Interview mit André Lackner: Der Deutsche Meister im 14.1 spricht kurz vor der DM mit sixpockets.de über die Mission Titelverteidigung

sixpockets.de: Hi André, zunächst einmal vielen Dank, dass du dich so kurzfristig für das erste Sixpockets-Interview der neuen Ära zur Verfügung gestellt hast. Du bist ja nun schon einige Jahre erfolgreich im Billardzirkus unterwegs. Dennoch kennt dich natürlich nicht jeder Leser genau. Erzähl uns ein wenig über dich.

André Lackner: Puh, gleich die schwierigste Frage zum Einstieg… 😉 Ich bin 27 Jahre alt, wohne im relativ ruhigen Norden Berlins, bin Vater eines 1,5 jährigen Hundes und habe meine Berufung in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen gefunden. Wobei ich den Begriff Erziehung schrecklich finde, denn ich will sie ja nicht in eine bestimmte Richtung „ziehen“, sondern ihnen helfen, ihre Stärken und Vorlieben zu finden und sich als Gesamtpaket Mensch zu entwickeln. Ich versuche mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, nachhaltig und gesund zu leben und mich ständig als Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Dafür versuche ich mich immer wieder neuen Reizen auszusetzen, um neue Erfahrungen zu machen, die mir dabei helfen können.

Die Deutsche Meisterschaft steht vor der Tür. Im Vorjahr warst du sehr erfolgreich, bist Titelverteidiger im 14.1, hast dazu Bronze im 9-Ball und zwei fünfte Plätze geholt. Was sind deine Ziele und Erwartungen für dieses Jahr?

Die Konkurrenz ist national auf einem sehr hohen Niveau und es ist schwer, Voraussagen zu treffen. Jedoch finde ich es wichtig, klare Ziele zu haben und natürlich will ich eine gute Performance auf den Tisch bringen. Wenn man die einzelnen Disziplinen betrachtet, liegt mein Fokus natürlich auf der Chance, zum dritten Mal in Folge Gold im 14.1 zu holen. Aber auch in den anderen Disziplinen will ich natürlich bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden!

Voller Fokus auf die Titelverteidigung (Foto: Markus Hofstätter)

Bereitest du dich auf die DM oder allgemein auf große Turniere speziell vor? Wie sieht der Alltag in den Tagen/Wochen davor aus?

Ich arbeite immer an meinem Spiel, egal was für ein Turnier vor der Tür steht. Bei den meisten großen Turnieren werden ganz neue Tücher bespielt und an die Spieleigenschaften gilt es sich schnellstmöglich zu gewöhnen. Hierfür nutze ich im Training Silikonspray, um die Kugeln zu polieren. Dies simuliert ganz gut die Bedingungen mit dem neuen Material. Die Intensität vor großen Turnieren wird bei mir noch ein bisschen nach oben verlagert, jedoch wird in den Tagen vorher eher gespielt als trainiert.

Du spielst dieses Jahr mit dem PBC Wedding in der 2. Bundesliga. Mit wem spielst du zusammen, wie läuft es bisher und was sind eure Ziele für die Saison?

Leider muss ich diese Frage kurz nach der heftigen, aber in der Höhe total verdienten 1:7-Pleite gegen den GVO Oldenburg beantworten. Wir sind nun mit sechs Punkten aus vier Spielen im Mittelfeld zu finden. Mit dem ehemaligen Deutschen Meister Marco Spitzky haben wir zu dieser Saison einen Hochkaräter in unser Team bekommen, der ein unfassbares Talent besitzt und jedem Gegner weh tun kann. Patrick Griess konnte in der Jugend einige Erfolge verzeichnen und ist nach einer größeren Pause auch wieder heiß an der Platte zu stehen und hat garantiert noch die Möglichkeiten sich zu steigern. Mit Justin Dolling haben wir noch einen der stärksten ehemaligen Jugendspieler Berlins in unseren Reihen, der verbissen um jeden Punkt kämpft, jedoch auch noch viel Luft nach oben hat. Zusammen sind wir dieses Jahr wahrscheinlich eine der jüngsten Mannschaften in der Bundesliga und wollen dort auch eine gute Rolle spielen.

Du hast schon einiges gewonnen und erlebt in der Billardwelt. Du bist u.a. mehrfacher Deutscher Meister, mehrfacher Berlin-Masters-Sieger und hast den 5. Platz bei der EM und dem World Tournament of 14.1 in den USA geholt. Was war für dich dein bisher größter Erfolg?

Als meinen größten Erfolg würde ich die Tatsache bezeichnen, überhaupt in der Lage zu sein „da oben“ mitzuspielen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die unzähligen Deutschen Jugendmeisterschaften, wo mir jedes Mal aufgezeigt wurde, dass mein Niveau damals nicht ausreichte, um Titelambitionen zu haben. Jedoch bin ich am Ball geblieben und habe mit sehr viel Trainingsfleiß den Anschluss an die deutsche Spitze finden können und das macht mich stolz. Einen einzelnen Erfolg kann und möchte ich da gar nicht hervorheben.

