Interview mit Ralf Souquet - Seite 2 von 3
Die letzten beiden Pool Billard Weltmeisterschaften standen sehr im Zeichen des Soft Breaks, wie sehr wird dieses Thema diskutiert? Meiner Meinung nach verliert das Spiel dadurch an Spannung und Attraktivität. Wie siehst Du das?
- Ralf: Es scheint so, dass sich fast jeder Spieler darüber aufregt, aber Keiner ändert was an der Tatsache. So lange es die Regeln erlauben, wird es den Softbreak auch weiterhin geben. Ich hasse es persönlich, aber kann mich darauf einstellen und versuche das Beste daraus zu machen. Vielleicht waren wir über die letzten 3 Jahrzehnte einfach nur dumm und haben alles verkehrt gemacht beim Anstoß. Hätten es vorher mehrere Spieler praktiziert, dann wäre es vielleicht gar nicht zu dieser Diskussion gekommen. Ich habe aufgehört mich über diese Dinge zu ärgern, weil man nur unnötig Energie verschwendet und eh nichts ändern kann.
Ist das das Ende des 9er Balls?
- Ralf: Ich denke nicht, weil es immer genügend Turniere geben wird, um 9-Ball nicht aussterben zu lassen. Sollten die Veranstalter jedoch kein Geld mehr für 9-Ball locker machen, dann könnte es zumindest auf Profiebene schwierig werden.
Wird 10-Ball bald im Vordergrund stehen?
- Ralf: Es kann schon sein, dass im Laufe der nächsten Jahre 10-Ball an Oberhand gewinnen wird, weil sich die Topspieler eine Disziplin wünschen, in der es wieder mehr auf das Spielen ankommt und nicht nur auf das Break. Meines Wissens nach wurde 10-Ball als offizielle Disziplin mit Ansage ins Sportprogramm aufgenommen, was die Sache natürlich grundlegend von 9-Ball unterscheiden würde. Die Qualität hat einfach so stark zugenommen in den letzten 5-10 Jahren, dass man mit dem Sport wachsen muss. In anderen Sportarten werden auch Dinge verändert, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Beim 10-Ball ist das Breaken weniger kalkulierbar und das Spiel wird ein wenig komplexer, ist das die Zukunft?
- Ralf: Ich glaube schon, dass sich 10-Ball durchsetzen wird, aber es ist abhängig von den Promotern der Turniere. Sollten sie 9-Ball nach wie vor bevorzugen, dann könnte es noch viele Jahre dauern, bis 10-Ball zur Königsdisziplin aufsteigt.

Viele Junge Pool Billard Sportler spielen fast ausschließlich 9er Ball und können sich nicht erklären wieso es im 14/1 dann nicht mehr so gut funktioniert, kannst Du das erklären und hast Du das auch schon so erlebt?
- Ralf: Im 14-1 braucht man einen soften Touch, weil viele Bälle nur leicht gespielt werden müssen und es überwiegend kurze Distanzen gibt. Klingt eigentlich leichter als 9-Ball, ist es aber nicht. Im 9-Ball muss man sich keine bzw. weniger Gedanken um den Ablauf machen, weil die Wege vorgegeben sind. Im 14-1 wie auch im 8-Ball muss man kreativer sein, denn es gibt viel mehr Wege und Möglichkeiten. Man benötigt mehr Energie und Konzentration und die Vielfalt der Möglichkeiten ist bereits das Problem der meisten Spieler. Ich selbst habe das 14-1 zwar nicht verlernt, aber ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich in den 9-Ball Rhythmus verfalle und die falschen Wege gehe. Für eine gute 9-Ball Leistung ist weniger Aufwand zu betreiben als für die anderen Disziplinen, natürlich auch weil der Glücksfaktor um einige Prozent höher ausfällt.
Wie beurteilst Du die Entwicklung im Materialbereich? 314er, 314/2, Z Shaft usw., als Sportler und Trainer bin ich der Meinung das es für Anfänger nicht Optimal ist gleich ein solches Oberteil zu Spielen, teilst Du diese Meinung?
- Ralf: Ich habe mit einem normalen Oberteil angefangen zu spielen, so wie die meisten anderen Spieler ja auch. Ich denke, wenn alle Spieler mit dem Material von früher spielen müssten, dann wäre die Distanz zwischen der Elite und den guten Spielern viel größer. Aufgrund des neuen Materials ist es für den Durchschnittsspieler einfacher geworden an die Spitze zu kommen. Warum sollte ein Anfänger nicht mit einem Predator- oder OB1 Oberteil anfangen? Ich hätte damals auch nichts dagegen gehabt, denn wenn ich dort zielen kann wo ich auch treffen möchte, dann sehe ich das als Vorteil an. Muss ich allerdings rechts zielen, um dann in der Mitte zu treffen, dann ist das schon viel schwieriger.
Viele Kids wollen so spielen wie ein Efren Reyes oder ein Francisco Bustamante, ist es als Europäer möglich sich diese Technik anzutrainieren?
- Ralf: In meinen Augen ist es fast unmöglich so zu spielen wie ein Philippino. Die Gene sind zu verschieden. Man sollte sowieso keinen Spieler versuchen zu kopieren, weil jeder Mensch Dinge anders sieht und empfindet. Man sollte sich seinen eigenen Cocktail zusammen stellen und von jedem Spieler das Beste herauspicken, um es dann in sein eigenes Spiel mit einzubauen.
Ein 10 Jähriger Junge der Snooker gespielt hat fragte mich mal ob Du auch hin und wieder am Snookertisch ein paar Stöße machst und ob Du es mit Ronnie O´Sullivan aufnehmen könntest?
- Ralf: Ich spiele wirklich nur ganz selten Snooker und habe es vielleicht 20 Mal in meinem Leben probiert. Ich hätte auch absolut keine Chance, um gegen einen Weltklassespieler auch nur annähernd zu bestehen. Es ist für einen Snooker Profi möglich das Lager zu wechseln, aber umgekehrt hat es noch nie jemand geschafft.
Kannst Du den Unterschied zwischen Pool Billard und Snooker in Sachen Technik und Psychologie einmal aus Deiner Sicht beschreiben!
- Ralf: Ich denke im Bereich der Psyche gibt es nicht so viele Unterschiede, weil sich die Arten sehr ähneln. Natürlich ist Snooker nach wie vor eher die defensivere Variante des Billardsports, schon auf Grund der Distanzen, die die Kugeln zurücklegen müssen. Die Taschen sind kleiner und anders geschnitten. Ein Snooker Spieler hat in der Regel die bessere Technik bzw. Queueführung, weil er genauer spielen muss und das Queue nicht so locker schwingen kann. Auf der anderen Seite ist dadurch die Kreativität etwas eingeschränkt. Die Wege im Snooker sind übersichtlicher, weil mehr Platz auf dem Tisch herrscht. Es ist zwar beides Billard, aber wirklich vergleichen kann man beide Spielarten nicht.