Interview mit John Blacklaw

john_blacklaw_interview_flyerIch freu mich auf ein weiteres sicherlich sehr spannendes Interview mit einer der interessantesten Spielerpersönlichkeiten in ganz Deutschland. John Blacklaw aus Bremen wurde 2009 und 2010 Deutscher Meister und zählt insgesamt zu den erfolgreichsten Spielern der letzten Jahre. Nicht nur im Einzel, sondern auch mit der Mannschaft hat er mehrmals für Furore gesorgt. Er war Teil der World Team Championship 2010 in Hannover und belegte dort mit dem Team Germany II den 5. Platz. In der letzten Bundesligasaison hat er für den PBC Lingen in der 2. Bundesliga gespielt und war Mannschaftsführer bei einem der stärksten Comebacks der letzten Jahre. Neben seinen Fähigkeiten am Billardtisch ist John Blacklaw auch immer für das ein oder andere sehr durchdachte und kritische Wort zu haben. Als äußerst angenehmer und visionärer Gesprächspartner hat der 43 jährige Bremer sicher eine Menge zu erzählen im Bezug auf die aktuellen Themen der Pool Billard Szene.

Viel Spaß beim Lesen!

Für viele zählst Du zu den besten deutschen Pool Billardspieler der letzten zwei Jahrzehnte. Erzähl uns doch kurz ein wenig etwas über Dich und Deinen Pool Billard Werdegang.

John: Hi Florian, das will ich gerne tun.
Angefangen habe ich 1990 nach meinem Abi im zarten Alter von 19 Jahren in einer Spielothek, etwa 2 km von dem Ort entfernt, in dem ich aufgewachsen bin. Zu der Zeit waren Billardcafés noch nicht so flächendeckend verbreitet, daher war die „Spielo“ oder die Eckkneipe eher der Standard für Billard. Schnell stellte sich der Erfolg, und damit auch der Enthusiasmus ein, da ich als damaliger Azubi ein paar Mark nebenbei beim Zocken ergattern konnte…und es machte auch noch Spaß! Über einen Vereinsspieler, der sich gelegentlich dort blicken ließ, entstand etwa ein halbes Jahr später der Kontakt zu meinem langjährigen Verein „PBV Visselhövede“, in dem ich etwa 8 Jahre die bunten Kugeln schubste. Hier schlugen wir uns vor allem in den ersten Jahren die Abende und Wochenenden um die Ohren, Netto-Spielzeiten von 20-25 Stunden an Wochenenden waren keine Seltenheit.

Mannschaft: Irgendwann packte uns der sportliche Ehrgeiz und ich ging 1994 zusammen mit meinem sehr guten Freund Christian Musmann zum PBC Bremen-Nord. Wir vervollständigten die Truppe in der 2. Bundesliga, in der sich Michael Schmidt und Christian Schoof befanden. Die folgenden 4 Jahre waren wohl richtungsweisend und wir hatten sowohl sportlich als auch auf der geselligen Schiene jede Mange tolle Erlebnisse, bis hin zum 3. Platz in der Bundesliga 1997-98. In den folgenden Jahren tingelte ich durch einige Vereine in der Oberliga, spielte einige Aufstiegsrunden zur 2.BL und landete dann 2004 irgendwie beim PBC Schwerte. Hier hatte ich mit Jörn Kaplan, Thomas Seiffert und Andreas Bartsch die wohl coolste Saison meiner gesamten bisherigen Laufzeit, in der wirklich alles passte. Leider orientierte sich der Verein nach dieser Saison neu und so folgten noch einige Stationen wie Pfullingen, Hannover 96 und letztendlich Lingen.

Einzel: Im Einzel hatte ich gefühlte 75-mal (es waren allerdings nur 4) den unbefriedigenden 3. Platz im 8-Ball bei der DM geholt, bevor ich diesen für mich wichtigsten Titel schließlich 2010 dann doch einheimsen konnte. Im vorherigen Jahr hatte ich den 14-1 Titel geholt und auch wirklich dabei ne Top-Leistung abgeliefert, die deutlich besser war als die im 8-Ball-Finale gegen Dominic, trotzdem ist der 8-Ball Titel noch ne ganz andere Hausnummer für mich persönlich gewesen. Ist halt meins … 🙂
Die Teilnahme an der 14-1 WM war auch noch ein Highlight, ebenso wie die USA-Trips, die ich aufgrund von Löwen-Valley-Cup oder auch der Brunswick-Challenge bereits in Vorjahren machen konnte. Tolle Erlebnisse, die man ewig in Erinnerung behalten wird.

John Blacklaw - Copyright Billardmagazin Touch
John Blacklaw – Copyright Billardmagazin Touch

Dein Spitzname ist „Highlander“. Wie bist Du zu diesem Namen gekommen?

John: Das ist natürlich aufgrund meiner schottischen Herkunft und daraus ableitend dem epischen Film mit Christopher Lambert geschuldet. Mein Vater wurde in Dundee/Schottland geboren und ich habe von Geburt an die britische Staatsangehörigkeit. Ich bin also mit beiden Sprachen und beiden Mentalitäten aufgewachsen, wobei der „british way of life“ und vor allen Dingen der trockene und selbstironische Humor mir etwas näher liegt als die nennen wir es mal vorsichtig „nicht immer optimistische Grundeinstellung“, der man oft hierzulande begegnet. Im Billard ist das zwar nicht so merklich der Fall, da der Grad der Lockerheit ein anderer ist als im Querschnitt der Gesellschaft, aber in vielen anderen Lebensaspekten nervt mich das Festhalten an vorrangig negativen Ereignissen, welches in Deutschland schon fast Volkssport zu sein scheint 🙂

Leider werden wir alle nicht Jünger. Auch Du gehörst mittlerweile mit Deinen 43 Jahren zu den etwas älteren Top-Spielern der Szene. Wie kommst Du damit zurecht und bist Du auch der Meinung das Pool Billard eher ein Spiel für jüngere Menschen ist?

John: Mich stört das eigentlich eher weniger. Sicherlich ist die Bereitschaft, sich weiten Strecken national oder sogar international auszusetzen, nur um wieder bunte, störrische Kugeln in verdammt kleine Taschen zu bugsieren, nicht größer geworden. Das hat aber in meinem Fall nichts mit dem Alter sondern der persönlichen Motivation zu tun. Es wird über die Jahre sicherlich nicht einfacher, sich einer hinlänglich bekannten Situation immer wieder mit Überzeugung auszusetzen und zu versuchen sein Bestes zu geben. Wenn ich nicht meine, immer mein Bestes geben zu wollen …bleibe ich lieber mit dem Hintern zu Hause. Ich möchte nicht nur des Spielens willen Billard spielen, sondern aus Überzeugung……..als Kombination aus Spaß und persönlicher Motivation.

