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Interview mit Ina Kaplan

ina_kaplan_interview_700pxSixpockets.de freut sich auf ein sehr interessantes Interview mit der besten deutschen Pool Billard Spielerin Ina Kaplan. Als erste weibliche Interviewpartnerin von Sixpockets.de hat Ina Kaplan sicherlich vieles zu erzählen und wird uns allen einen Einblick in Ihre bislang sehr erfolgreiche Zeit in der Pool Billard Szene geben. Damen Pool Billard wird von Jahr zu Jahr besser und Ina hat mit ihren Erfolgen und Ihrem Auftreten einen großen Einfluss darauf genommen. Sie gehört zu den Spielerinnen, die dem deutschen Damenbillard mit Ihrer Spielweise in den letzten Jahren neue Impulse gegeben hat. Sie ist mehrfache deutsche Meisterin, Vize-Europameisterin und konnte bereits zwei Euro-Tour Titel gewinnen. Mit Recht kann man sagen, dass Sie zur erweiterten Weltspitze im Damenbillard zählt und zudem spielt Sie in der nächsten Saison, als erste Frau überhaupt, mit dem BC Siegtal in der 1. Pool Billard Bundesliga. Auch abseits des Pool Billard Tisches ist Ina sehr aktiv und wird die Szene Anfang Oktober mit einem in Deutschland noch nie da gewesenen Event begeistern, wir dürfen gespannt sein.

Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Ina! Du feierst dieses Jahr Dein 10 jähriges Jubiläum als aktive Billardspielerin. Meinen Glückwunsch dazu 🙂 Kannst Du uns ein wenig über Deinen Pool Billard Werdegang und Deine aktive Zeit in den letzten Jahren erzählen.

Gerne doch! Das Spiel selbst habe ich schon viel früher kennen gelernt, nämlich so mit 11/12 Jahren im Segelurlaub in Holland mit meiner Familie. Da weder meine Familie noch ich mein Talent so direkt entdeckt haben, habe ich dann aber erst Jahre später gemerkt, dass man auch in Deutschland Billard spielen kann. Mit 16 Jahren habe ich eine Kneipe entdeckt, in der man montags umsonst Billard spielen konnte und seitdem bin ich von dem Spiel völlig eingenommen. Schnell wurde ich gefragt, ob ich nicht in einen Verein gehen möchte und so bin ich in meinen ersten Verein, dem BSV Essen, eingetreten. Dort blieb ich auch, bis ich eben 2010 meinen jetzigen Mann Jörn kennen gelernt habe, der mich in den BC Siegtal geholt hat, was mittlerweile mein 2. Zuhause geworden ist. Im BSV Essen habe ich mich Jahr für Jahr verbessert. Von Kreisliga bis zur damals stärksten Mannschaft im BSV, der Regionalliga, habe ich mich hochgearbeitet und jede Menge gelernt. Einen wirklichen Trainer hatte ich dabei nicht. Abgucken, Ausprobieren und jede Menge Spielen, hieß die Devise. 2009 schaffte ich dann endlich den Schritt aufs Treppchen bei den Deutschen Meisterschaften mit gleich 2 Goldmedaillen, Silber und Bronze folgten auf den Europameisterschaften. Und mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga habe ich jetzt etwas erreicht, was noch keiner Frau vor mir zu teil werden durfte: Stammspielerin in der stärksten Liga der Welt. 😉

Du hast mit 17 Jahren angefangen Pool Billard zu spielen. Was bringt eine junge Frau dazu, sich diesem zeitintensiven und männerdominierten Spiel zu widmen?

Ich glaube am Anfang hat es mir gefallen, ein paar Jungs beim Billard abzuziehen und etwas besser zu können, als viele andere. Das hatte ich einfach noch in keiner anderen Sportart und ich war auch nie ängstlich oder schüchtern, weswegen ich mich gut behaupten konnte in dieser männerdominierten Szene. Außerdem bin ich völlig fasziniert von diesem Spiel. Es ist so vielseitig, wie kaum ein anderer Sport. Vom taktischen und vorausschauenden Denken ähnlich wie beim Schach bis zum absoluten Nervenkitzel, wenn man in super wichtigen Situationen eine ruhige Hand und einen völlig lockeren Arm behalten muss. Das ist einfach wahnsinnig intensiv. Da passt Einsteins weltberühmtes Zitat* schon sehr, sehr gut.
*(Zitat: Albert Einstein: „Billard ist die hohe Kunst des Vorausdenkens. Es ist nicht nur ein Spiel, sondern in erster Linie eine anspruchsvolle Sportart, die neben physischer Kondition, das logische Denken eines Schachspielers und die ruhige Hand eines Konzertpianisten erfordert.“)

Wie verbringt Ina Kaplan Ihren Tag ohne Pool Billard? Wie verbringst Du Deine Zeit, wenn Du nicht an Deinem Spiel arbeitest oder bei Turnieren bist?

Ich bin an der Uni Siegen in der Sprachwissenschaft/Sprachdidaktik als wissenschaftliche Mitarbeiterin in zwei Projekten angestellt. In einem der Projekte promoviere ich – schreibe also meine Doktorarbeit – zum Thema Vorbereitung von Lehramtsstudierenden auf sprachlich heterogene Klassen (genauer muss ich das hier glaube ich nicht erklären oder?? 🙂 ). Ansonsten feiere ich gerne, treffe Freunde und Familie, wann immer es passt oder verbringe einen gemütlichen Abend mit Jörn auf der Couch.

