Interview mit Ralf Souquet - Seite 3 von 3

 

Wie siehst Du die Situation in der deutschen Pool Billard Bundesliga? 14/1 als Teamspiel, 8 Ball Doppel und im 9 Ball kurze Sätze bis 4. Die meisten sind von diesem System nicht überzeugt, würde es Dich reizen oder was müsste man ändern?

  • Ralf: Dies ist eine schwierige Frage, da ich schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Bundesliga spiele. Ich glaube nicht, dass die kurzen Ausspielziele im Sinne der Sportler sind, aber in der Vergangenheit haben sich die Zuschauer auch nicht für lange Distanzen interessiert. Ich denke, dass dieser Weg ein Versuch war, um den Sport attraktiver zu machen und möchte es darum nicht sofort schlecht reden. Wäre das Interesse der Medien größer und damit deutlich mehr Geld vorhanden, dann wären wahrscheinlich auch noch kürzere Ausspielziele in Ordnung.

Ralf Souquet spielt in den nächsten Jahren wieder in der 1. Bundesliga, kannst Du Dir das vorstellen?

  • Ralf: Das ist sehr unwahrscheinlich. Ich lebe seit vielen Jahren vom Billard und müsste schon eine hohe Summe geboten bekommen, um wieder in der Bundesliga zu spielen. Das Problem in der Vergangenheit hat gezeigt, dass es zwar einige Vereine versucht und sogar versprochen hatten, aber letztendlich das Geld nicht bezahlen konnten oder wollten. Ich möchte einfach nicht mehr auf gut Glück, so wie bei den letzten 3 Engagements spielen, um dann am Ende wieder leer auszugehen.  

Wo steht das deutsche Pool Billard im Vergleich zu anderen Ländern?

  • Ralf: Deutschland hält immer noch eine Position in den ersten 4 der Welt und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Natürlich haben andere Länder aufgeschlossen und sind näher ran gekommen, allen voran die Asiaten, aber das ist noch kein Grund zur Beunruhigung. Von alleine geht es natürlich nicht weiter und man darf nicht die Weiterentwicklung verschlafen. Noch sind wir in der Lage jeden auf der Welt zu schlagen, aber das kann sich ändern, sobald der Sport richtig boomt. Dann könnten und werden wohl einige schlafende Talente aufwachen und ganz schnell in die Weltelite eindringen.

Wer wird einmal Leute wie Dich oder z.b. Oliver Ortmann beerben? Wem traust Du den Sprung in die Weltspitze zu?

  • Ralf: Ehrlich gesagt, bin ich im Moment nicht ganz up to date was unseren Nachwuchs angeht. Zum Einen bin ich immer seltener in Deutschland unterwegs und zum Anderen ist die Verbindung zwischen Junioren und Herren auf Grund fehlender Lehrgänge nicht gegeben. Zwei Spieler auf die man achten sollte sind sicherlich Nico Wehner und Manuel Ederer.

Wo liegt der Unterschied zwischen der Weltklasse und z.b. einem guten Bundesligaspieler?

  • Ralf: Den meistens guten Bundesligaspielern fehlt die internationale Erfahrung, die so immens wichtig ist. Wenn man bei einem großen Event vor TV Kameras spielen muss und dann auch noch unter Zeitdruck, weil es vielleicht eine Stoßzeitbegrenzung gibt, dann muss dies erst einmal gelernt sein. Auch wenn man es im Training simulieren könnte, ist es doch was anderes im Wettkampf zu stehen. Außerdem kommen dann noch die Reisestrapazen, das ewige Schlafen in anderen Betten und die Zeitumstellung hinzu. Nicht zu vergessen ist die Ernährung, die sich in vielen Ländern schwierig gestalten kann. Nur wer dies vereinen kann, hat eine Chance auf Weltklasseniveau zu kommen.

Ein Anfänger (Ben, 11 Jahre) hat mich gebeten Dir folgende Frage zu stellen:“ Warum spielen die Mädchen schlechter als wir "Männer""? :-)

  • Ralf: Das hängt mit den Genen zusammen und der Tatsache, dass Mädchen anders denken und fühlen als Jungs. Mädchen haben nicht den Killerinstinkt, den man hier und da braucht, um gewisse Entscheidungen zu treffen. Wenn man mal sieht, welcher Typ Dame im Billard dominiert, dann stellt man schnell fest, dass es meistens der Typ mit einem höheren Anteil männlicher Hormone ist. Nicht von ungefähr fühlen sich viele Damen dem gleichen Geschlecht hingezogen, egal in welcher Sportart dieser Welt.

Was stört Dich am meisten in der Billardwelt?

  • Ralf: Es gibt keine klaren Linien und zu viele legere Regeln. Man kann es auch als fehlenden Professionalismus bezeichnen. Der Sport wird auf Verbandsebene zu klein gehalten, dabei wären die Voraussetzungen in Deutschland doch so gut. Klar wir haben durch Fußball und einigen anderen Sportarten mit einer nicht zu schlagenden Konkurrenz zu tun, aber bitte welches Land kann so viele Weltmeister wie Deutschland im Pool Billard stellen? Es müsste eine 180 Grad Wende vollzogen werden, damit man den Sport von Grund auf neu bzw. anders organisiert. Nur wenn der Nachwuchs sehen kann, dass es ein Licht am Horizont gibt, kann Billard zum Breitensport werden. Voraussetzung dafür ist, dass es Profis gibt, sowohl Sportler als auch Funktionäre.

Und zu guter letzt eine bitte, ein Statement zu sixpockets.de.

  • Ralf: Sixpockets.de ist eine informative Seite im Netz, die ich als sehr gelungen beurteile. Man findet dort immer was Interessantes wie das Angebot der Spielerbörse (Vermittlung), oder einfach nur Spielpläne und Regeln sowie die News von den weltweiten Turnieren.
    Alles in allem eine tolle Seite mit Verlinkung zur besten deutschen Spielerseite www.ralf-souquet.com :-)

Danke für das Interview und viel Glück in Paris!

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