Mit dem großen Efren „Bata“ Reyes Anfang 2018 im Bata Bar & Billiards (Foto: Markus Hofstätter)

Man darf durchaus sagen, dass du zur deutschen Elite gehörst, schließlich stehst du im Kader der Nationalmannschaft. Dennoch sieht man dich selten auf größeren europäischen Turnieren wie z.B. der Eurotour. Das Zeug dazu hättest Du sicher. Hast du Ambitionen, nochmal in Richtung Profi zu gehen oder wie sehen deine Prioritäten aus?

Es ist ganz einfach so, dass meine Arbeit dies leider vom zeitlichen Umfang her nicht zulässt. In meiner Turnierplanung bin ich sehr an die Schulferienzeiten in Berlin gebunden, bin jedoch sehr dankbar, dass ich für DM, EM & WM von meinem Arbeitgeber frei bekommen habe. Vor allem bei der WM war dies nicht selbstverständlich, da ich durch eine sehr kurzfristige Ausschreibung den Schulleiter und meine Kollegen sogar in den Ferien kontaktieren musste, um ein „OK“ zu bekommen. Ich glaube schon, dass ich die Möglichkeiten habe, in Richtung Profikarriere zu gehen und möchte mich auch in den kommenden Jahren mehr auf Turnieren weltweit bewegen. Dafür muss zunächst ein Konstrukt aufgebaut werden, welches mir den finanziellen Druck nimmt und mir die Möglichkeit gibt, mich voll und ganz auf den Sport zu konzentrieren. Ich hoffe, mit meinen jetzigen Sponsoren McDermott & McBillard daran zu arbeiten.

Mit Schiedsrichter Marcel Eckhardt (links) und Gegner Ralph Eckert (rechts) beim „Straight Pool Shootout“ im Dezember 2016 (Foto: Patrick Baumann)

Wie und wann bist zu zum Billard gekommen? Gab es vielleicht ein Schlüsselerlebnis, das dich zum Billard gebracht hat? Und hast du ein Vorbild am Tisch?

2003/04 war ich nach sehr kurzweiligen Aufenthalten im Fußballverein, sowie im Tischtennisverein auf der Suche nach einem neuen Hobby. Damals ging ich noch alle zwei Wochen mit meinem Vater in ein Billardlokal und entschied mich für den Schritt, mich beim 1 .PBC Wedding anzumelden. Schnell überkam mich die Sucht nach dem täglichen Geräusch von fallenden Kugeln und ich war dem Billardsport verfallen. Vorbilder habe ich keine, jedoch schaue ich mir gerne die Stärken anderer Spieler an und versuche, daran zu wachsen.

Was zeichnet dich am Billardtisch aus? Was würdest du als deine Stärken beschreiben? Ich würde auch nach deinen Schwächen fragen, aber die darf man ja nicht verraten, oder?

Ich habe mir eine sehr gute Spielübersicht angeeignet und gehe somit Problemen ganz gerne mal aus dem Weg, bevor sie auftreten. Zudem besitze ich eine ganz gute Spielballkontrolle, die mir auch einige Baustellen erspart. Mit „Glück“ und „Unglück“ kann ich auch sehr gut umgehen. Sollte das Glück eher beim Gegner zu finden sein, steigert dies nur meinen Kampfgeist, das Ding trotzdem zu holen. Wenn ich anfangen würde, über meine Schwächen zu reden, kann dieses Interview wohl leider nicht mehr vor der DM erscheinen. Die größte Schwäche ist jedoch ganz klar im mentalen Bereich zu finden, denn manchmal übertreibe ich es sehr mit der negativen Selbstkritik an meinem Spiel. Aber ich arbeite dran!

Wie siehst du die Entwicklung des Billardsports in Deutschland und allgemein? In den letzten Jahren hat sich einiges getan, aber Billard bleibt doch eine Randsportart, der immer noch hier und da das „Kneipen-Image“ anheftet. Was kann man tun, um den Sport zu fördern?

Zunächst einmal ist es sehr bemerkenswert, wie die deutsche Turnierlandschaft sich in den letzten Jahren entwickelt hat, wobei diese leider jetzt zumindest bei den größeren Turnieren wieder etwas reduziert wurde. Wir haben in Billard-Deutschland ganz viele kluge Köpfe, die mit guten Ideen neue Turniere entwickelt haben. Da Billard für Sponsoren weitestgehend unattraktiv ist, ist es für mich von zentraler Wichtigkeit, dass zumindest die größten Organisatoren an einem Strang ziehen und sich auch gegenseitig unterstützen bei den Turnierplanungen. Als Spieler habe ich jedoch das Gefühl, dass zu viel negative, statt konstruktive Kritik vorherrscht, bis einem der „Köpfe“ die Lust daran vergeht, seine Freizeit für diesen Sport zu opfern und sich somit wieder nichts voran bewegt. Ich würde den Schritt empfehlen, Größen und Persönlichkeiten der deutschen Poollandschaft wie zum Beispiel Ralph Eckert, Ralf Souquet oder Oliver Ortmann mehr einzubinden, weil sie durch ihre langjährige Erfahrung vielleicht die eine oder andere Idee oder auch Kontakte zu Sponsoren mehr besitzen.