Du bist, wenn ich richtig informiert bin, im September 2012 den Bund der Ehe eingegangen. Und zwar mit einem der besten deutschen Pool Billard Spieler Jörn Kaplan. Für viele ist eine solche Konstellation ein Traum. Ich stelle mir das sehr spannend vor, kannst Du uns ein wenig Einblick in Euer gemeinsames Pool Billard Leben geben und vielleicht hast Du ja die ein oder andere erzählenswerte Anekdote für uns alle 🙂

Ja, spannend ist es auf jeden Fall. 🙂 Aber ich denke, es ist etwas anderes mit einem Mann verheiratet zu sein, der kaum noch Turniere spielt, als mit jemandem, der noch voller Elan jede freie Zeit für Billard opfert. Jörn hatte gerade als wir uns kennen lernten mit Billard schon so ziemlich abgeschlossen, nachdem er durch die IPT-Misere und viele andere Dämpfer, die man als „Profi“-Billard-Spieler abbekommt, seine Leidenschaft für das Spiel fast völlig verlor. Aber ich habe jede Menge von ihm gelernt, er spielt nach wie vor gerne Billard, aber eben nur als Hobby und nur in der Liga. Trotzdem bleibt er für mich einer der besten deutschen Billard-Spieler. Sein Technik ist einfach gigantisch. Er hat auch schon viel dazu beigetragen, dass mein Stoß besser wurde und auch auf vielen anderen Ebenen konnte ich von ihm profitieren. Wie wir uns kennen lernten, ist allerdings wirklich eine schöne Anekdote: Das war 2010 in Lingen, bei einem Turnier, bei dem Jörn mitgespielt hatte, weil John Blacklaw und viele andere seiner Freunde dabei waren. Ich bin zu der Zeit gerade mit Kiste und seinem Team unterwegs gewesen und habe natürlich auch dieses Turnier nicht verpasst. John ist während der Europameisterschaft zu einem guten Freund geworden und so haben Jörn und ich uns über John kennen gelernt und sofort super verstanden. Als ich dann auch noch die Zeche geprellt habe (natürlich unabsichtlich..), hat Jörn die Gelegenheit genutzt, den Deckel bezahlt und mich auf Skype als Zechprellerin angeschrieben. 🙂 Tja, und so fing unsere Geschichte an. 🙂

Das ist eine sehr schöne Anekdote. Du hast erwähnt, dass Du durch Jörn viel gelernt hast. Was denn genau?

Bei meinem Stoß haben wir eigentlich angefangen, weil ich wirklich Probleme hatte (und immer noch ein bisschen habe) Rückläufer zu spielen, was ja Jörns Paradedisziplin ist. Es ist aber gar nicht so einfach und braucht sehr viel Zeit bis sich der Stoß weiterentwickelt, gerade weil ich mir einen schlechten Stoß beim Zugball angewöhnt habe, den ich sehr schwer wieder losgeworden bin. Hinzu kommt noch das Psychische, denn ich habe schon eine Blockade im Kopf gehabt, sobald ich einen Rückläufer spielen musste, bei dem die Weiße vom Objektball 2 Diamanten weg lag.. Das war schon sehr krass und ist mittlerweile sehr viel besser geworden. Zusätzlich hat mir Jörn was Stellungsspiel und taktisches Spiel angeht sehr viel beigebracht.  Meistens haben wir einfach gespielt und wenn Jörn was aufgefallen ist, was ich besser machen könnte, haben wir unterbrochen und genau daran gearbeitet. Er hat mir schon sehr viel beigebracht im Laufe der Zeit. Ich habe schon einiges von Jörn im Laufe der Zeit mitnehmen können.

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Ina Kaplan – Copyright Billardmagazin Touch

Du gehörst aus meiner Sicht zur erweiterten Weltspitze im Damenbillard. Mit welchen Ambitionen gehst Du in die nächsten Jahre und planst Du eventuell den Angriff auf die Weltspitze?

Vielen Dank! Ich werde auf jeden Fall mein Möglichstes tun, um mich weiter zu entwickeln. Ich bin noch lange nicht an meinem Limit angekommen. Jedenfalls hoffe ich das. 🙂 Meine Ziele sind nach wie vor Europameisterin zu werden und eine Medaille bei einem Weltranglistenturnier zu erspielen.

Du hast in Deiner Karriere schon einige Weltmeisterschaften oder Weltranglistenturniere mitspielen dürfen. Erzähl uns doch bitte ein wenig über Deine Erfahrungen dort! Und was sind Deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen der absoluten Damenweltspitze und der europäischen Spitze?