Wie die meisten anderen gehst Du einer regelmäßigen Arbeit nach, bleibt da noch Zeit für Training? Und wenn ja, wie gestaltest Du dieses?

John: Training kann man das bei mir sicherlich nur noch vereinzelt nennen. Ich spiele weiterhin noch regelmäßig Equal Offense, da die Hürde der eigenen bekannten Leistung, die man natürlich mindestens schaffen möchte, die Konzentration extrem fördert. Wenn ich diese durchschnittliche Leistung übertreffe, freue ich mich sehr und gehe zufrieden nach Hause (andersrum natürlich entsprechend unzufrieden, sollte ich grob daneben gelegen haben.). Da ich nur einen Spieler in meinem Verein in Bremen habe, der sportlich ein ähnlich hohes Niveau spielen kann und dieser beruflich auch noch stark eingebunden ist, läuft es meist auf eine Frage der Eigenmotivation und des individuellen Trainings hinaus, da die gemeinsamen Matches mit ihm eher Mangelware sind.

Hast Du neben dem Pool Billard noch andere Hobbys, um einen gewissen Ausgleich zu schaffen?

John: Ich spiele seit kurzer Zeit wieder etwas Fußball, allerdings auf reinem Freizeitniveau und gehe hier oder da mal etwas joggen. Dabei ziehe ich mir meist ein wenig „schnellere“ Musik rein und generiere hierüber mein natürliches Gegengewicht zu dem inneren Schweinehund, der immer schreit „mach ne Pause !“……(lacht)….. klappt aber leider auch nicht immer……

John Blacklaw – Copyright Billardmagazin Touch
John Blacklaw – Copyright Billardmagazin Touch

Was ist Deiner Meinung nach das Schönste, das einem das Spiel Pool Billard geben kann?

John: Das ist einfach……..den Tunnel. Dieses gigantische Gefühl, vollständig Herr aller Situationen, technischer Schwierigkeiten und sonstiger widriger Umstände zu sein und alles mit traumwandlerischer Sicherheit lösen zu können (und das auch vorher genau zu wissen)……ist einfach phänomenal. In solchen Momenten könnte auch eine Blaskapelle immer um den Tisch herum marschieren und Du würdest es gar nicht registrieren. 🙂 🙂 Leider sind diese Tunnel-Momente sehr selten.
Darüber hinaus sind die geilsten Erfolge die, die man mit anderen zusammen erleben kann …also Aufstiege, Relegationsrunden wie bis vor einigen Jahren die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, bei denen das ganze Jahr von einem einzigen Wochenende abhing. Ich war z. B. vor der jüngst stattfindenden Relegation gegen Trier 3-4 Wochen im Vorfeld heiß wie Frittenfett und voll positiver Anspannung. Solche Mannschaftsevents flashen mich enorm.

Was sind Deine Ziele in den nächsten Jahren? Gibt es noch irgendwas etwas von dem Du träumst?

John: Hier muss ich wohl mit einem nüchternen „eher nicht“ antworten. Ich hab so ziemlich alles gespielt und vieles von dem gewonnen, was ich überhaupt mit meinen bescheidenen Mitteln gewinnen kann. Ich habe mehr als ein Dutzend Deutsche Meisterschaften, einige Europameisterschaften, eine Team-WM und eine (inoffizielle) 14-1 WM gespielt und mich auch dort zufriedenstellend behaupten können. Ein Mega-Highlight war sicherlich die WTC in Hannover, die ich als das beste Event einstufen würde, welches ich in Deutschland bisher miterlebt habe. Die Stimmung dort war einfach berauschend und wir sind am Ende Fünfter geworden, auch wenn ich selber dort mein wohl schlechtestes Turnier der letzten 10 Jahre gespielt haben dürfte und mein Haupt-Teambeitrag vorrangig darin bestand, mich so wenig wie möglich aufzustellen 🙂

Auch wenn es vielleicht ein wenig weh tut, schilder uns doch kurz Deinen bittersten Moment in Deiner Karriere?

John: Ist lange her. Damals wurde die Qualirunde zur DM noch mit 32 Spielern pro Disziplin ausgetragen, wobei nur solange gespielt wurde, bis noch 8 übrig waren. Diese durften dann zu einem späteren Termin bei der Messe in der Essener Grugahalle vor einigermaßen zahlreichen Publikum den Deutschen Meister ausspielen. Hier war auch die komplette Billardindustrie vertreten und so hatte man die Möglichkeit sich zu zeigen und den ein oder anderen Sponsor von sich zu überzeugen. Ich spielte in der Qualirunde in der entscheidenden Verliererrunde gegen Torsten Beering aus Berlin und führte bei einem Satz auf 9 Gewinnspiele bereits 7:1 …ich spielte bis dahin sehr gut und Torsten hatte den ein oder anderen „liegen gelassen“. Dann kippte die Partie und während Torsten sich auf einmal unsympathischerweise weigerte, irgendwelche Fehler zu machen, begann ich wohl unterbewusst zu früh damit mich mit den Konsequenzen dieses (für mich) schon fast feststehenden Sieges zu beschäftigen. Ein fataler Fehler, der mich im Endeffekt den Sieg (ich unterlag 8:9) und sämtliche weitergehenden Chancen bei der DM kosteten. Hab damals mehr als ein halbes Jahr daran zu knabbern gehabt, mein Selbstvertrauen bei engen Partien war natürlich völlig im Eimer und ich gewann in dieser Zeit nicht sehr viel.

In der abgelaufenen Saison hast Du mit dem PBC Lingen in der 2. Bundesliga über die Relegation die Klasse erhalten. Ihr habt in der Hinrunde lediglich einen Punkt erspielen können und dann eine unglaubliche Aufholjagd gestartet. Meinen Glückwunsch zu dieser außergewöhnlichen Leistung. Wie war das aus Deiner Sicht und kannst Du etwas über die Relegation gegen den PBC Trier berichten?

John: Die Aufholjagd, die wir mit Lingen dieses Jahr gestartet und vollbracht haben, hat es in dieser Form wohl noch nie gegeben und ich bezweifle sehr stark, dass so etwas noch einmal getoppt werden kann. Wir hatten nach 8 von 14 Spielen einen mageren Punkt und 8 Punkte Abstand zum Vorletzten der Tabelle. Da ich als Mannschaftsführer aber noch nicht aufgeben wollte, bis es rechnerisch „durch“ war (ich bin ein störrischer Problemlöser 🙂 ), haben wir Spieltag für Spieltag genau vorher ausgerufen, wie viele Punkte wir gegen den jeweiligen Gegner holen müssen, damit wir es noch schaffen können. Und wir haben wirklich jedes dieser Ergebnisse geholt, ob gegen den Tabellenführer Schwerte oder Mannschaften aus dem Mittelfeld. Meine Teamkollegen Jörn, Marcus, Jörg, Tim und Dirk haben sich voll reingehängt und das schier aussichtslose Unterfangen doch noch realisiert … ganz großes Lob an alle Beteiligten für diese wirklich absolut einmalige Leistung.

