Interview mit Ralf Souquet

Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu und es wird mal wieder Zeit mit einer Billardlegende ein kleines Interview zu führen. Zuletzt habe ich Ralf Souquet vor gut 5 Jahren mit einigen Fragen interessante Antworten entlocken können. Das Jahr 2012 war für Ralf, aus seiner Sicht, sportlich nicht das Beste und auch für den Mosconi Cup wurde er nicht nominiert. Einige denken sich, dass da eine Karriere zu Ende geht. Ich glaube, dass Ralf im nächsten Jahr stärker denn je zurückkommen wird. Ich finde es toll, dass er sich bereit erklärt hat zu einigen Fragen Stellung zu beziehen, in dieser vielleicht schwersten Phase seiner Karriere. Kurz vor seinem diesjährigen Bundesligadebüt für den BSV Dachau und anderer internationaler Verpflichtungen, erscheint mir das nicht selbstverständlich …

Viel Spaß beim Lesen …

Hallo Ralf, willkommen zurück aus Japan. Erzähl uns doch, wie Deine letzten Wochen in Asien für Dich waren und wie Du zurückblickend die All Japan Championship bewertest!

Ralf: Danke dir Flo. Asien war leider nicht so erfolgreich und bin nicht einmal in die Preisgeldränge gekommen. Scheint aber so in das Jahr 2012 zu passen. Die All Japan Championships waren wie immer gut organisiert allerdings aus meiner sportlichen Sicht eine einzige Katastrophe. Gut die Auslosung war nicht die Einfachste aber diese Ausrede lasse ich sowieso nicht gelten.

Viele stellen sich die Frage, ob bei Dir alles in Ordnung ist, immerhin hast Du all Deine Fans in den letzten Jahren mit sehr vielen Erfolgen verwöhnt. Kannst Du sagen, woran es dieses Jahr gelegen hat?

Ralf: Wenn ich den oder die Gründe wüsste, dann wären sicherlich nicht diese vielen schlechten Platzierungen zustande gekommen. Klar ist, dass ich zu viele Fehler gemacht habe, ob nun schlechte Safes oder einfach zu viele verschossene Kugeln. Manchmal waren sicherlich auch falsche Entscheidungen im falschen Moment dabei. Warum das Ganze: tja da bin ich noch auf der Suche nach der ultimativen Lösung für das noch nicht bekannte Problem.

Nun, immerhin warst Du dieses Jahr im Halbfinale der 9 Ball WM und hast den 5. Platz bei den China Open belegt, leider sehen viele nur die Titel. Ist es nicht manchmal schwer für Dich, wenn diese Topplatzierungen nicht so gewürdigt werden?

Ralf: Ich selbst bin ja mit diesen Platzierungen nicht zufrieden wobei Platz 3 bei der WM 9- Ball schon ok war aus meiner Sicht. Natürlich will ich immer gewinnen und bin meistens nicht zufrieden wenn nicht Platz 1 dabei rauskommt aber in einem Seuchenjahr wie 2012 muss man auch damit mal zufrieden sein. Was die Würdigung von „nur guten“ Platzierungen angeht, sind die Fans wahrscheinlich genauso verwöhnt wie ich selbst, daher dürfen sie auch enttäuscht sein.

Bereits vor der Europameisterschaft in Luxemburg, wo wir uns das letzte mal getroffen haben, wurde bekannt, dass Du in dieser Saison Mitglied und Teil der Bundesligamannschaft des BSV Dachau bist. Wirst Du diese Saison in der Bundesliga noch zum Einsatz kommen und was gibt es zu diesem Engagement noch zu sagen?

Ralf: Zum Zeitpunkt dieser Beantwortung bin ich gerade auf dem Weg zum Bundesliga Spieltag in Osnabrück und Lingen. Es wird sicherlich noch ein weiterer Spieltag folgen aber da ich außerdem jetzt auch noch in der World Professional Billiard League (WPBL) für die Minnesota Outlaws in den USA an den Start gehe, kann es sein, dass es nicht ganz so viele Spieltage in der Bundesliga Saison werden.