Ja, ich habe die kleine Reise nach Asien jetzt schon 8x auf mich genommen. Mein größter Erfolg war dabei der 9. Platz bei der 10-Ball WM in Manila, bei der ich gegen Kelly Fisher im Achtelfinale den Kürzeren gezogen habe. Rückblickend betrachtet waren die Turniere drüben schon wirklich einzigartige Erfahrungen, die kaum ein Mensch erleben darf. Das weiß ich sehr zu schätzen und deshalb habe ich auch jedes einzelne Turnier dort genossen. Natürlich ist die Konkurrenz unglaublich stark, ein ganz anderes Niveau als bei Europameisterschaften. Aber das dürfte ja auch bekannt sein. Ein anderer Faktor, mit dem man zu kämpfen hat, ist der, dass man in eine völlig andere Welt eintaucht. Ich habe lange gebraucht bis ich mich an die Gegebenheiten gewöhnt habe und nun weiß ich genau, womit ich es zu tun habe, wenn ich die Reise im Oktober, zur 9-Ball WM in Guilin, China, antreten werde. Jet Lag, das völlig andere Essen, kaum jemand der Englisch versteht geschweige denn spricht (nicht einmal die Schiedsrichter), eine andere Kleiderordnung, völlig andere Spielorte in großen Hallen mit teilweise vollen Rängen oder in Einkaufszentren mit einer unheimlichen Geräuschkulisse, andere Kugeln, andere Tische und Tücher und nicht zuletzt völlig merkwürdige öffentliche Toiletten, mit denen ich leider immer noch nicht zurechtkomme (lacht). Das sind alles Dinge, die die asiatischen Spielerinnen kennen und an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Ich sage nicht, dass die Ergebnisse der Weltmeisterschaften anders aussehen würden, wenn die Turniere in Europa stattfinden würden, aber es ist doch ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte. Trotzdem ist es ganz klar, dass die europäische Spitze – bis auf Jasmin Ouschan, Kelly und Alison Fisher – nicht mit dem Niveau der asiatischen Spielerinnen mithalten kann. Für mich liegt der Grund aber auf der Hand: Die Weltspitze besteht aus Profi-Spielerinnen, die unter ganz anderen Bedingungen Billard spielen gelernt hat (es gibt viele Billard Akademien und Schulen, in denen die Kinder mit Billard aufwachsen). Europäische Spielerinnen betreiben Billard als Hobby und haben Billard meist nicht systematisch durch einen Trainer erlernt. Da fehlt dann einfach die Konstanz, die Technik, die jedem Druck standhält und auch im taktischen Bereich liegen die europäischen Spielerinnen zurück.

Wie war es für Dich zusammen mit Ralf Souquet, Thorsten Hohmann und Sebastian Staab bei der World Pool Team Championship 2014 anzutreten? Ihr habt dort einen sehr guten 5. Platz belegt und seid nur knapp an Japan gescheitert. Gib uns doch kurz Deine Eindrücke wieder und was hast Du an Erfahrung mit nach Hause genommen?

Die Team-WM war eine super Erfahrung für mich. Es ist einfach etwas anderes Teil eines Teams zu sein – vor allem mit solchen Legenden wie Ralf und Thorsten – als im Einzel nur für sich allein zu spielen. Ich war mit Seppl im Doppel fast unschlagbar und auch im Einzel konnte ich wichtige Punkte erzielen. Es war natürlich sehr bitter, dass wir dann im Shoot Out so knapp, wie man es sich nur vorstellen kann, verloren haben. Aber im Viertelfinale habe ich auch mein bestes Spiel gegen Chihiro Kawahara gespielt. Das war für mich das beste Spiel des Turniers und es wird mir mit Sicherheit einiges an Selbstbewusstsein für die kommende 9-Ball WM geben.

Pool Billard hat allgemein einen recht schweren Stand und Damen Pool Billard muss leider des Öfteren damit kämpfen nicht wirklich ernst genommen zu werden. Ich finde das nicht gerecht und frage mich, wie Du damit umgehst?

Natürlich habe auch ich feststellen dürfen, wie man teilweise als Frau im Billard belächelt wird, aber für mich wird es immer wieder eine Genugtuung sein, gewissen voreingenommenen Männern zu zeigen, dass man als Frau sehr wohl gut spielen kann. Mittlerweile werde ich aber meistens ernst genommen. Mal sehen, wie es dann nächste Saison sein wird.. 😉 Andererseits kann ich teilweise nachvollziehen, dass Damen-Billard nicht wirklich ernst genommen wird. Es ist einfach sehr krass, dass das Niveau zu den Herren so viel niedriger ist und es letztlich keine „physische“ Erklärung dafür gibt. Jedenfalls nicht, dass ich wüsste… So gesehen kann man sich schon fragen, warum der Unterschied so deutlich ist. Ich denke aber, dass das Niveau immer besser wird und man sich Frauen-Billard immer besser anschauen kann. Es kommt halt darauf an, welche Spiele man schaut, genau wie bei den Herren. 😉

Aus meiner Sicht gehörst Du zu den wenigen Damen in Europa, die auf dem Weg sind „Männerbillard“ zu spielen. Und das meine ich in keinster Weise abwertend den anderen Damen gegenüber. Du agierst technisch auf einem sehr starken Niveau und auch mental scheinst Du sehr stabil zu sein. Was sind für Dich die größten Unterschiede zwischen Damen- und Herrenbillard?

Für mich sind die größten Unterschiede, die Konstanz in der Technik und das Spiel-verständnis, also darum, Wege zu sehen, wie die Weiße laufen kann, Wahrscheinlichkeiten abzuwägen, wann man welche Wege/Reihenfolgen spielen sollte und wann welche Safes. Lochen können die meisten ja wirklich super gut, aber dann scheitert es oft am genauerem Stellungsspiel.

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Ina Kaplan

Was waren für Dich die bislang schönsten Momente in Deiner Zeit als aktive Spielerin?

Oh, da gibt es viele! Vor allem bleibt mir die Deutsche Meisterschaft 2009 immer in Erinnerung, weil ich dort meine ersten Titel geholt habe, aber auch das Finale gegen Jasmin Ouschan bei den Europameisterschaften 2010. Auch wenn ich dort verloren habe, war es doch ein unglaubliches Gefühl vor so einem Publikum zu spielen und angefeuert zu werden. Ich war ungeheuer stolz in diesem Moment. Das Spiel gegen Jasmin auf der letzten EM auf Zypern bleibt mir natürlich auch in besonderer Erinnerung, das erste Mal, dass ich Jasmin bezwingen konnte und das in einem wirklich hochklassigen Spiel.

Was ist aus Deiner Sicht das Faszinierendste, das einem Pool Billard geben kann?