John Blacklaw – Copyright Billardmagazin Touch
John Blacklaw – Copyright Billardmagazin Touch

Die 1. Bundesliga ist mittlerweile mit vielen internationalen Topstars besetzt doch leider schafft man es nicht diese besser zu vermarkten! Was sind die Gründe dafür Deiner Meinung nach?

John: Das kann ich leider nur mit absoluter Versäumnis betiteln. Du fragst, warum man es nicht besser vermarkten kann……dazu müsste man es aber zunächst einmal vehement versuchen. Wenn ich sehe (bzw. nicht sehe), dass über die Spieltage an sich, die Motivation der ausländischen Spieler in der hiesigen Bundesliga zu performen, die Perspektiven für die Folgejahre etc.…….irgendetwas zu lesen ist, dann kann ich das nur mit Unkenntnis der einfachsten Marketinggrundsätze bezeichnen. Wir haben derzeit die qualitativ bestbesetzte Bundesliga, die wir jemals in Deutschland gehabt haben, merken aber nicht viel davon. Es muss doch z. B. nach jedem einzelnen Spieltagwochenende der Bundesliga ein Bericht auf der Area zu lesen sein, bei dem möglichst spannend die Highlights des abgelaufenen Wochenendes zu lesen sind. Sportliche Höchstleistungen, persönliche Eigenarten mancher Spieler, seltsame Situationen und vieles mehr kann man hierbei zum Besten geben. Interviews mit den Spielern, Vergleiche der Bundesliga mit anderen europäischen nationalen Ligen aus erster Hand, Synergieeffekte, die sich potenziell europaweit dadurch schaffen lassen würden und noch vieles mehr! Zu lesen ist aber…….nichts! Da im BA-Forum einige findige Spezis wie Benson dabei sind, die einen Billardtracker auf sämtliche Schlagworte im Internet geschärft haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass wir nicht versehentlich eine Serie explosiver Seite-1 Billard-Zeitungsartikel verpassen, die nur lokal hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen veröffentlicht wurden.
Und eben solche Kontinuität und kompetente Leute, die so etwas schreiben können und wollen braucht man intern und vor allem extern (!) um zu begeistern und auf sich aufmerksam zu machen. Hier sind wir aber wieder beim Ehrenamt … wen ich nicht bezahle, kann ich auch nur bedingt verantwortlich machen. Er/Sie tut ja sein/ihr Bestes …ein Teufelskreis …

Auch in diesen Tagen wird mal wieder über eine Reform der Bundesliga nachgedacht. Es soll vielleicht ein Doppel eingeführt werden und womöglich fällt 14.1 komplett raus. Wie denkst Du darüber, dass man die Dinge erneut ändern möchte?

John: Ich selbst halte den Mannschaftsspielbetrieb der Bundesligen für nicht oder nur sehr schwer vermarktbar, insofern sehe ich die Notwendigkeit der ständigen Änderungen nicht. Was wir in den Letzten 10-12 Jahren schon alles ausprobieren mussten, spottet jeder Beschreibung. Marketingseitig stehen wir gefühlt an exakt der gleichen Stelle wie vor 10-12 Jahren …mitten im Nirvana. Ich halte viel mehr von der Promotion einzelner Turniere wie Hangelar, Stuttgart, Berlin, Pinneberg etc., da ich das Vermarktungspotenzial exponentiell höher sehe als beim recht schwierigen Konstrukt der BuLi-Spieltage.  Wenn diese noch einmal drastisch verkürzt werden sollten, bin ich definitiv nicht mehr am Start. Für 2 oder 2,5 Stunden Dauer eines solchen Spieltages fahren viele dann sicherlich nicht mehr los…….ob das gut ist und sich „einpendeln“ wird, halte ich für sehr zweifelhaft. Man versucht ständig (ohne wirklich erprobtes Konzept) wieder ein neues System aufzuoktroyieren und trägt diese Feldversuche auf den Rücken der Spieler aus, die sich Jahr für Jahr, meist für Spaß und Spesen, auf den Autobahnen der Republik herumtreiben.

Wie sieht das für Dich perfekte Mannschaftsspielsystem aus?

John: 14-1 auf 100
8-Ball 3 Gewinnsätze auf 3, Wechselbreak
10-Ball Doppel 2 Gewinnsätze auf 3, Wechselbreak
————–Rückrunde———
14-1 auf 100
8-Ball-Doppel 2 Gewinnsätze auf 3, Wechselbreak
10-Ball Einzel 3 Gewinnsätze auf 3, Wechselbreak

3-Punkte-Regelung, allerdings gäbe es bei Unentschieden ein Shoot-Out, bei dem ein zweiter Punkt ergattert werden könnte. Hatten wir vor einigen Jahren schon einmal, als ich mit Roschi, Jörn Kaplan und Philip Rüthemann in Pfullingen gespielt habe und ich fand es total geil. Ist auch bei den Zuschauern super angekommen, weil ein Spieltag nie in einem emotionslosen Unentschieden endete, es gab immer einen Gewinner! Spannung pur und volle Konzentration noch einmal am Ende … einen noch größeren WOW-Effekt gab es durch das Shoot-out bei der WTC in Hannover. Wer das gesehen hat (Paradebeispiel GB vs. China)  muss es lieben!

Für mich wird es immer schwieriger neue Motivation aufzubringen für den Mannschaftsspielbetrieb. Viele Kilometer im Auto, oft wechselnde Spielsysteme und von so etwas wie öffentlicher Wahrnehmung kann man nur träumen! John, gib mir doch mal einen Rat wie ich es besser hinbekomme mich zu motivieren 🙂

John: Haha …sehr witzig! Woher soll ich denn das Ei des Kolumbus nehmen, welches mir selber immer stärker fehlt? Meine Bereitschaft mich weiter zu motivieren steht und fällt heutzutage ausschließlich über das Team, in/mit dem ich spiele. Mannschaft/Team ist die treibende Kraft in meinem persönlichen Billardumfeld, da das Einzel für mich nur noch selten begeisternden Charakter hat. Sich mit vielen Leuten an einer Sache zu erfreuen ist grundsätzlich geiler als alleine …nicht nur im Billard. Ich bin in meinem derzeitigen Verein Lingen sehr glücklich, da viele Umstände gut zusammenpassen, ich mit allen Leuten sehr gut zurechtkomme und viel Spaß habe …hoffentlich bleibt das noch 1,2 oder maximal 3 Jahre so …dann ist für mich wohl ohnehin spätestens Schluss.

