflexionen eines Meisterschülers

Mein Blog zu „Die letzte Freiheit“!

1 Kommentar zu Interview mit Ralph G. Eckert

  1. Liebe Redaktion, Lieber Ralph,

    freut mich, dass ihr meine Fotos verwendet habt 🙂
    Schönes und interessantes Interview!
    Wir hatten gerade ein Trainingswochenende mit Ralph beim ASC Göttingen.
    Es war sehr inspirierend und allemal das Geld wert!
    Vielen Dank Ralph,

    Toni

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