Im Januar 2018 bei der Efren-Farewell-Tour im Bata Bar & Billiards (v.l.n.r.: Patrick Baumann, Francisco Bustamante, André Lackner, Efren Reyes, Sandro Zschunke, Veronika Ivanovskaia, Earl Strickland, Michael Heydeck) (Foto: Markus Hofstätter)

Es heißt oft, ab einem gewissen Niveau wäre das Spiel zu leicht. Jeder Profi kann mehrere Partien 8-, 9- und 10-Ball ausmachen oder eine 100er-Serie im 14.1 spielen. Sollte man das Spiel schwerer machen? Glaubst du, das sich andere, anspruchsvollere Varianten wie z.B. Chinese 8-Ball durchsetzen werden?

Eine ganz schwierige Frage. In gewisser Weise macht die „Leichtigkeit“ des Spiels auch den Reiz von Poolbillard aus, denn auf gutem Niveau kann jeder Fehler entscheidend sein. Als Spieler versuche ich, Neuerungen immer offen gegenüber zu stehen. Chinese 8-Ball finde ich sehr spannend, da der Mix aus Taktik und Genauigkeit sehr wichtig ist. Vielleicht hat dies ja Zukunft, aber für Prognosen bin ich vielleicht auch nicht der richtige Experte, da mir doch noch einige Erfahrungen fehlen.

Die klassische Materialfrage muss natürlich auch sein. What‘s in your case? Welchen Queues und welcher zusätzlichen Ausrüstung vertraust du?

Bei meinem Spielmaterial vertraue ich ganz meinen Sponsoren McDermott und McBillard. Mein Spieloberteil ist ein I-Pro Slim Shaft, welches für mich einen sehr guten Mix aus den Eigenschaften der Entwicklung mit Karbon bietet, jedoch dabei noch viel Spielgefühl zulässt. Mein Stinger Break/Jumpqueue und ein Lucky Jumpqueue (der Name passt natürlich fantastisch) runden meine McDermott-Sammlung ab. Trotz einiger Versuche mit den neuartigen Kreiden bin ich weiterhin mit der Blue Diamond sehr zufrieden und gespielt wird ganzjährig mit einem Molinari-Handschuh.

Jetzt haben wir so viel über dich beim Billard gehört. Was machst du sonst gerne, wenn du mal nicht am Tisch stehst? Betreibst du einen bestimmten Ausgleichssport?

Als Hundepapa bin ich sehr gerne in der Natur unterwegs, um auch mal dem Trubel Berlins zu entgehen. Ansonsten finde ich es sehr wichtig immer neue Sachen auszuprobieren und damit neue Reize im Leben zu setzen. Ich habe vor zwei Wochen begonnen, mich auf einen Marathon vorzubereiten, der Ende April stattfindet. Zudem liebe ich alle Sportarten, wo Bälle und/oder Schläger auftauchen. Bouldern finde ich sehr spannend, weil dort der gesamte Körper gefordert ist und man am nächsten Morgen Stellen am Körper spürt, wo man vorher nicht mal wusste, dass dort eine Stelle ist. Bewegung bestimmt mein Leben.

Zum Abschluss geht‘s nochmal tief ins Nähkästchen. Was war dein schönster Moment als Billardspieler? Und gibt es vielleicht auch einen peinlichen oder denkwürdigen Moment, über den du im Nachhinein schmunzeln musst?

Nach einigem Nachdenken… U21 Snookerweltmeisterschaft in Montreal 2011. Ich musste gegen den Nordiren Declan Brennan antreten und hatte damals die Angewohnheit, mich eine Stunde vor jedem Match nochmal kalt abzuduschen. So stand ich nun im Zimmer, bereit die Dusche zu betreten, da klingelte das Zimmertelefon. Leicht irritiert nahm ich den Hörer in die Hand und der Turnierdirektor war am anderen Ende der Leitung. Er fragte, wo ich denn bleibe, alle warten auf mich. Scheinbar hat mich die Zeitumstellung leicht überfordert. Zum meinem Glück befand sich die Spiellocation in dem Spielerhotel und der Weg war nicht allzu weit. Im Fahrstuhl noch schnell halbwegs passend angezogen, bloß das Anbringen der Fliege war in der Hektik eine zu große Hürde für mich. Es war schon ein besonderer Moment, halb angezogen den Spielbereich zu betreten, wo alle Spieler und Schiedsrichter auf mich warteten. Die Fliege brachte dann dankenswerterweise mein Schiedsrichter an. Über den Ausgang des darauffolgenden Matches möchte ich an dieser Stelle nichts berichten…

André, wir bedanken uns ganz herzlich bei dir für dieses ebenso spontane wie ausführliche Interview und wünschen dir für die anstehende Deutsche Meisterschaft und und deine weitere Billardkarriere viel Erfolg und alles Gute!

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