Es wird darüber diskutiert die Bundesliga spannender für die Zuschauer zu machen, doch es gibt keine Zuschauer. Das könnte an den Anstoßzeiten liegen (wieso nicht Freitag- und Samstagabend), oder einfach daran das Pool Billard nur interessant ist für die Leute wenn Sie selbst zum Queue greifen. Wie ist Deine Meinung dazu?

John: Wie schon gesagt ist es extrem schwierig aus unserem Mikrokosmos zu entweichen und etwas Fundiertes, Tragfähiges und Gewinnorientiertes daraus zu etablieren. Ich habe durch meine Partizipation beim BVD, meinem Engagement in vielen Gesprächen mit DBU-Vertretern der letzten 5-6 Jahre und anderen äußerst kompetenten Ansprechpartnern der Szene wie Harry Busch oder allen voran Jens Schumacher, diverse Ideen gehört und auch selber „ins Rennen gebracht“. Es fehlt eine Art Initialzündung, eine Art IPT oder ein potenter Sponsor, der einfach mal 1-2 Jahre einen siebenstelligen Betrag investieren kann und möchte, da er ein langfristiges Return-On-Investment sieht. Ohne einen solchen Urknall sehe ich leider nicht, wie wir unsere ständig größer werdenden Probleme des Mitgliederschwunds nachhaltig in den Griff bekommen wollen. Diese würde nur mit der Zusammenarbeit aller „Fraktionen“ wie z. B. Verbände, Vereine, Funktionäre, Billardcafébetreiber, öffentliche Hand usw. eventuell funktionieren …von einer solchen Kooperation sind wir allerdings weiterhin Lichtjahre entfernt. Es fehlen die Konzepte und nicht zuletzt die Kohle, um solche visionären Ideen (wie auch immer sie aussehen mögen) langfristig zu manifestieren und etablieren zu können.

John Blacklaw – Copyright Billardmagazin Touch
John Blacklaw – Copyright Billardmagazin Touch

Spinnen wir doch mal ein wenig rum 😉 Du wirst in absehbarer Zeit zum DBU-Präsidenten gewählt! Was würdest Du gerne innerhalb der ersten Monate ändern wollen, wenn Du könntest?

John: Schwierige Frage und ein Amt, welches ich nicht geschenkt haben möchte (lacht). Ich bin nicht Politiker genug, um so ein Amt effektiv ausfüllen zu können, weswegen ich auch Angebote zur Kandidatur für andere DBU-Ämter in der Vergangenheit ausgeschlagen habe. Aber wenn ich wollte, wie ich könnte, wäre eine Top-Down-Befehlsstruktur wohl eines der präferierten Themen. Im Moment ist das Gegenteil der Fall, da wir von unten über die Landesverbände votieren und steuern. Das macht den Apparat meiner Ansicht nach sehr lethargisch und wenn jemand nächstes Jahr bei der MV auf die Toilette gehen möchte, muss er dieses Jahr schon einen korrekt ausformulierten Antrag stellen 🙂
Eventuell würde aber auch die Etablierung einiger Gremien ausreichen, die sich in Eigenregie um Projekte wie Vermarktung, Bundesligen+Turniere, Strukturen, Öffentlichkeitsarbeit etc. kümmern könnten und nicht anhängig wären von den Entscheidungen irgendwelcher maximal jährlich stattfindender Versammlungen mit einem gefühlten Durchschnittsalter von 65. Wir haben zwar jede Menge Erfahrung im Billard (siehe Durchschnittsalter), aber wie wir es effektiv an den Mann bringen, scheinen wir nicht so richtig zu wissen. Und die Leute, die es eventuell wissen könnten (da sie mehr wissen als der Durchschnitt), haben aus diesem Grund eher zeitintensive und stressige Jobs und sind vielerorts daher nicht bereit auch noch jahrelang ihre Freizeit zu opfern, um à la Sisyphus den unrunden Billardstein den Berg hochzuschieben.
Du merkst vielleicht an der übermäßigen Verwendung des Konjunktivs bei dieser Antwort …ich glaube nicht so richtig an einen signifikanten Ruck in Billard-Deutschland. Einige Strohfeuer sind sicherlich da und geben zumindest ein wenig Hoffnung, aber der kollektive Push nach vorne bleibt aus.

Vor einigen Wochen gab es ein Interview mit dem amtierenden DBU Präsidenten Michael John. Angesprochen auf die Kommunikationspolitik der DBU und die mangelnde Transparenz sagte er: „Die DBU ist ein Verband der Verbände und nicht der Vereine oder von Einzelpersonen!“ In der Sache hat er damit sicherlich recht, nur leider wird damit in der jetzigen Situation, in der Billarddeutschland steckt, ein schlechtes Bild vermittelt. Wie kommt diese Aussage bei Dir an?

John: Herr John hatte mit vielen seiner Aussagen Recht und hat zweifelsohne eine hohe Fachkompetenz … aber die Art und Weise, in der dieses im Interview durch ihn „verkauft“ wurde, hatte einen faden Nachgeschmack aufgrund des herablassend wirkenden Touchs. Ich würde ein solches Auftreten dann verstehen, wenn jede zweite Woche ein Bericht über die Erfolge des derzeitigen Systems und die positive Richtung kommuniziert würde und dahin gehend man das Vertrauen in das ach so tolle System untermauern würde.
Aber anhaltendes Stillschweigen und Zurückweisen jeglicher Kritik „ihr versteht das ja alles gar nicht“, welche seit Jahren von mir und anderen Kritikern moniert wird, ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Sehr schwach fand ich auch das Bauernopfer Manni Pürner als Beelzebub hinzustellen, der abseits des Wissens aller beteiligter Personen und in absoluter Eigenregie den alleinigen Niedergang des zuvor grandios laufenden Billardsports zu verantworten hat……steinigt ihn!
Wir wollen das Interview mit Herrn John aber nicht schlechter machen, als es war …viel seiner Kommentare waren fundiert und zeigen die Schwierigkeiten auf, mit denen Tag für Tag viele Beteiligte im stillen Kämmerlein zu kämpfen haben, ohne da die notorisch meckernde Billard-Allgemeinheit davon viel mitbekommt. Jede Hilfe sollte aber willkommen sein und nicht abgewiesen werden, weil sie nicht den vorgeschriebenen Administrationsprozess durchlaufen hat oder von einer Einzelperson statt eines Vereins oder Verbandes stammt …diesen Luxus sollten wir uns nicht leisten, da die Uhr tickt.

