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Das Einbein tourt weiter – Die Baltic Billard Open!

baltic_billard_open_600pxgeschrieben von Torsten Meinken

Das Einbein tourt weiter – was es so alles erlebt hat, seitdem es kein Hessenmeister wurde

Im letzten Jahr habe ich Euch ja von meinem ersten Ausflug ins Land der billardspielenden Handicapler nach Hessen berichtet. Man, was war ich beeindruckt.
In der Zwischenzeit ist eine ganze Menge geschehen. Aus den damaligen Bekannten sind Freunde geworden, jede Menge Leute – auch durchaus gesunde – engagieren sich für diese Menschen, Verbände kennen uns mittlerweile, wir haben das genialste Logo der Billardwelt und wir spielen nach wie vor unsere Turniere, nur eben nicht mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sondern wir sind aktiv und man sieht uns.
Und genau das möchte ich an dieser Stelle zum Anlass nehmen, einmal über unseren Sport nachzudenken.

Wikipedia sagt: „Billard ist ein Spiel, …“ – aber ist es das wirklich? Spiele machen Spaß, man lacht miteinander, redet, sie tun der Seele gut und fördern die Gemeinschaft. Ich habe den Eindruck gewonnen, Billard ist schon lange kein Spiel mehr. Betritt man ein Spiellokal, sollte man am besten seine Stimme draußen abgeben und sich möglichst lautlos und unsichtbar an den Tischen vorbei bewegen. Atmen soll noch erlaubt sein, habe ich gehört, wissen tu ich das aber nicht. Und Lachen, meine Freunde, lachen geht ja gar nicht wenn man spielt, das könnte ja den Gegner stören, oder gar beleidigen und wir fürchten seine Rache.

handicap_billard_logo_500pxBillard ist ein Gentlemansport, und wie die feinen Herren nun einmal sind, werden alle Waffen auf den Tisch gepackt, um zu siegen. Falsche Hose oder Hemd, die Schuhe passen nicht … Proteste, Proteste, Proteste. Was aber das Schlimmste ist: Genau dieses Image hat sich mittlerweile in der Bevölkerung durchgesetzt und vergrault uns den Nachwuchs. Billard spielen ja, aber nicht unter den muffigen Strukturen der Liga- oder Verbandsregularien, die wir uns übrigens selber auferlegt haben.

Dass es auch anders geht, weiß FRAU schon lange, wenn sie mit der Ladystour durch die Lande zieht. Wie sagte kürzlich ein namhafter Spieler der deutschen Billardszene zu mir: „Niemals hätte ich gedacht, dass die Tour ein Erfolg wird“. Ist sie aber geworden und sie entwickelt sich immer mehr zur Stütze der weiblichen Billardwelt. Und sie steht erst am Anfang. Und ihr Erfolgsrezept: Die Mädels dürfen spielen und Spaß haben. Geld gibt es nicht zu gewinnen, aber jede Menge leuchtende Augen. Während die Männerwelt immer größere Preisgeldturniere in der boomenden Szene initiiert, wo sich letztlich immer die gleichen den Kuchen holen, machen andere das, was Sinn der Übung ist: Sie spielen Billard. Ich wäre ja dafür, wir würden gleich 50 % der Jahresstartgelder an einen Verband bezahlen und die fördern dann die, die Billard können und bilden sie aus und WIR, WIR SPIELEN BILLARD mit den restlichen 50 % und ohne Preisgeld.

Meine kaputten Billlardfreunde – also die mit ohne Arm oder Bein oder … – definieren sich nicht über Erfolge bei Preisgeldturnieren. Können Sie auch gar nicht, weil ihre Waffen stumpf (oder ab) sind. Trotzdem lieben wir unseren Sport und nun wir leben ihn. Zig Kilometer werden da in Kauf genommen, um irgendwo in der saarländischen Provinz um die Ehre zu kämpfen, einen Wanderpokal für ein Jahr mit heim nehmen zu dürfen. Sind die eigentlich bekloppt? Nein, die haben den Geist unseres Sports erkannt. „Gewinner sind wir alle“, sagen sie immer. Wollte ich nie glauben, ist aber so. Und damit das so bleibt, werden wir uns weiter regelmäßig treffen und spielen.