Lass uns doch ein wenig abschweifen und nach Deutschland schauen. Viele Schwierigkeiten innerhalb der DBU haben für viel Wirbel gesorgt und ein neuer Präsident wurde gewählt, aber leider ist dieser bereits wieder zurückgetreten! Wie beurteilst Du all dieses Entwicklungen in Deiner Heimat?

Ralf: Da möchte und kann ich eigentlich gar nicht viel dazu sagen. Es ist einfach schade, dass die DBU es immer noch nicht geschafft hat, die vielen Erfolge der verschiedenen Spieler besser auszuschlachten. Entweder man kann oder will es einfach nicht.

Wie siehst Du die Gründung eines neuen Billard Verbandes in Deutschland? Der Billard Verband Deutschland, mit einigen bekannten Größen der Szene, scheint fest entschlossen einige neue Impulse zu setzen. Deine Meinung dazu?

Ralf: Ob das ganze Vorhaben Sinn macht und eventuell Früchte trägt, vage ich zu bezweifeln. Ich finde es immer riskant gegen einen bestehenden Verband zu arbeiten, vor allem wenn es nach oben, also international nicht weiter geht. Wenn das ganze Vorhaben mit dem ok der DBU nebenher läuft oder gar mit der DBU als professioneller Zweig, dann würde ich diesen Schritt begrüßen und der Verband hätte eine große Perspektive.

Wieder zurück zu Deinem Spiel. Ich erlaube mir mal folgendes 😉 Aus meiner Sicht warst Du stets der Spieler in der Weltspitze, der den geringsten spielerischen Aufwand mit dem Spielball (Weiße) leisten musste. Die Stellungen und Winkel waren in den letzten Jahren so präzise das Du nur sehr wenig „arbeiten“ musstest mit dem Spielball. Kaum jemand hat seine Stellungen so perfektioniert wie Du. Dieses Jahr konnte man beobachten das Dir das ein wenig abhandengekommen ist. Natürlich kommt dann auch noch ein wenig Pech hinzu beim Break oder bei Hill Hill Matches. Oder einige Resafes sind um einige Millimeter zu ungenau. Aber das kennt man ja selber, wenn es mal nicht läuft, ist es schwer da erstmal wieder raus zu kommen. Stimmst Du dieser kleinen Analyse zu?

Ralf: Sicherlich hast du das richtig beobachtet und eingeschätzt denn genau dort sind die Probleme. Ich weiß nur nicht, warum dies so war in diesem Jahr. Klar es waren ein paar körperliche Probleme hier und da, die es mir nicht immer leicht gemacht haben aber nur dort die Ursache zu suchen wäre falsch. Ich habe auch bewusst ein paar Dinge verändert in der Hoffnung auf Besserung, musste aber feststellen, dass dieser Schuss nach hinten losgegangen ist. Daher habe ich jetzt den Reset Button gedrückt und versuche mich wieder auf meine alten Stärken zu konzentrieren. Klar ist aber auch, dass ich nicht jünger werde und die anderen Spieler auch immer schneller aufholen und besser werden.

Seit die Disziplin 10 Ball immer mehr in den Vordergrund rückt, wird auch das taktische Spiel immer wichtiger. Kein Topspieler kommt ohne großes taktisches Geschick besonders weit. Das Thema Resafe oder das Vorbandenspiel wird von vielen leider zu sehr vernachlässigt. Wie siehst Du diese Entwicklung und wie hat sich das Defensivspiel aus Deiner Sicht in den letzen Jahren verändert?

Ralf: Für mich war das Safespiel und taktische Agieren schon immer das Wichtigste. Partien ausschießen konnten schon immer sehr viele Spieler aber damit gewinnt man lediglich Spiele sowie ein paar Matches, aber keine Turniere. Mittlerweile hat sich in der breiten Masse das Verständnis für das Spiel um einige Klassen gesteigert und deshalb wird es immer schwieriger sich oben abzusetzen. Auch das Resafe und Vorbandenspiel ist über die Jahre immer besser geworden.

Wie trainierst Du persönlich das Savespiel und die Resafesituationen?

Ralf: Es gibt nicht viele gute Übungen, um das Vorbandenspiel zu trainieren aber man kann einfach versuchen, sich selbst immer wieder ins Safe zu legen und mit dem nächsten Stoß wieder rauszukommen aus dem Safe. Wichtig ist, dass man die Optionen erkennt und dann die Idee ausführt. Wenn man nicht weiß, wie die Kugeln laufen werden bzw. ein Gespür dafür hat, dann klappt es sowieso nur selten.