Mich fasziniert dieses Spiel, weil es so vielseitig ist und wirklich jedes Match anders ist als jedes zuvor. Es gibt so viele unterschiedliche Situationen, Wege, Möglichkeiten. Das Spiel kann einfach nicht langweilig werden. Außerdem gibt es in kaum einer anderen Sportart die Besonderheit, dass man sehr viel Zeit hat, die Situation wahrzunehmen, sich dem Druck usw. bewusst zu werden. Meistens bleibt bei anderen Sportarten gar nicht die Zeit dazu. Das ist beim Billard anders und es macht die Sache nicht leichter.

In der letzten Bundesligasaison bist Du mit dem BC Siegtal in der 2. Bundesliga (Gruppe Süd) Meister geworden und jetzt steigt ihr in die 1. Bundesliga auf. Damit bist Du die erste Frau in Deutschland, die jemals den Sprung in diese Spielklasse geschafft hat. Was sind Deine persönlichen Erwartungen für die neue Saison?

Also mit Erwartungen halte ich mich erst mal zurück. Es wäre für uns schon ein großer Erfolg die Klasse zu halten, aber das zu erwarten wäre zu viel. Der Leistungsunterschied zwischen 1. und 2. Bundesliga ist schon enorm und Jörn ist der Einzige von uns, der da wirklich mithalten kann. So hart das klingt. Wir werden einfach unser Bestes geben und dann schauen wir mal, was geht. Meine Erwartung heißt Spaß haben und genießen, egal was passiert.

Ina Kaplan

Ina Kaplan

Viele Bundesligaspieler hätten es gerne gesehen, wenn ein Doppel eingeführt worden wäre, immerhin wurde ja eine erneute Reform der DBU angekündigt. Leider ist es dazu nicht gekommen. Du bist dieses Jahr zusammen mit Deinem Mann Jörn Deutscher Meister im Mixed geworden und das wäre doch sicherlich für Euch als Team eine schöne Sache gewesen. Wie beurteilst Du das?

Ja, ein Doppel hätte auch ich gerne gesehen. Wie man auch an der Statistik der Team-WM im Doppel mit Sebastian Staab sieht, fühle ich mich sehr wohl im Doppel. Gerade im Mannschaftswettkampf wäre ein Doppel (dann aber im 9-Ball oder 10-Ball) auf jeden Fall ein Fortschritt. Ehrlich gesagt, fände ich ein System wie es bei der Team-WM gespielt wurde, auch für unsere Liga sehr schön. Natürlich sollte es kein Muss sein, eine Dame zu stellen, aber die Kombination aus Doppel- und Einzelbegegnungen ist einfach sehr interessant.

Bist Du der Meinung, dass Pool Billard als Mannschaftssport eine Zukunft hat?

Ich denke, dass Billard genauso wie z.B. Tennis oder Darts eher im Einzel interessant für Zuschauer ist. Aber auch im Tennis gibt es nach wie vor den Mannschaftsspielbetrieb und genauso wird es auch den Ligaspielbetrieb im Billard weiterhin geben. Er ist viel zu beliebt unter den Spielern, als dass man ihn einstellen könnte. Aber von der Vorstellung, dass irgendwelche Reformen dazu führen, dass es mehr Zuschauer gibt, sollten wir uns wohl verabschieden. Wir sollten vielmehr unsere Energie in die Vermarktung von Einzelmeisterschaften stecken und diese für Zuschauer attraktiver machen.

Glaubst Du, dass man über Teamgeist und eine geschickte Aufstellung ein eventuell geringeres Leistungsvermögen ausgleichen kann?

Ich denke schon, dass Teamgeist sehr wichtig für den Mannschaftserfolg ist. Unsere Mannschaft ist wohl ein sehr gutes Beispiel dafür. Wir sind alle untereinander befreundet (oder verheiratet 😉 ) und haben immer viel Spaß an den Spielwochenenden. Das macht eine Menge aus. Wird sich natürlich zeigen, wie viel das Wert ist nächste Saison. Es gibt vielleicht in der ein oder anderen Situation ein Quäntchen mehr Antrieb. Eine geschickte Aufstellung ist mit Sicherheit auch eine wichtige Zutat bei Mannschaftsbegegnungen. Allerdings muss man in dem Fall in der glücklichen Lage sein, dass man Spieler hat, die die unterschiedlichen Disziplinen auf gleichem Niveau spielen können, was bei uns in der Mannschaft leider nicht der Fall ist. Natürlich taktiert man auch, ob es sinnvoll wäre den Schwächsten gegen den Stärksten des Gegners zu setzen. Das kann in bestimmten Fällen schon ein kluger Schachzug sein.

Du bist nicht nur aktive Spielerin, sondern hast auch organisatorisch in den letzten Monaten viel erreicht. Am 04. Oktober 2014 findet in der City Galerie Siegen ein einzigartiges Show-Event statt. Der Autohaus Keller Cup ist ein von Dir organisiertes Event, an dem acht sehr starke Spielerinnen teilnehmen. Gespielt wird in einer Einkaufspassage. Ein sehr ambitioniertes Projekt, das eine Menge Potenzial besitzt. Erzähl uns doch bitte mehr darüber.

Gerne! Dieses Event ist eine Herzensangelegenheit für mich. Ich wollte gerne Damen-Billard einer breiten Öffentlichkeit präsentieren und zwar so wie ich mir ein zuschauerfreundliches Turnier vorstelle: Nicht zu lang, nicht zu viele Spiele, nicht zu lange Spiele, jede Menge Entertainment (Moderator, der die Spiele begleitet, Musik, die bei jeder gefallenen 9 für Stimmung sorgt uvm.) und taffe Mädels, die auch noch schick anzusehen sind (keine Polos). Ich bin sehr gespannt wie dieses Turnier ankommt, habe aber jetzt schon sehr viel positives Feedback bekommen. Auch die Spielerinnen sind sehr angetan von dem Turnier, nicht zuletzt weil Anfahrt und Hotelkosten bezahlt werden und es 2000€ Preisgeld gibt. Aber ein großer Faktor ist auch, dass Sie sich freuen das Damenbillard mal richtig in Szene gesetzt wird.