Und weil besondere Menschen besondere Aktionen verdienen, habe ich mich nicht lange bitten lassen, als der Hansi gesagt hat, ich soll mal die norddeutschen Meisterschaften ins Leben rufen. Also erst einmal ein Spiellokal finden, dass zugänglich ist für körperbehinderte Menschen. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Aber in Hamburg würde ich fündig. Der Präsident des NBV, der Frido, der war sofort begeistert und hat sich als Veranstalter zur Verfügung gestellt und unterstützt diese Meisterschaften. BALTIC BILLARD OPEN nennt er sie, weil wir ja im Norden spielen und ALLE Menschen, die ins Schema passen, dort spielen dürfen. Nicht nur die aus dem Verein. Und weil wir so richtig tolle Mädels in unserem Umkreis haben, hatten wir auch fix eine Idee mit dem Logo und der Macher des Ladyslogos hat diese veredelt und nun haben wir eines, was in der deutschen Billardwelt seines gleichen sucht. Wenn ich viel Glück habe, wird es mit diesem Bericht veröffentlicht. Und weil die Mädels schlau sind, haben sie auch gleich ein Motto entwickelt: BREAK THE LIMITS. Denn das machen wir täglich, wir gehen an unsere Grenzen und auch weit darüber hinaus.

baltic_billard_open_700pxUnd da sind wir nun. Die Basis war geschaffen. Ein Handout für Interessierte war schnell geschrieben. Und dann haben wir es verschickt. Und die Resonanz war überwältigend. Ein Freund von mir schlug sofort eine Patenschaft für einen Spieler vor, andere unterstützen uns finanziell und noch andere spendieren etwas für die Tombola. Aber eines haben sie bislang alle gemeinsam: Sie haben nichts mit Billard am Hut, sondern sie erkennen, dass unser geliebter Sport für Menschen mit Handicap ein Segen ist und ihnen Lebensmut- und freude schenkt. Und ist das nicht etwas, was wir viel mehr zeigen sollten?

Wir werden auch in Hamburg das 320er-Feld nicht voll bekommen. Aber wir werden jeden einzelnen Sportler/In unterstützen, wenn es nach Hamburg geht. Ich erhoffe mir noch viele Patenschaften und Zuwendungen. Ich träume davon, jedem Sportler/In alles an diesem Wochenende zu finanzieren. Ich habe einen Traum, aber wie sagt Peter Heppner so schön?: „Träumen, träumen darf ich ja wohl noch“. Und einen Traum zu haben, bedeutet keinesfalls, ich sei realitätsfremd. Und Ihr, meine lieben Billardenthusiasten/Innen da draußen, Ihr könnt mir helfen, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Unterstützt die BALTIC BILLARD OPEN, schaut auf unserer Seite www.handicapbillard.de nach, wie das gehen kann. Oder ertippt Euch unsere Elefantendame BERTA, unser Maskottchen. Kommt vor allem aber auch am zweiten Oktoberwochenende nach Hamburg und schaut Euch das Spektakel live an. Die Spieler/Innen haben es verdient, dass man Ihnen ein Wochenende bietet, wie sie es so schnell nicht vergessen werden. Wir können nicht zaubern, aber ihr werdet Euren Sport von einer Seite sehen, wie ihr es noch nie getan habt.

Und wenn Ihr das gesehen habt, dann habt Ihr auch wieder Lust am Spielen und könnt andere Menschen begeistern und mitreißen. Den eines ist sicher: Wir lieben eine der interessantesten und bekanntesten Sportarten der Welt … das sollten wir nicht für uns behalten, das sollten wir der Welt zeigen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen da draußen eine schöne Zeit, einen gelungenen Saisonstart und ich freue mich, Euch im Oktober zu sehen.
BREAK THE LIMITS

Euer Einbein

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