Sensation perfekt: Die USA gewinnen den Mosconi Cup 2018

Zum ersten Mal seit acht Jahren wechselt der Mosconi Cup den Besitzer, nachdem das Team USA in einem dramatischen Finale am gestrigen Abend im Alexandra Palace in London Europa mit 11-9 bezwang. Das letzte Mal hatten sie den Cup 2009 geholt. Es war derselbe Spieler wie seinerzeit – Shane Van Boening -, der die letzte 9 mit einer 3/9-Kombination versenkte, um den Griechen Alexander Kazakis zu schlagen und den Cup für die Nordamerikaner zu gewinnen.

© JP Parmentier – Matchroom Multi Sport 2018

Match 16 Albin Ouschan 4 – 5 Skyler Woodward
Match 17 Jayson Shaw 5 – 3 Tyler Styer
Match 18 Niels Feijen 5 – 1 Corey Deuel
Match 19 Eklent Kaci 5 – 2 Billy Thorpe
Match 20 Alex Kazakis 3 – 5 Shane van Boening

Für Van Boening war es erst sein zweiter Sieg beim Mosconi Cup in zwölf Versuchen. Zu seinem letzten Stoß sagte er: „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Druck gespürt! Es war ein wilder Ball. All die Jahre haben wir gekämpft und jetzt endlich gewonnen. Ich bin so stolz auf diese Jungs und all die Fans da draußen.“ Und weiter: „Es bedeutet mir viel. Wir haben hart gearbeitet, ich habe viel von diesen Jungs gelernt und bin ein besserer Spieler geworden. Wir verstehen uns und respektieren einander und das andere Team. Diese Dinge sind wichtig und deshalb haben wir gewonnen.“

Die Amerikaner hatten bereits mit 9-6 vor dem Finaltag geführt, nachdem sie die drei Sessions der Vortage jeweils mit 3-2 Spielen gewonnen hatten – das erste Mal seit 2005. Der Kapitän des Teams Europa, Marcus Chamat, musste dafür sorgen, dass sein Team gleich punkten würde, und stellte den bisher dahin besten Europäer, den Österreicher Albin Ouschan, als erstes auf. Dieser traf auf den US-Amerikaner Skyler Woodward, der nach einem katastrophalen Mosconi Cup 2017 in diesem Jahr die beste Leistung bei den Amerikanern gezeigt hatte. Die Partie sollte zu einer der hochklassigsten werden, die der Mosconi Cup je gesehen hatte; zu erkennen daran, dass Ouschan mit vier An-Aus-Partien bei fünf Breaks das Match mit 5:4 verlor. Sein einziger Fehler war Pech beim letzten Anstoß, als er keinen Einsteiger auf den ersten Ball vorfand und mit einem Push-Out aussteigen musste. Nach einigen Sicherheiten auf die Eins jumpte Woodward die Eins ein und räumte den Tisch unter dem Jubel seiner Kameraden sauber ab. Die Strategie des US-Coaches Johan Ruijsink, ebenfalls seinen besten Mann als Erstes einzusetzen, hatte sich ausgezahlt. Europa stand nun bereits früh mit dem Rücken an der Wand und durfte beim Stand von 6-10 kein einziges Match mehr verlieren.

Jayson Shaw, der am Vortag noch gewackelt hatte, konnte Europa zunächst am Leben halten, indem er den US-Rookie Tyler Styer mit 5-3 besiegte. Hatte Styer an den Vortagen mit seiner herausragenden Technik und Ruhe alle überrascht, war im Finale der Druck zu hoch und er leistete sich zu viele Fehler, die Shaw gnadenlos nutzte. Kein hundertprozentig souveränder Sieg von Shaw, doch das interessierte in der nun kochenden Arena im „Ally Pally“ niemanden mehr.

Im nächsten Match stand für Europa Niels Feijen im Ring, der an den Vortagen ebenfalls nicht den stabilsten Eindruck hinterlassen hatte. Doch mit zwölf Einsätzen beim Mosconi Cup wusste er genau, worauf es ankam, und besiegte den vermutlich schwächsten Amerikaner Corey Deuel klar mit 5:1.