Ich habe das Interview mit Herrn John in der Summe als recht positiv empfunden, allerdings muss man schon festhalten das sich in den letzten 2 Jahren wenig bis gar nichts getan hat und das die DBU-Spitze im Prinzip den Landesverbänden „hilflos“ ausgeliefert ist. Was ist Deine Meinung zu diesem Interview und der angesprochenen Situation?

John: Hilflos ist vielleicht nicht ganz richtig, da das Präsidium schon einiges mehr entscheiden darf, als man mittlerweile fast überall annimmt. Die derzeitige Bottom-Up Struktur halte ich aber nicht für zukunftsorientiert, da mehr Kompetenzen erteilt werden sollte und die Schlagzahl, also die Geschwindigkeit von Entscheidungen und Projekten drastisch erhöht werden muss. Ich gebe Dir insofern recht, dass sich in der Außenwirkung der letzten 2-3 Jahre nicht viel getan hat. Da hat mit der anhaltend restriktiven Kommunikationspolitik der DBU zu tun, die ich bereits seit Jahren bei vielen Funktionsträgern unseres Dachverbandes anprangert habe. Es gibt sicherlich zahlreiche Themen, die ich als Dachverband nicht detailliert ausbreiten kann, aber es gibt sicherlich ausreichend andere Themen, bei denen genau das sehr hilfreich sein könnte. Anmaßend ist es, nichts zu kommunizieren, da dieses Verhalten ja impliziert, dass man auf DBU-Führungsebene die omnisziente Fachkompetenz sitzen hat.

Was er absolut richtig erkannt hat, ist das es in Deutschland einfach zu viele Pool Billard Disziplinen und Meisterschaften gibt. Die Deutsche Meisterschaft ist ein perfektes Beispiel dafür. Ich glaube es gibt für Pool Billard in der ganzen Welt mehr Chancen, wenn wir uns alle auf eine Disziplin festlegen. Pool Billard darf meiner Meinung nach mit nur einer Disziplin in Verbindung gebracht werden. Wie denkst Du darüber?

John: Ist ganz genau meine Meinung. Auch Jens Schumacher aus Berlin, den ich für einen der kompetentesten Instanzen im derzeitigen Pool-Business halte, predigt diesen Missstand bereits seit geraumer Zeit und weist auf die fast ausschließlichen Nachteile einer solchen Titelflut hin. Wie will ich einen 43-fachen Deutschen Meister, der aber erst 45 Jahre alt ist, einem Non-Pooler erklären?
Falls wir tatsächlich auf eine Disziplin gehen sollten, halte ich 8-Ball für die vielversprechendste Variante. Diesen bereits vorhandenen Bekanntheitsgrad und daraus resultierende positiver Launch-Effekte hat ja auch Kevin Trudeau mit dem IPT-Konzept erkannt, welches die beste Chance für Pool der letzen 20 Jahre gewesen sein dürfte. Leider versickerte diese eventuell bahnbrechende Gelegenheit, bevor sie richtig im laufenden Betrieb 1-2 Jahre auf Herz und Nieren gestestet werden konnte. Sie hatte aber ein Vielfaches des Potenzials von Bonus-Ball oder vergleichbarer Rohrkrepierer.

Die besten Spieler Deutschlands werden immer älter und der Nachwuchs bleibt aus. Hat das Spiel den Kids nichts mehr zu bieten und sind die Strukturen einfach nicht interessant genug?

John: Andere Generationen, andere Ansprüche und Möglichkeiten. Als ich anfing Billard zu spielen, gab es keine Handys und man musste zum Verein oder Café hinfahren um herauszufinden ob da was los war. Heute unvorstellbar, da die Jugend und die jüngere Generation ohne ihr Smartphone und die „Sauerstoffapp“ nicht mal mehr Luft holen können. Es ist viel interessanter, in der virtuellen Welt zu kommunizieren als sich aktiv zu bewegen oder sich irgendwo aktiv einzubringen, womöglich noch für eine ehrenamtliche Tätigkeit. (Er hat Jehova gesagt!)
Klingt jetzt hart und ist sicherlich auch überspitzt dargestellt, aber beinhaltet auch leider einiges an Wahrheit. Aber diesen Prozess werden wir nicht aufhalten, es gilt Mechanismen zu identifizieren, mit denen man sich diese Tendenz zunutze machen kann. Die Strukturen tun ihr Übriges, um den wenig mitreißenden (es geht hierbei nur um den ersten Eindruck) Pool-Sport weiter in den belanglosen Hintergrund zu drängen. Billard ist nicht mehr cool!
Die Konkurrenz der Angebote und Freizeitaktivitäten wird größer und wir sind nicht schnell oder vielleicht auch nicht interessant genug. E-Sports sieht auch aus wie Sport und ich kann es ausüben, ohne dass ich mich viel aus dem Haus bewegen muss. Perfekt!
Tendenziell ist der (Rand-)Sportverein in den nächsten 10-15 Jahren aber ohnehin ein Dinosaurier, der stark vom Aussterben bedroht sein wird…nicht nur beim Billard.

John Blacklaw
John Blacklaw

Welche Leute würdest Du Dir in einer führenden Position in Billard Deutschland wünschen? Welche Kriterien müssten diese Leute mitbringen?

John: Ich habe ziemlich genaue Vorstellungen von meinen Favoriten, die ich in bestimmten Wirkungsfeldern einsetzen wollen würde (wenn ich Präsi der DBU oder König von Deutschland wäre 🙂 ). Jens habe ich hier ja schon mehrfach genannt und es gibt 4-5 andere, die auf meiner persönlichen Wunschliste habe. Da ich diesen netten Leuten aber nicht ohne ihr Wissen hier eventuell ungewollte Publicity auferlegen möchte, die sie eventuell gar nicht schätzen, werde ich keine weiteren Namen nennen. Eine Ausnahme mach ich an dieser Stelle noch: Du bist auch dabei 🙂
Die von Dir angesprochenen Kriterien sind jedenfalls Fachkompetenz auf ihren jeweiligen Spezialgebieten sowie emotionsarme, lösungsorientierte Herangehensweise. Sachliche Kommunikationsführung und Offenheit für die Ideen und Methoden anderer in der Erreichung des gemeinsamen Ziels, wären für mich ebenfalls unabdingbare Eigenschaften solcher Kompetenzträger. Beim letzten Satz scheiden meiner Ansicht nach die meisten aus, ist die komplexeste Anforderung.