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Ich finde, dass solche Events wie der Autohaus Keller Cup eine große Chance für den Pool Billard Sport in Deutschland sind. Wenn die Leute nicht zu uns kommen, dann gehen wir eben zu Ihnen. 😉 In Asien werden recht viele Events in diversen Einkaufszentren ausgetragen und das Interesse der Zuschauer ist sehr hoch. Was macht den Reiz einer solchen Veranstaltung aus?

Die Idee zu dem Event habe ich ja durch die Turniere in Asien, vor allem der Amway Cup hat mich dazu inspiriert. Er findet in einem noblen Einkaufscenter statt und die Spielerinnen werden vorher in einem Fotoshooting gestylt, fotografiert und später im Turnier richtig gut in Szene gesetzt. Das macht einfach schon unheimlich viel aus, weil das ganze Drumherum einfach stimmt. Ich gucke mir ja auch lieber Veranstaltungen an, die professionell organisiert sind und bei denen es mich fasziniert zuzuschauen. Nicht nur der Sport selbst sollte für den Zuschauer interessant sein, sondern das gesamte Event. Man hat es ja auch bei der WTC gesehen. Das Event war wirklich ein Event und siehe da es kamen Zuschauer.. 😉

Bei deinem Turnier werden die Spielerinnen ja nicht in Poloshirts antreten, wie man an deinem Plakat auch schon sehen kann. Welche Meinung hast Du als Billardspielende Frau zu unserer Kleiderordnung? Schwarze Hose, Polohemden, nun da gibt es doch sicherlich schickere Sachen die man tragen könnte. Anscheinend findest Du die Frage nach der Kleiderordnung auch sehr kritisch. Was schlägst Du vor?

Die Asiaten machen es ja schon richtig vor: Schicke Kleidung ist für Frauen die einzige Vorgabe, die von Nöten ist. Wenn man die WPA-Kleiderordnung auch in der EPBF und DBU mal übernehmen könnte, wäre das großartig. Der Vermarktung unseres Sports stehen Polos, die meistens dann auch noch in Männergrößen vom Verein verteilt werden, auf jeden Fall im Weg. Deshalb wollte ich das auf gar keinen Fall beim Autohaus-Keller-Cup. Ich will ja, dass wir uns elegant präsentieren und nicht in langweiligen Poloshirts. Eigentlich ist Billard ja prädestiniert dafür, dass man eben auch wirklich schicke Kleider und Shirts trägt. Am 04.10.14 werdet ihr sehen, wie ich mir eine gute Kleiderordnung für Damen-Billard vorstelle. Es ist aber im Moment auch wieder eine Diskussion bei der EPBF im Gange, die Kleiderordnung in Richtung WPA-Regeln zu verändern. Im Januar wird es voraussichtlich ein Masters der besten 8 Euro Tour-Spielerinnen geben, bei dem elegante Shirts getragen werden dürfen. Ich und viele andere Billarddamen fänden es wirklich schön, wenn es in diese Richtung weitergehen würde. Mein Vorschlag für eine Kleiderordnung: Elegante Shirts ohne Schriftzüge oder Prints, keine T-Shirts, Hosen in jeder Farbe erlaubt, alternativ Kleider, die mindestens knielang sind. Ich denke, daran könnte man sich als Spielerin sehr gut orientieren.

Planst Du für die Zukunft noch mehr in dieser Richtung und was wäre dein absolutes Pool Billard Traumprojekt?

Der Autohaus-Keller-Cup ist jetzt erstmal für mich mein Traumprojekt. Natürlich ist es für mich ein Wunsch dieses Event weiter zu spinnen und eine Serie von Turnieren in ganz Deutschland auszurichten, bei denen es Qualifikationsturniere gibt und jeweils die besten 8 in großen Einkaufszentren gegeneinander antreten. Ich denke, das wäre sowohl für Zuschauer, als auch für Sponsoren und für die Spielerinnen selbst natürlich eine wirkliche Bereicherung. Das mag sich vielleicht so anhören, als ob die Spielstärke dann völlig egal ist. Das ist es aber nicht! Wir haben in Deutschland ja den Luxus, dass wir viele Spielerinnen haben, die sehr gut spielen können und bei denen man sich die Spiele gut ansehen kann.

Ina, ich muss noch mal kurz nachhaken zum Thema Pool Billard Vermarktung in Deutschland. Leider stehen wir in Deutschland, was das allgemeine Pool Billard Interesse angeht, ziemlich im Abseits. Was ist Deine Idee von einer besseren Vermarktung in Deutschland?