Die Billardwelt schaut in Zukunft öfters nach Asien als wir es jetzt schon tun. Viele der hoch dotierten Veranstaltungen finden in China oder auf den Philippinen statt. Warum ist Pool Billard in Asien auf dem Vormarsch und wie sieht nach Deiner Meinung die Zukunft dort aus?

Ralf: Asiaten sind sehr verspielt und bereit alles für den Erfolg zu tun. Sie sind mit Leidenschaft dabei und kämpfen bis zum Umfallen. Der Fakt, das viele aus ärmlicheren Verhältnissen stammen, lässt sie bis zum bitteren Ende ums Überleben bzw. bessere Leben kämpfen. Es gibt nicht so viele Sportarten in Taiwan oder den Philippinen, in denen es Weltklasseathleten gibt. Daher ist Pool Billard dort so beliebt und regelmäßig im TV zu sehen. Dies bringt Sponsoren hervor und damit läuft die Maschinerie. In Deutschland wird dies nie passieren, weil wir einfach zu viele erfolgreiche Sportler in fast allen Sportarten dieser Welt haben. Dazu mit Fußball und dem DFB den größten Sportverband der Welt besitzen. Nach dem Fußball kommt in Deutschland lange lange nichts.

Das World Pool Masters 2012, immerhin eines der Topevents des Jahres, war für mich eine der größten Enttäuschungen in diesem Jahr. Es war meiner Meinung nach nicht angemessen besetzt. Teilst Du diese Meinung?

Ralf: Das ist relativ zu sehen. Für mich war das Turnier gut besetzt, denn die Tatsache, dass z. B. 4 polnische Spieler am Start waren, hängt mit der Vermarktung zusammen. Zudem waren dann noch 2 von ihnen im Finale. Sicherlich konnte man über zwei andere Nominierungen anderer Meinung sein aber Matchroom wird schon wissen, wie es die besten Gelder erzielen kann.

Lass uns über den Mosconi Cup sprechen. Mosconi Cup 2012 ohne Ralf Souquet fühlt sich für mich nicht gut an. Viele deutsche Pool Fans, mich eingeschlossen, sind der Meinung, dass Du die Nominierung bzw. die Wildcard verdient gehabt hättest. Bist Du sehr enttäuscht und was kannst Du uns dazu sagen?

Ralf: Natürlich bin ich sehr enttäuscht, dieses Jahr nicht in London dabei zu sein, aber eher wegen meiner Leistungen und nicht wegen der Nichtnominierung. Auf der anderen Seite hatte ich aber nach den vielen schwachen Leistungen auch keine große Hoffnung. Da bin ich sehr realistisch und objektiv. Wahrscheinlich hätte ich sogar ein schlechtes Gefühl gehabt, wenn ich tatsächlich eine Wildcard bekommen hätte. Verdient hin oder her, die Leistungen der jüngsten Vergangenheit sollten berücksichtigt werden und da war ich nun mal nicht gut genug. Punkt. Wenn das Fans oder Freunde anders sehen oder beurteilen, ist das deren gutes Recht.

Ich denke Du wirst Team Europa ganz bestimmt die Daumen drücken. Und wenn man die Teams vergleicht, die vom 10. – 13. Dezember 2012 in London gegeneinander antreten geht Europa als leichter Favorit ins Rennen. Oder?

Ralf: Natürlich drücke ich dem Team die Daumen und hoffe, dass der Cup in Europa bleibt. Die Atmosphäre in der York Hall wird gigantisch sein und ich werde es vermissen, wollte aber nicht selbst vor Ort sein. Das wäre mir wahrscheinlich zu Nahe gegangen und die vielen Fragen zur Nichtberücksichtigung wollte ich mir dort ersparen. Ich denke, dass Europa als Favorit ins Rennen geht, weil die Fans zwei extra Punkte einfahren werden. Das Team ist ja fast identisch mit dem Siegerteam vom letzten Jahr und wird nur durch Nikos ersetzt, der meinen Spot übernimmt. Ob er sich in dieser Hölle durchsetzen kann werden wir im Nachhinein wissen, aber ich bin guter Dinge.