Du warst vor einiger Zeit Teil einer Gruppe von Leuten die vor hatte einen neuen Billard Verband zu gründen. Der Billard Verband Deutschland (BVD) hat es leider nicht zur Gründung geschafft. Was waren Deine Beweggründe dich zu engagieren und warum ist dieses Unterfangen mehr oder weniger gescheitert?

John: Ich habe mich von diesem Konzept überzeugen lassen, da ich die Bereitschaft zur Änderung selbst schon lange in mir trage und beim BVD Gleichgesinnte Enthusiasten vorfand. Vorrangig natürlich über die scheinbar nie endende Energie von Guido und die fundierte Marketing-Kompetenz von Mike, die ich über die Jahre sehr schätzen gelernt hatte und mit Hilfe derer er immerhin in einem riesigen Sportverein Hannover 96 eine Billardsparte etabliert hat. Ralph Eckert und ich waren von Anfang an hauptsächlich als Litfaßsäulen bzw. „Gesichter“ aktiv, da man sich über sportliche und rhetorische Kompetenz über die Jahre ein bestimmtes Image und eine überregionale Akzeptanz erschaffen hatte. (Ralph sicherlich noch deutlich mehr als ich)
Im Prinzip hat der BVD mit den gleichen Windmühlen zu kämpfen wie auch die DBU …es muss viel Zeit und Akribie investiert werden, vieles ist natürlich nicht so einfach, wie man zunächst denkt, man reibt sich auf etc. etc.
Der größte Aktivposten war weitestgehend auf sich alleine gestellt, was relativ kurzfristig dazu geführt haben dürfte, dass dieses Projekt nicht weiter geführt wurde. Ansonsten ist denke ich zu Zeiten der damaligen „heißen Phase“ alles dazu gesagt worden…….no sense crying over spilt milk.
Hauptbeweggrund meinerseits war und ist einfach die Tatsache, dass ich nur immer wieder betonen kann, nicht pro oder kontra DBU, BVD, ECB oder sonstigen Verbänden zu denken, sondern schlicht und ergreifend „Pro-Billard“. Und da ich über 2-3 Jahre viele interessante, motivierende und fachkundige Diskussionen mit diversen hohen Funktionsträgern der DBU etc. geführt hatte, sich im Endeffekt aber alles im Nebel auflöste, obwohl man angeblich Feuer und Flamme für einige neue Ideen war und sich definitiv kurzfristig bei mir diesbezüglich melden wollte (ich sitze heute noch wie elektrisiert neben dem Telefon und warte, dass es  klingelt)…..hatte ich keine Überzeugung mehr in die Flexibilität und Zukunftsorientierung des Konstrukts DBU. Daher bei sich ergebender Alternative der Versuch eine alternative Route einzuschlagen, um dem Basisproblem flexibler zu Leibe zu rücken.(erwähnte ich schon, dass ich notorischer Problemlöser bin? 🙂 )
Meine Grundintention haben leider einige bei der DBU nicht so ganz verstanden oder es passt nicht in deren Denkweise, weswegen mir diese Aktion einige übel genommen haben (was ich durchaus erwartet hatte). Wenn ich aber nicht von der Grundidee überzeugt gewesen wäre, nämlich den Billard-Sport nach vorne zu bringen, hätte ich es sicherlich nicht beim BVD partizipiert. Lieber polarisieren und anecken als sich bedeckt im Hintergrund zu halten und zu hoffen, dass es irgendwann von alleine besser werden könnte.

Lass uns ein wenig über die Turnierszene plaudern. Man trifft Dich nicht mehr allzu häufig auf den großen deutschen Turnieren. Hast Du zu wenig Zeit oder fehlt Dir derzeit einfach die Lust?

John: Beides. Ich habe in der Woche einen anspruchsvollen Job, von dem ich mich gerne am Wochenende etwas regeneriere. Außerdem hab ich einige Jahre lang die Republik durchfahren und versucht auf Turnieren sportlichen und minimal finanziellen Erfolg beizubehalten und dabei (most importantly) auch noch Spaß zu haben. Das ganze Drumherum der Spielpausen von früher (Backgammon, Rommé, Klammern, Skat etc.) findet heute aber überhaupt nicht mehr statt, was sehr wesentlich für mich den Fun-Faktor negativ beeinflusst. Beim Turnier wird nur noch Billard gespielt und sich in den Pausen über die neuesten Facebook oder WhatsApp Neuigkeiten (du merkst schon, ist ein Lieblingsthema von mir 🙂 ) ausgetauscht bzw. sich mit seinem Smartphone in die Ecke verkrümelt.
Und im privaten Bereich habe ich meist erfüllendere Wochenendbeschäftigungen als das Nachjagen nach Phenolharz-Kugeln Hunderte von km von zu Hause entfernt….aber hier oder da packt einen die Billard-Faszination halt doch wieder…und das ist auch gut so!

Es gibt mittlerweile recht viele große und toll organisierte Turniere in Deutschland. Wie beurteilst Du die deutsche Turnierlandschaft?

John: In den letzten Jahren wieder positiv und ich hoffe, dass die Enthusiasten hinter Stuttgart, Hangelar, Pinneberg aber auch ebenso wichtige Events wie Molbergen noch viele Jahre dem Spiel erhalten bleiben. Nur so bleibt der Bekanntheitsgrad des Billards erhalten und kann über solche Knaller-Events auch dem nicht fachkundigen Zuschauer einen mitreißenden Einblick in unseren „Spielsport“ vermitteln.

WTC 2010 Team Germany II mit Oliver Ortmann, Dominic Jentsch, John Blacklaw, Thomas Lüttich und Christian Musmann – Copyright Billardmagazin Touch
WTC 2010 Team Germany II mit Oliver Ortmann, Dominic Jentsch, John Blacklaw, Thomas Lüttich und Christian Musmann – Copyright Billardmagazin Touch

Eigentlich ist dies eine sehr gute Basis dafür, dass wir bald wieder eine German Grand Prix Serie haben könnten. Wo drückt der Schuh, dass es so was seit Langem nicht mehr gibt und wie würdest Du das organisieren?