Ich denke, Billard ist als Einzelsportart interessanter für Zuschauer, wenn man die Sportler bei Turnieren sehen kann. Leider sind die Deutschen Meisterschaften aber so wie sie jetzt ausgetragen werden, komplett ungeeignet zum Zuschauen: Viel zu lang, viel zu viele Disziplinen, viel zu viele Altersklassen. Wir sollten uns da evtl. etwas mehr am Snooker orientieren, die Tische in Szene setzen, Publikumsränge anbieten und eben nur ein Turnier mit einer Disziplin, damit man nicht völlig überfordert wird als Zuschauer. Was uns vom Snooker abgrenzen könnte, zeigen uns die Pooligans: Beim Pool-Billard ist es möglich richtig abzugehen und zu feiern, während eines Matches. Das ist ja im Snooker undenkbar. Auch beim Pool wirkt es im Moment noch fehl am Platz, aber es könnte, wenn wir als Spieler es zulassen und fördern, unseren Sport vom Snooker unterscheiden und interessant machen. Sonst schläft man ja ein beim Zuschauen – wie viele Zuschauer hab ich schon gesehen die eingenickt sind. Wenn man z.B. sieht, wie es beim Darts zugeht, weiß man, dass man sich sehr wohl konzentrieren kann und sehr gute Leistung bringen kann, obwohl das Publikum lautstark Parolen grölt. Davon sollten wir Billard-Spieler uns eine Scheibe abschneiden und mehr Leute wie die Pooligans für Billard einnehmen.

Die Disziplinenvielfalt hast du gerade schon angesprochen. Das ist eine Frage, die Billarddeutschland in den letzten Wochen sehr beschäftigt. Auch ich denke, wir müssen dringend unsere Titelflut und Disziplinenvielfalt abstellen, um eine überschaubare Struktur zu bekommen. Würden wir uns nur auf eine Disziplin konzentrieren gäbe es sicherlich bessere Chancen für uns alle. Was ist Deine Meinung dazu!

Ja, da stimme ich dir vollkommen zu. Es ist einfach ein Unding, dass man 4fache Deutsche Meisterin werden kann innerhalb eines Jahres. Das ist für mich nicht wirklich gewinnbringend. Ich denke, für den Ligaspielbetrieb kann die Disziplinenvielfalt schon erhalten bleiben, aber in den Einzelwettkämpfen ist das nicht sinnvoll. Aber da ist schon wieder das andere Problem, dass es auch auf internationaler Ebene geändert werden müsste. Bei den Damen ist dieses Problem zumindest bei den Weltmeisterschaften besser gelöst, da es lediglich 9-Ball und 10-Ball gibt, aber auch da sollte man sich eigentlich besser auf nur eine Disziplin einigen und meiner Meinung nach ist es auch zu viel jedes Jahr eine Weltmeisterschaft zu spielen. Es wäre viel mehr Wert, wenn es z.B. nur alle 2 Jahre einen Titel zu vergeben gäbe oder noch krasser wie im Fußball eben alle 4 Jahre EM und alle 4 Jahre WM. Das ist auch aus Sponsorensicht sehr viel Interessanter, da die Titel wertvoll sind und es überschaubar und nachvollziehbar für Außenstehende ist.

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Ina Kaplan

Wir sind Teil einer absoluten Randsportart. Und das wird sich vermutlich auch nie ändern. In einem so stark Fußballdominierten Land wie Deutschland haben es viele tolle Sportarten extrem schwer ein wenig Medienpräsenz zu bekommen. Wenn Du diese Aussage liest, was denkst Du darüber?

Ich denke, dass es vollkommen verständlich ist, dass nicht jeder Sport im Mittelpunkt einer Nation stehen kann. Und andere Sportarten wie Tennis z.B. verkaufen sich einfach viel besser als Billard, obwohl ich der Meinung bin, dass Billard nicht weniger spannend und sehenswert sein könnte. So wie es im Moment präsentiert wird, wird es aber immer eine absolute Randsportart bleiben.

Natürlich dient ein Interview auch dazu, ein wenig Werbung für sich und seine Sponsoren zu machen. Ich persönlich halte es für sehr wichtig, dass Deine Sponsoren auch eine Erwähnung finden. Ohne eine gewisse Unterstützung könntest Du viele Dinge nicht realisieren. Wie wichtig sind Deine Partner für Dich und was wäre ohne Sie nicht möglich gewesen?

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinem Sponsor Lucasi und die Lucasi-Händler bb eurowest und stoppball bedanken, die das komplette Lucasi-Team Deutschland, bestehend aus Sandra Graw, Marlin Köhler und mir, ausstattet. Vor allem möchte ich Jochen Maurer danken, der das Team ins Leben gerufen hat und mich wo er kann unterstützt. Bei jedem Turnier, was ich und das Team spielen, werden wir auf Facebook begleitet, Informationen zu Matches werden gepostet und ich berichte stets vom Turnierverlauf. Einfach nach Lucasi-Team Deutschland auf Facebook suchen! Es lohnt sich! Außerdem bin ich Träger des Touch-Awards und werde durch das Touch-Magazin als medialer Partner unterstützt.

Lucasi Team Deutschland

Lucasi Team Deutschland

Du konntest im letzten Jahr Deinen ersten Euro-Tour Sieg feiern. Wie wichtig war für Dich dieser internationale Erfolg, mit dem Du Dich endgültig in der europäischen Spitze etabliert hast?

Der 1. Sieg war natürlich einzigartig. Das ganze Turnier in Treviso war einzigartig, weil ich richtig kämpfen musste bis zum Finale. Ich lag im Achtelfinale gegen Kristina Schagan und im Viertelfinale gegen Louise Furberg weit zurück und habe mich jeweils bis zum Hill-Hill gekämpft und gewonnen. Im Halbfinale habe ich dann „deutlich“ 😉 6:4 gegen Caroline Roos gewonnen und im Finale kam dann tatsächlich der White Wash gegen Eylül Kibaroglu. Dass im Endspiel dann der Knoten endgültig geplatzt ist und ich befreit aufgespielt habe, war für mich wirklich ein phänomenales Gefühl, vor allem da ich das Jahr zuvor das gesamte Turnier sehr konstant gut gespielt habe und dann im Finale gegen Martine Christiansen völlig eingebrochen bin. Dieses Jahr möchte ich natürlich meinen Titel verteidigen. Mal sehen, wie es dieses Mal läuft. Für mein Selbstvertrauen war der Sieg auf jeden Fall sehr, sehr gut.