Einige wollen den Mosconi Cup sogar boykottieren bzw. halten ihn für uninteressant, weil Du nicht dabei bist. Was sagst Du diesen Leuten?

Ralf: Vielleicht sind es „Hardcore“ Ralf Souquet Fans, dann kann ich es ein bisschen nachvollziehen. Wenn nicht, dann kann ich es nicht verstehen denn auch ohne meine Teilnahme wird es ein guter Event mit einer riesigen Stimmung. Es hat ja auch schon vorher einige Mosconi Cups ohne Ralf Souquet gegeben und die Spieler können jede Unterstützung nur zu gut gebrauchen.

Bei all den etwas Negativ behafteten Ergebnissen in diesem Jahr, was war Dein Highlight 2012 bzw. der schönste Moment des Jahres?

Ralf: Ein richtiges Highlight gab es im Billard nicht, außer dass ich die Trainerausbildung zum B Trainer bestanden habe. Kein Sieg – kein Titel = kein Highlight. Besser hat mir gefallen, dass meine Borussia aus Mönchengladbach die Saison 2011/2012 auf Platz 4 abgeschlossen hat und ich einige Spieler persönlich kennenlernen konnte.

Mal ganz unter uns 😉 hast Du bereits über das Ende Deiner internationalen Spielerkarriere nachgedacht? Ich hoffe doch nicht!

Ralf: Nein wieso denn? Nur weil ich mal ein schlechtes Jahr hatte? Dies ist eher Ansporn fürs nächste Jahr.

Ich geb Dir ein paar Worte/Namen/Begrifflichkeiten/Aussagen vor und Du sagst mir, was Dir spontan dazu einfällt.

  • Eine der Schlagzeilen im Jahr 2013 lautet: „Ralf Souquet erneut Weltmeister!“ Ralf: Ein Ziel wäre erreicht!
  • 10 Ball ist die spektakulärste Disziplin! Ralf: Stimmt nicht, da 9-Ball wegen dem Glücksfaktor spektakulärer ist. Was nicht heißen soll, dass 9-Ball besser ist.
  • Borussia Mönchengladbach steigt dieses Jahr aus der 1. Fußball Bundesliga ab 😉 Ralf: Ich dachte wir wären befreundet :-), nein bestimmt nicht!
  • Die asiatischen Pool Spieler werden in einiger Zeit nicht mehr zu schlagen sein! Ralf: Blödsinn!
  • Der talentierteste Spieler unter 25 Jahren ist … Ralf: Dominic Jentsch!
  • Der Jumpshot sollte abgeschafft werden! Ralf: Nicht der Jumpshot, sondern die Gimmick Queues, die es so einfach machen.
  • Ko Pin-Yi! Ralf: Ein begnadeter Spieler aus Taiwan, der zudem sehr nett ist und sogar Englisch lernt.

Und zu guter Letzt bitte ein Statement zu Sixpockets.de!

Ralf: Sehr interessante Webseite mit weltweiter Berichterstattung fast aller Turniere und meistens up to Date. Daher *****

Danke das Du Dir die Zeit genommen hast und sorry das Ich teilweise einige unschöne Momente des Jahres zurück in Deine Erinnerung geholt habe, aber eines möchte ich Dir noch sagen. Für mich stehst Du auf einer Stufe mit unseren deutschen Sportgrößen wie Michael Schumacher, Steffi Graf oder Birgit Fischer. Und ich denke, dass Du noch nicht am Ende Deines Weges bist. Das nächste Jahr wirst Du bestimmt wieder für Furore sorgen und einige Kritiker lügen Strafen. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen und Sixpockets.de hat Dein nächstes Jahr ganz fest im Visier 🙂

Ralf: Danke dir Flo für deine Anteilnahme und die aufmunternden Worte. Ich bin sicher, dass es wieder aufwärts geht in naher Zukunft.

Ralf Souquet (offizielle Homepage), Ralf Souquet (Facebook), Ralf Souquet Fan Club (Facebook), BSV Dachau (Verein von Ralf Souquet)

Fotos: Thomas Blaumoser – foto@blaumoser.de

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*