John: Es drückt bei den Teilnehmern, weswegen die Serie vor einigen Jahren ja auch abgesetzt wurde. Es ist halt schwierig, eine Serie die ganze Saison zu befeuern, die von dem wenigen Geld und den zusätzlich zu verdienenden Punkten für die DM leben musste. Vor allem im zweiten Teil der Saison, wenn zahlreiche eingangs der Saison noch hoch motivierte Teilnehmer aufgrund der unzufriedenstellenden persönlichen Ergebnissen der ersten Turniere keine Chance mehr sehen, die heiß begehrten Punkte für die Quali zur nationalen Meisterschaft einzufahren. Dann wird noch die Kohle durchgerechnet (….rentiert sich nur, wenn ich  bei 128 Teilnehmern mindestens Fünfter werde….dafür soll ich aus Westfalen, Bremen oder aus Schleswig-Holstein nach z. B. Stuttgart fahren …? Lass mich kurz überlegen……..Nein!)
Ich habe mich bezüglich der Organisation mit einer solchen Serie gedanklich noch nicht befasst, daher kommt jetzt auch von mir nicht ein „Eureka“, aber was ich schade finde, ist der Umstand, dass ich schon in den vergangenen 2 Spielzeiten vor der Saison von tollen neuen  (aber natürlich noch geheimen) Konzepten einer Turnierserie des Dachverbands, die kurz vor der Vollendung und Durchsetzung stehen, gehört hatte (von den Initiatoren selber, nicht über das böse, böse, BA-Forum oder andere zwielichtige Kanäle) ….diese bis heute aber noch nicht am Markt präsentiert worden sind. Lieber etwas probieren und im zweiten Jahr nachbessern oder die Sache in andere Hände geben…oder, oder, oder…..vielleicht auch mit dem Projekt auf die Fresse fliegen….  Aber definitiv etwas anbieten!

Welche internationalen Turniere verfolgst Du? Wo würdest Du gerne mal teilnehmen?

John: Ich verfolge sehr wenige, wenn dann meist Übertragungen von Turnieren aus den USA. Ich sehe unheimlich gerne Shane beim Spielen zu, da er die beste Mischung aus allem darstellt. Ein gigantisches Break (wohl das beste der Welt), eine hohe Kreativität und vor allem den Spaß am Spiel gepaart mit absoluter Konsequenz und unbedingtem Siegeswillen, der ihn vor allen anderen auszeichnet und weswegen er seit Jahren „Top of the Money List“ ist.
Turniere, die ich noch nicht gespielt habe und an denen ich gerne mal teilnehmen würde, fallen mir nicht ein. Mich reizt eine WM auch nicht so wirklich, ebenso wenig irgendwelche Events in Asien oder USA. Im Traum nehme ich manchmal am Mosconi Cup teil, aber immer wenn ich dort auf die finale 9 zum Team-Sieg für Europa ansetze …klingelt der Wecker!

Es gibt mittlerweile Turniere im 8 Ball, 9 Ball, 10 Ball, 14.1, One Pocket, Bank Pool und Bonus Ball! Findest Du nicht auch das man es ein wenig übertreibt in der internationalen Pool Billard Szene?

John: Jedes dieser Spiele hat seine Berechtigung und seinen Dunstkreis, in dem es super funktioniert. 14-1 beispielsweise ist nur in einigen Teilen Europas beliebt, dann noch hier oder da bei vielen älteren Spielern in den USA und bei einigen Cracks, die alle Disziplinen lieben …aber sonst wird es auch schon eng. Bank Pool fast ausschließlich in den USA, ebenso One-Pocket (ein geiles Spiel!) und Bonus Ball. Letzteres sehe ich maximal noch eine Saison überleben…würde mich aber gerne täuschen. Dazu die in aller Welt stattfindenden 9- und 10-Ball Turniere und noch ein wenig 8-Ball für die Statistik und die Meisterschaften……….das ist schon eine zahlreiche Vielfalt an Disziplinen, deren parallele Vermarktung sicherlich das Gesamtkonstrukt nicht unbedingt glänzender erscheinen lassen. Eine Art Kontraktion auf die Kerndisziplinen, Events und die dafür adäquaten Märkte ist hier sicherlich die Marschroute, die ja teilweise auch schon in den letzten Jahren zu einem Umdenken geführt hat. Die Reise geht ganz klar nach Asien.

Die Leute verbringen enorm viel Zeit damit über Ihr Spielmaterial zu diskutieren. Besonders gerne wird über geringen Versatz bei den Oberteilen eines Pool Billard Queues diskutiert und gefachsimpelt. Ist das auch ein Thema für Dich und was sagst Du diesen Leuten?

John: Eines meiner Lieblingsthemen. Wenn sich viele Leute eher um die Entwicklung ihres Stoßes und weniger um das Vertuschen ihrer motorischen Defizite mittels meist zweitklassigen Materials kümmern würden, hätten wir noch mehr gute Spieler……..andererseits natürlich eine weniger gut florierende Billardindustrie, die weniger Pressholz zum Preis von Gold verkaufen könnte.  Die größte Abweichung findet im Kopf statt, dann folgt der Arm und das wenigste ist über irgendein Holz zu kompensieren, welches am oberen Ende des Queues angebracht ist.

Gib einem Anfänger der Dich anspricht doch mal einen Rat zum Thema Spielmaterial und sage ihm, wie er sein Training gestalten sollte!

John: Einen Rat für einen Anfänger bezüglich Spielmaterials … hmmmm.
Erster Impuls wäre „Kauf Dir einen Fußball, da kannst Du wenigstens etwas verdienen, falls Du gut darin bist“ 🙂
Nee, mal im Ernst: Am Anfang nicht zu viel Geld ausgeben und vor allem nicht auf zu viele Berater hören, sondern erst die Grundtechnik trainieren und einen eigenen Stil entwickeln. An diesen Stil wird dann später das Material angepasst …nicht umgekehrt. Im Training (und ich meine wirklich Training, nicht Sätze gegen andere an einem Trainingsabend) nicht mehr als 60, höchstens 75- 90 Minuten investieren, da die Konzentration nicht über diesen Zeitraum hinaus von einem Anfänger (und auch den meisten Fortgeschrittenen) gehalten werden kann. Dann ruhig noch „just-for-fun“ ein wenig mit/gegen Andere spielen, da nur über die Geselligkeit der Spaß erhalten bleiben wird. Regelmäßig, aber nicht übermäßig trainieren …

John Blacklaw
John Blacklaw

Wieso ist es oft so schwer den Sprung in die absolute Weltklasse zu schaffen? Scheinbar ist der Unterschied von einem deutschen Topspieler zu einem Weltklassespieler dann doch größer als gedacht!

John: Ohne sich voll auf dieses Leben einzulassen und darauf zu fokussieren, ist es schlichtweg unmöglich. Weltklasse dauerhaft spielen zu wollen heißt Profi zu werden und auch sonstige Lebensumstände wie Familie, Freunde, Hobbys diesem Projekt hinten anzustellen. Das Risiko ist immens, da der Markt klein, die Konkurrenz aber riesig ist. Letztendlich ist der Topf am Ende des Regenbogens nicht lukrativ genug, um einen guten Job oder ein geregeltes Leben aufzugeben und all seine Energie auf dieses Ziel zu bündeln.