Viele der stärksten Konkurrentinnen kommen ebenfalls aus Deutschland. Und dennoch habt Ihr alle größtenteils ein gutes und freundschaftliches Verhältnis zueinander. Wie schafft Ihr es eine so gute Basis zu haben oder gibt es hin und wieder ein wenig Zickenkrieg 🙂

Natürlich gibt es immer mal wieder kleinere Streitigkeiten, aber das bleibt ja auch bei den Herren der Schöpfung nicht aus. Billard ist einfach häufig emotional sehr belastend und da passiert so was schon mal. Wichtig ist eben, dass man das nicht zu wichtig nimmt und sich dann auch mal entschuldigt und ausspricht. Ich denke, dass kriegen wir Mädels in letzter Zeit ganz gut hin. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Es gibt nur ganz wenige Vollprofis im Damen Pool Billard. Eine davon ist Jasmin Ouschan aus Österreich. Sie ist die Spielerin, an der die meisten anderen sich orientieren, gerade weil Sie auch an den meisten Euro-Tour Events teilnimmt. Was kannst Du von Ihr lernen?

Jasmin war für mich früher schon ein Vorbild, weil sie einfach durch und durch Profi ist. Was ich von ihr lernen kann, ist definitiv vollkommene Disziplin und vor allem die physische Seite, die bezüglich Kondition und Konzentration nicht zu unterschätzen ist und die sie ja sehr ernst nimmt. Jasmin hat es geschafft Ihren Namen in ganz Österreich und darüber hinaus schon als Marke zu präsentieren, hat mit der Billardakademie eine Anlaufstelle für zukünftige Billardspieler und – Spielerinnen geschaffen. Das bewundere ich sehr an ihr und ich freue mich darüber, dass sie dadurch auch das Ansehen des Billardsports und des Damen-Billardsports gesteigert hat.

Ina Kaplan

Ina Kaplan

Gibt es ein spezielles Ziel, an dem Du arbeitest und glaubst Du, dass Du in naher Zukunft die Lücke zur absoluten Weltklasse schließen kannst?

Ich versuche mich stetig technisch zu verbessern, weil das häufig noch ein Knackpunkt ist, dass meine Technik nicht absolut konstant bleibt, wenn ich unter Druck spiele. Der andere Punkt ist das Ziel eine Medaille bei einer WM zu erspielen, dementsprechend glaube ich schon, dass ich die Lücke zur Weltklasse schließen kann. Aber das ist recht schwierig so vorherzusehen. Von meinen Fähigkeiten her, glaube ich daran. Wie es dann in den Turnieren selbst läuft, muss man vor Ort sehen. Vor allem darf man sich da nicht zu sehr unter Druck setzen und eher von Spiel zu Spiel denken.

Wie sieht Deine Trainingsgestaltung genau aus? Spielst Du oder trainierst Du mehr? Wie müssen wir uns das im Detail vorstellen?

Das wechselt häufig hin und her. Mal spiele ich viel mit Jörn oder meinen Mannschaftskollegen, mal trainiere ich eher allein. Das kommt ganz darauf an, wie viel Zeit und Lust meine Trainingspartner haben und was mich gerade beschäftigt, mein Stoß und Techniktraining, Spielverständnis, Lochtraining, Safe-Training usw.. Ich halte mich an keinen strikten Trainingsplan, sondern spiele und trainiere in der Weise und der Häufigkeit, wie es mir passt. Das Gute ist, dass ich kaum Phasen habe, in denen ich keine Motivation habe zu spielen. Das liegt auch daran, dass ich fast jedes 2. Wochenende Turniere spiele und daher immer im Training bleiben muss und will.

Ein junges Mädchen will mit dem Pool Billard anfangen und den schnellstmöglichen Erfolg haben. Was rätst Du Ihr?

Eine solide Technik direkt am Anfang zu verinnerlichen, ist meiner Meinung nach das wichtigste. Wenn man von Anfang an einen guten Stoß erlernt, muss man später nicht mühsam antrainierte Fehler wieder ausmerzen.

Lass uns ein wenig über die internationale Turnierszene im allgemeinen Reden. Welche Turniere verfolgst Du und faszinieren Dich am meisten?

Ich verfolge viele Turniere, vor allem Damen-Weltranglistenturniere, auch wenn es teilweise schwer ist, Informationen zu bekommen, wie du ja auch weißt. Am meisten faszinieren mich Turniere, wie Mosconi Cup oder der World Cup of Pool, weil diese einfach zuschauerfreundlich sind und man schon von der Veranstaltung her Lust bekommt, die Spiele zu verfolgen.

Es gibt deutlich weniger reine Damenveranstaltungen in der ganzen Welt, hast Du schon mal darüber nachgedacht z. B. beim Derby City Classic teilzunehmen?

Für mich ist das Niveau einfach noch viel zu hoch bei solchen Turnieren. Da brauche ich mir nichts vormachen. Es spielen ja noch nicht mal die Profi-Damen solche Turniere mit. Auch wenn es reizvoll wäre. Das ist schon ein richtig cooles Event. Aber dadurch, dass es in der Damenwelt mehr als genug Turniere gibt, vor allem wenn man noch einen Vollzeit-Job hat, denke ich da nicht wirklich lang drüber nach.

