Europa unter Druck

Ein dramatischer Abend wartete auf die Gäste am Mittwochabend im Alexandra Palace am zweiten Abend des Partypoker Mosconi Cups mit fünf weiteren Matches. Am Ende gewann das Team USA die Session erneut mit 3:2 und hat nun das von den meisten für unmöglich gehaltene Ziel in Sichtweite: den Gewinn des ersten Mosconi Cups seit 2009.

Match 6        Jayson Shaw 5 – 2 Shane van Boening

Match 7        Feijen & Kazakis 3 – 5 Woodward & Van Boening

Match 8        Albin Ouschan 5 – 3 Corey Deuel

Match 9        Kaci & Shaw 2 – 5 Thorpe & Styer

Match 10      Eklent Kaci 3 – 5 Billy Thorpe

USA-Kapitän Johan Ruijsink: „Nach dem ersten Spiel haben wir gezeigt, dass wir ein Team sind, als wir sofort den nächsten Punkt holten und wieder in Führung gingen. Es war ein aufreibender Tag, denn es war wichtig, dass wir auch den zweiten Tage gewinnen. Ich weiß, dass viele Leute das zu Beginn nicht gedacht hätten, aber wir haben jetzt tatsächlich die Chance, den Mosconi Cup zu gewinnen. So wichtig war es. Uns ist es egal, was sie tun, uns ist egal, was das Publikum tut, wir kümmern uns um niemanden, wir kümmern uns nur um uns selbst“, fügte er hinzu.

Mit mehr als 2.000 Zuschauern war die Atmosphäre für Pool-Billard wieder einzigartig. In einem Adrenalin- oder eher Testosteron-geschwängerten Eröffnungsmatch revanchierte Jayson Shaw sich für seine 0-5-Niederlage gegen Shane Van Boening am Vorabend mit einem bärenstarken 5:2-Sieg gegen den Amerikaner. Immer wieder heizte Shaw das Publikum mit provokanten Gesten auf, Stimmung zu machen. Dieser Aufforderung kam das Publikum gerne nach, und nach der letzten Neun kochte die Stimmung, als Europa auf 3-3 gleichzog.

Doch Van Boening hatte sich schnell von der Niederlage erholt, als er im nächsten Spiel in Begleitung von Skyler Woodward zurückkehrte, um einen wichtigen Sieg über Niels Feijen und Alex Kazakis zu erringen. Nach einem frühen Rückstand von 1:3 sah es für das US-Doppel zunächst nicht gut aus, bis sie nach und nach aufholten, während Feijen und Kazakis die Luft ausging.

Damit war die Ein-Punkte-Führung der Amerikaner wiederhergestellt, die immer wieder lautstark von ihrer kleinen Gruppe mitgereister Fans angefeuert wurden. Diese haben zwar keine Chance gegen die „Eeeeuuuuuurope!“-Rufe aus 2000 vornehmlich britischen Kehlen, doch stehen sie ihnen in Sachen Leidenschaft und Engagement in nichts nach. Ruhiger wurde es in der amerikanischen Ecke allerdings, als  der Österreicher Albin Ouschan mit einer abgeklärte Leistung den Veteranen Corey Deuel mit 5:3 schlug und die europäischen Fans gesangstechnisch wieder in die Spur brachte. Der österreichische Star kommentierte: „Ich fühlte mich wirklich gut. Jason riss mich im vorherigen Match gegen Shane so mit, dass ich mich wirklich gut fühlte und bereit war. Ich könnte nie machen, was Jayson [am Tisch] macht. Ihm gibt dieses Verhalten zusätzliche Kraft, mir gibt es zusätzlichen Druck. Ich bleibe lieber eiskalt.“

Der Gleichstand hielt nicht lange, da der US-Youngster Tyler Styer zusammen mit Billy Thorpe gegen Klenti Kaci und Jayson Shaw dominierte und die USA erneut mit 5-4 in Führung brachte. Kaci war ein Nervenbündel und machte einige vielsagende Fehler, während sein Mitdebütant Styer so cool war wie bei seinem Einzelsieg gegen Niels Feijen am Vortag. Es machte fast den Eindruck, als würde das aufreizende Verhalten des heißblütigen Schotten Shaw im eigenen Team eher für Verunsicherung als für Antrieb sorgen. Der 23-jährige Styer aus dem US-Bundesstaat Wisconsin hingegen war die Ruhe selbst, coachte seinen Partner sogar in einigen kniffligen Situationen, sodass das US-Duo verdient den Punkt für die USA holte.

Vor dem letzten Match des Abends war die Frage nun: Würden die Amerikaner mit einer 2-Punkte-Führung ins Hotel fahren oder könnte Europa den Gesamtstand bei 5-5 egalisieren? Zwei der Spieler aus dem letzten Match konnten gleich am Tisch bleiben, Billy Thorpe gegen Klenti Kaci hieß die Paarung. Während der junge Thorpe mit bereits einem Mosconi-Cup-Einsatz dem Druck standhielt, bekam Kaci auch im Einzel seine Nerven nicht vollends unter Kontrolle und baute zwei Fehler zu viel in sein Spiel ein. Zwar ließ Kaci, besonders in einem spektakulären Spiel zum 3:4, sein Können aufblitzen, dass ihn in 2018 zum Weltranglisten-Ersten gemacht hatte, doch reichte das nicht, um Thorpe Paroli zu bieten. Dieser spielte entschlossen und dominant und gewann den Satz schließlich mit 5:3. Mit einem erleichterten Urschrei machte er der Anspannung Luft und feierte ausgelassen mit seinem Team und den US-Fans, während sich die meisten europäischen Fans schon auf den Heimweg machten.

Der europäische Kapitän Marcus Chamat sagte: „Es gab heute viele enge Spiele, und leider haben wir einige verloren, so dass wir vor Tag Drei jetzt zwei Tage hintereinander verloren haben. Wir haben heute ein paar Fehler gemacht, kein Zweifel. Und das ist Teil des Spiels – wenn man Fehler macht, bezahlt man dafür. Morgen ist ein anderer Tag. Jetzt müssen wir jedes Spiel gewinnen und wir werden das versuchen, sonst wären wir nicht hier. “

Der Mosconi Cup wird am Donnerstag um 19.30 Uhr deutscher Zeit fortgesetzt.

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