Für mich bist Du ein Spieler mit einer sehr starken Körpersprache am Tisch. Wie wichtig ist in Deinen Augen die Körpersprache bzw. Ausstrahlung eines Pool Spielers?

John: Mit der Körpersprache steuerst Du vieles aktiv, was die Basistechnik optimalerweise unterstützt und machst auch sicherlich immer einen bestimmten Eindruck auf den Gegner, sowohl positiv als auch negativ. Wenn Du mit breitem Kreuz und leicht angespanntem Körper am Tisch stehst, überzeugst Du Dein Inneres sicherlich stärker von Deiner eigenen Kompetenz als mit hängenden Schultern und dem ständigen „ich habe aber heute wirklich ein nie da gewesenes Pech“ in Deinem Kopf. Ich zeige gerne mal beim Spiel durch Mimik oder auch mal via eines flotten Spruchs, wie es gerade in mir aussieht, und komme damit auch gut zurecht bzw. kann mich schnell wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Ich versuche einfach zu suggerieren, dass ich weiß, was ich dort tue. ….auch wenn es gerade nicht so ist.
Streng nach dem Motto: „If you can´t convince, confuse!

Was würdest Du einem jungen aufstrebenden Talent raten, wenn er Dir sagt, dass er Pool Billard Profi werden möchte?

John: Überleg es Dir genau. Frage viele Leute, die diesen Weg schon beschritten haben, was sie richtig und vor allem was sie auf Ihrem Weg falsch gemacht haben. Suche Unterstützung von Deiner Familie und finde einen gesunden Mittelweg, über den Du Dir sowohl im Vorfeld als auch begleitend immer Gedanken machen solltest.  Theorie und Praxis werden oft stark voneinander abweichen …setze Dich damit vorher schon auseinander, sei bereit!
Suche Dir einen Trainer, der zu Dir passt …der muss nicht mit dem Marktführer identisch sein, sondern nur das Beste aus genau Dir rausholen können.
Und der wichtigste Rat: Höre nicht auf den Rat von anderen Billard-Spielern wie mir! 🙂

Wenn man sich die besten Spieler der Welt anschaut, wird schnell deutlich das der größte Unterschied im taktischen Spiel zu finden ist. Ich bin der Meinung das auf dem Gebiet der Resaves und dem Vorbandenspiel für die meisten noch viel zu lernen ist. Siehst Du das ähnlich und trainierst Du das taktische Spiel mit speziellen Übungen?

John: Der Schwierigkeitsgrad des puren Lochens der Kugeln ist sicherlich überschaubar, insofern bin ich voll bei Deiner taktischen These. Das Wissen über Banden- und Vorbandensystem ist definitiv unverzichtbar und wird auf Weltklasseniveau sicherlich zum Zünglein an der Waage. Hier gilt es rechtzeitig, diese Elemente ins Training einzubauen, um ein möglichst breites und solides Fundament zu konstruieren. Wird aber viel zu selten gemacht, was zu vielen „Schießern“, aber wenig guten taktischen Spielern bei den noch jüngeren Protagonisten oder sonstigen Anfängern führt.
Ein Efren Reyes, der wohl zweifellos beste Pool-Spieler aller Zeiten, ist taktisch und in puncto Spielkonstruktion eine absolute Augenweide. Noch stärker als bei den gängigen Break-Disziplinen wird das bei One-Pocket oder auch beim Rotation sichtbar, wo er mehr als ein Jahrzehnt lang alle anderen in Fetzen geschossen hat. Wer taktisch oft die richtigen Entscheidungen trifft, wobei eine taktisch korrekte Entscheidung situativ auch durchaus der bedingungslose Angriff sein kann, ist langfristig erfolgreicher. Läufe hat jeder Top-Spieler, aber leider hören diese irgendwann auf. Kontinuität und Konsequenz bringt den langfristigen Erfolg.
Ich habe so einige Übungen, mit denen ich das Erkennen der möglichen (Aus-) Wege forciere, Safes auf alle Situationen spiele (egal wie die Kugeln liegen), oder einfach auch mal Dreiband auf dem Pool Billard Tisch mit 2 oder 3 Kugeln, um die Laufbahnen der Kugeln zu visualisieren.

Wir basteln uns den perfekten Pool Billard Bundesligaspieler, der in der abgelaufenen Saison in der 1. oder 2. Bundesliga gespielt hat 🙂 In den folgenden Bereichen nennst Du mir bitte Deine Favoriten:

John:

  • Mentale Stärke:  Ralf Souquet / Niels Feijen
  • Kreativität:  René Schaerf
  • Ausstrahlung:  Niels Feijen
  • Break:  Lars Kuckherm / Jörn Kaplan
  • Stoß:  Da kann es nur einen geben : Andreas Roschkowsky

Ich geb Dir ein paar Worte/Namen/Begrifflichkeiten/Aussagen vor und Du sagst mir, was Dir spontan dazu einfällt.

  • Pool Billard Bundesliga im Fernsehen!  John: Im nächsten Leben!
  • Die Eurotour!  John: Eine gute Organisation, so machen es die Profis.
  • „Es kann nur einen geben!“ John: …..oder eine…..
  • Shot Clock! John: Sicherlich kontrovers, aber ich fände/finde es gut (außer direkt nach dem Break)
  • PBC Lingen! John: Meine Heimat seit 4 Jahren und wohl auch hoffentlich meine letzte Station im Team-Wettbewerb. Hoffe wir bleiben noch ein paar Jahre zusammen …
  • 8 Ball ist zu einfach!  John: Wer das behauptet, hat von dem Spiel keine Ahnung.

Und zu guter Letzt bitte ein Statement zu Sixpockets.de!

John: Ein super Engagement, welches Du dem Sport mit Deinem Projekt zugute bringst. Die Aktualität und der ansprechende optische Aufbau machen die Website für mich zu einer regelmäßigen Anlaufstelle für sonst nur schwer zugängliche Informationen. Es gibt derzeit kein vergleichbares Portal in Deutschland, wenn es um das gesamte Spektrum der weltweit stattfindenden Events geht. Ich wünsche Dir dabei weiterhin viel Erfolg und soviel Muße, wie Du bisher auch schon in die Sache reingesteckt hast. Großes Lob im Namen von ganz Billard – Deutschland!

John, ich bedanke mich bei Dir für dieses sehr ausführliche Interview und wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und vielleicht treffen wir in der nächsten Spielzeit ja mal aufeinander 🙂 Falls jemand Kontakt zu John Blacklaw aufnehmen möchte, so klappt das am besten über das Billard Aktuell Forum. Er ist dort unter dem Namen „Highlander“ zu finden. Und natürlich wird hier in den Kommentaren auf jegliches Feedback reagiert 😉

 

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