Ina Kaplan

Ina Kaplan

Wie stellt sich für Dich die deutsche Turnierszene dar? Es gibt viele richtig gute Events, auch wenn die Preisgelder nicht auf Topniveau sind. Diese ganzen Turniere gehören der neugegründeten German Tour an und bekommen so einen noch stärkeren Charakter. Wie ist Deine Sicht der Dinge?

Die Idee der German Tour finde ich super. Es müsste halt etwas einheitlicher ausgerichtet sein, aber das ist natürlich schwer, weil es die Turniere ja schon vorher gab und nun zusammengefasst wurden. Es ist sehr schön, dass es jetzt eine Rangliste gibt, anhand derer man sieht wer bei den meisten Turnieren ganz vorne mitspielt. Diese sollte theoretisch auch für Nominierungen zu den Europameisterschaften berücksichtigt werden, da eine Woche Deutsche nicht wirklich aussagekräftig ist, wer nun der Beste Deutschlands ist.

Wie sieht für Dich die perfekte Pool Billard Spielerin aus? Diese kannst Du Dir aus allen Spielerinnen der ganzen Welt zusammenstellen? In den folgenden Bereichen nennst Du mir bitte Deine Favoriten:

  • Mentale Stärke: Yu Han
  • Kreativität: Kelly Fisher
  • Ausstrahlung: Ga Young Kim
  • Break: Yu Han
  • Stoß: Chen Siming

Wir basteln uns den perfekten Pool Billard Bundesligaspieler, der in der abgelaufenen Saison in der 1. oder 2. Bundesliga gespielt hat 🙂 In den folgenden Bereichen nennst Du mir bitte Deine Favoriten:

  • Mentale Stärke: Niels Feijen
  • Kreativität: Joshua Filler
  • Ausstrahlung: Jörn Kaplan
  • Break: Lars Kuckherm
  • Stoß: Jörn Kaplan

Ich geb Dir ein paar Worte/Namen/Begrifflichkeiten/Aussagen vor und Du sagst mir, was Dir spontan dazu einfällt.

  • Der BC Siegtal schafft den Klassenerhalt!: Ina: Yeah! Megageil!
  • Ina Kaplan holt eine Medaille bei einer WM!: Ina: man weiß nie 🙂
  • Damen Billard ist langweilig! Ina: Du hast keine Ahnung.
  • Shot Clock! Ina: Find ich super.
  • Autohaus Keller Cup! Ina: Ist Damen Billard immer noch langweilig??
  • Ein paar Kugeln und ein Stock! Ina: Fehlt noch ein Tisch mit 6 Löchern.
  • Touch Magazine! Ina: Schön, dass es dich gibt.

Und zu guter Letzt bitte ein Statement zu Sixpockets.de!

Sixpockets.de ist eine wirklich gut gepflegte und übersichtliche Website, auf der ich immer wieder gerne Turnierberichte, Neuigkeiten und Interviews lese. Ich hoffe, du machst noch lange so weiter!

Ina, ich bedanke mich für dieses sehr spannende Interview mit Dir, hat mir sehr viel Spaß gemacht 🙂 Ich wünsche Dir für die Zukunft viel Glück und Erfolg. Und natürlich drücke ich Dir die Daumen das der Autohaus Keller Cup den von Dir angestrebten Erfolg hat und Du alle Deine Ziele erreichst.

Über einen Kommentar würden wir uns sehr freuen und weitere Fragen werden hier sicher auch von Ina in den Kommentaren beantwortet. Einen direkten Kontakt zu Ina Kaplan gibt es am besten über Facebook.

Ina Kaplan (Facebook), Lucasi Team Deutschland (Facebook)

2 Kommentare zu Interview mit Ina Kaplan

  1. Hallo,
    ein sehr gelungenes Interview. Ich glaube das mir dadurch klar geworden ist das ich mich auch gerne einem Club anschließen würde 🙂 bislang fehlte mir aber ein wenig der Mut. Bin 17 Jahre alt und spiele 1-2 mal die Woche mit Freunden in einem Verein in meiner Nähe und leider sind die Reaktionen auf uns oft sehr seltsam! Vielleicht kann Ina mir noch eine Frage beantworten, was sind denn die für dich „nervigsten“ Dinge die man als Frau so erdulden muss und wie reagierst Du darauf? Wäre toll eine Antwort zu bekommen 🙂

    LG, Nadine

  2. Hi Nadine,
    woher kommst du? Vielleicht können wir ja mal zusammen spielen. 🙂 Freut mich sehr, dass du das Interview gut findest und dass du dich für Billard so interessierst. Wenn du eh schon regelmäßig spielst, obwohl die Reaktionen auf dich/euch nicht sehr positiv sind, zeigt das ja schon mal, dass du ein großes Interesse hast und dich das Spiel vielleicht sogar ein bisschen in den Bann gezogen hat. Als billardspielendes Mädchen/Frau erlebt man schon einiges im Laufe der Zeit. Das geht über großen Respekt dafür, dass man sich in dieser männerdominierten Szene behauptet, über eine gewisse Ablehnung oder wie auch immer man das nennen kann. Ich habe das vor allem am Anfang meiner Billard-Karriere erlebt und häufig an bestimmten Verhaltensweisen am Billardtisch gemerkt oder an irgendwelchen Sprüchen. Aber das war meistens harmlos. Wichtig ist, dass dich das nicht verschreckt, sondern anspornt, den Jungs zu zeigen, was du drauf hast. Jedenfalls habe ich das glaube ich immer als Herausforderung gesehen und im Nachhinein hat es mich sogar motiviert mich zu verbessern. Ich hoffe sehr, dass du den Mut findest und mehr aus deinem Interesse machst!
    Liebe Grüße
    Ina

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