Aus Sicht der Europäer stand es nun nur noch 8-10 und sie und die rund 2000 europäischen Fans im Saal witterten Morgenluft. Und es kam noch besser. Der erst 19-jährige Albaner Klenti Kaci konnte endlich zeigen, warum er zurecht die Nr. 1 der Welt ist. Mit einer blitzsauberen Vorstellung schlug er den Amerikaner Billy Thorpe mit 5:2 und brachte die Europäer bis auf einen Punkt an die USA heran. Würde es wirklich zum Ausgleich und einem entscheidenden letzten Match kommen?

Shane van Boening und sein Team hatten natürlich etwas dagegen. Van Boening, der zwischen Genie und Totalausfall schon alles beim Mosconi Cup gezeigt hat, stand dem bei diesem Mosconi Cup schwächsten Europäer entgegen. Doch Kazakis war nicht zufällig ins Team gerutscht, sondern hatte sich als Nachrücker über die Europa-Rangliste qualifiziert, nachdem der Österreicher Mario He kurz zuvor seine Teilnahme wegen einer Doping-Untersuchung zurückgezogen hatte. Alex Kazakis ist ohne Zweifel ein Topspieler. Würde er dem immensen Druck standhalten können?

Er konnte es nicht. Zwei Fehler zu viel verschafften einem solide spielenden Van Boening ausreichend Möglichkeiten, um den Satz recht deutlich mit 5:3 zu beenden. Mit einer 3/9-Kombination beendete er die letzte Partie vorzeitig und feierte danach mit seinem Team ausgelassen die Sensation.

Skyler Woodward, der zurecht zum MVP gekürt wurde, sagte: „Ich bin unendlich froh, dass wir gewonnen haben! Es fühlt sich toll an, dem Team beim Sieg zu helfen. Wenn einer großartig spielt, spielen wir alle großartig, und wir hätten es nicht ohne einander gewinnen können.“ Auf die Frage, was in diesem Jahr anders als im letzten Jahr gewesen war, sagte er: „Schlechter als letztes Jahr konnte ich nicht spielen. Johan [US-Coach Ruijsink] hat mir in den letzten sechs Monaten enorm geholfen, meinen Stoß zu verbessern. Und ich habe meine Einstellung verändert, habe aufgehört zu trinken und mehr trainiert.“ Dann fügte er schmunzelnd unter dem Gelächter der anwesenden Journalisten hinzu: „Heute Abend genehmige ich mir aber das eine oder andere Bier. Und dann trete ich zurück.“

Schließlich fügte Johan Ruijsink, der zuvor sieben Jahre lang Kapitän für Europa war, hinzu: „Es war ganz anders als die Arbeit mit Europa und mehr als harte Arbeit. Am letzten Tag haben sie [die Europäer] hart gekämpft. Wir haben ein halbes Jahr lang gearbeitet. Jeder hat eine Menge Opfer gebracht und das ist unglaublich. Wir sind ein Team, wir sind engagiert und arbeiten hart.“ Zur Aufstellung des letzten Tages sagte er: „Wir hatten eine Aufstellung für den letzten Tag mit einem Top-Spieler als Anker vorne und einem als Anker hinten und alles andere dazwischen wäre ein Bonus. Ich freue mich so sehr für Shane, dass er den Cup mit dieser tollen Kombination gewonnen hat.“ Über seinen Co-Kapitän Jeremy Jones (USA): „Jeremy Jones hat dieses praktische Billardwissen, diese Erfahrung, und er ist ein echter Charakter. Ich habe mich mehr auf das Verhalten der Spieler konzentriert, auf die Körpersprache, während er auf den Tisch schaut und auf die Stöße und die Technik der Spieler. Ich kann nicht genug betonen, wie viel er dem Team mit seiner Arbeit und seinem Wissen und seiner Leidenschaft für Pool-Billard gegeben hat.“

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*