Lars Kuckherm im Interview: Der frischgebackene Berlin-Masters-Champion spricht mit sixpockets.de über Erfolge, Ziele und Ideen

Sixpockets.de: Hi Lars, erstmal vielen Dank, dass du dich so spontan für dieses Sixpockets-Interview zur Verfügung gestellt hast. Natürlich war dein Triumph beim Berlin Masters am Pfingstwochenende der perfekte Anlass für uns, um dich hier mal zu Wort kommen zu lassen. Nochmals herzlichen Glückwunsch, wir kommen gleich noch auf das Turnier zu sprechen. Stell dich doch zunächst mal kurz vor und erzähl uns ein bisschen was über dich.

Lars Kuckherm: Ich bin 26 Jahre alt und komme aus dem sehr schönen Münster. Vor vier Jahren habe ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und arbeitete nun als Einkäufer. Zusätzlich zu meinen Job besuche ich seit einem Jahr 2x wöchentlich die IHK in Münster, um den Abschluss des geprüften Wirtschaftsfachwirts zu erlangen (Dauer zwei Jahre). Seit dem 12. Lebensjahr spiele ich Billard. Zu Beginn war ich sehr schlecht, doch mit sehr viel Ehrgeiz und Trainingsfleiß habe ich relativ früh Erfolge im Jugendbereich gefeiert und so hat der ganze Spaß seinen Lauf genommen. Neben dem Billard gehe ich noch ab und zu in das Fitnessstudio.

Du bist ja nun schon ein ganzes Jahrzehnt in der Eliteklasse des Poolbillards unterwegs und hast einiges erlebt und gewonnen. Wie ordnest du den Sieg beim Berlin Masters für dich persönlich ein?

Der Sieg beim Berlin Masters ist natürlich ein großer Erfolg, denn ein Turnier mit 160 Teilnehmern zu gewinnen ist immer sehr schwer. Das hat die Vergangenheit auch bei mir gezeigt hat, denn der letzte „große“ Turniersieg ist bereits eine Weile her. Mit meiner Leistung bin ich teilweise unzufrieden, weil ich vor allem in den Matches gegen die beiden Polen Wojciech Sroczyński und Wojciech Szewczyk leichte und vermeidbare Fehler gemacht habe, die mich normalerweise das Match kosten. Diesmal hatte ich das entscheidende Quäntchen Glück, das man dann aber für einen Turniersieg braucht. Fakt ist aber auch, dass ich in den entscheidenden Situationen stets meine Leistung abrufen konnte, was im Endeffekt entscheidend ist. Ich habe leistungsbezogen schon bessere Turniere gespielt, wie z.B. das Berlin Masters 2018, jedoch hat es da einfach nicht gereicht, weil man selbst die entscheidenden Fehler gemacht hat oder man einfach nicht den passenden „Lauf“ hatte.

Voll fokussiert am TV-Table beim Berlin Masters (Foto: Berlin Masters)

Es war nicht deine erste Masters-Teilnahme. Im Vorjahr hast du es in Berlin auch bereits bis ins Halbfinale geschafft. Offenbar liegt dir das Turnier, oder? Was hältst du von dem Multiball-Modus aus 8-, 9- und 10-Ball, der beim Berlin Masters in der Endrunde traditionell gespielt wird und bereitest du dich darauf im Training vor?

Bis jetzt liegt mir das Turnier sehr, das stimmt. Und das liegt vor allem an meiner guten Leistung. Ich komme mit Multiball sehr gut zurecht und habe es beim Berlin Masters 2018 zum ersten Mal gespielt. Ich bereite mich gar nicht darauf vor bzw. nicht speziell, da mein Break im 8-Ball und 10-Ball Break für mich sehr verlässlich ist und ich mit dem Break im 9-Ball gut zurecht komme.

Du spielst seit Jahren regelmäßig mit dem BC Oberhausen in der ersten Bundesliga und behauptest dich gegen die europäischen Topstars. In der letzten Saison warst du statistisch die Nummer drei in der gesamten Liga. Man sieht dich aber eher selten auf größeren Events wie z.B. der Eurotour. Wie kommt’s?

Das liegt an mehreren Faktoren. Zu einem sind die Turniere im Ausland sehr kostspielig. Eine ganze Eurotour-Saison zu spielen ist für mich sehr teuer. Für eine einzelne Eurotour lohnt es sich nicht wirklich. Zusätzlich muss ich fast den ganzen oder zu mindestens die Hälfte meines Urlaubs investieren, was mir bis jetzt zu viel „WAR ;)“. Aber die Eurotour ist ja nicht das einzige große Event. Vor drei Jahren hatte ich für die größeren Events rund anderthalb Jahre Pause eingelegt, weil ich nicht mehr der „Hunger“ und den „Biss“ hatte, diese mitzuspielen. Jetzt bin ich wieder zurück und möchte die großen Events spielen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Es ist kein Geheimnis, dass das Geschäft mehr als hart ist und nur wenige Athleten wirklich vom
Billard leben können. Dennoch hättest Du sicher das Zeug, um dich mal als Profi zu versuchen.
Hast du noch Ambitionen, irgendwann mal voll anzugreifen oder hast du den Traum vom
Vollzeitprofi (sofern du ihn je hattest) bereits begraben?

Das ist wirklich nett, dass Ihr mir das zutraut, aber ich denke vom Vollzeitprofi bin ich noch weit entfernt und werde es auch bleiben. Ich erkläre kurz meinen Standpunkt:

Heutzutage reicht es nicht mehr, gut zu sein. Du musst wirklich aus der Masse herausstechen (wie z.B. Joshua Filler), denn gut sind heute alle Spieler. Das Niveau ist unfassbar dicht und hoch geworden, sodass es auch für die absoluten Topspieler (Elite) sehr schwierig ist. Die Kosten sind hoch, die Preisgelder gering und der Aufwand ist gigantisch. Das macht es meiner Meinung nach so schwierig, Profi zu sein. Denn ich denke auch an die Rente, die für meine Generation bestimmt nicht das Gelbe vom Ei sein wird. Da wüsste ich nicht, wie man das als Billardprofi machen soll, es sei denn man ist so gut wie Niels Feijen oder Joshua Filler. Nichtsdestotrotz würde ich gerne mal für 2 Jahre alle Turniere spielen (weltweit) und das Profileben leben wollen, nur damit ich sehen kann was noch rauszuholen ist und wo ich stehen kann.

Gehen wir mal ein Stück zurück. Wie bist zu überhaupt zum Billard gekommen? Seit wann spielst du? Gab es vielleicht ein Schlüsselerlebnis, das dich zum Billard gebracht hat?

Snooker auf Eurosport hatte mich damals gereizt, sodass ich ins Billard-Center gegangen bin und dort auch kurze Zeit später in den ansässigen Verein eingetreten bin (für Pool). Ein richtiges
Schlüsselerlebnis hatte ich nicht, mir hat es einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Was zeichnet dich am Billardtisch aus? Was würdest du als deine Stärken beschreiben? Ich würde auch nach deinen Schwächen fragen, aber die darf man ja nicht verraten, oder?

Gar nicht so leicht zu beantworten. Ich glaube ich bin ziemlich kompakt am Tisch und kann von jedem ein bisschen. Ich erlaube mir in der Regel wenig blöde Fehler und bin recht sicher im Ausschießen. Sobald mein Kopf rot wird, heißt es für den Gegner: „Gefahr“! (wurde mir zumindest so gesagt). Andere Spieler können das bestimmt besser beurteilen. Zu meinen Stärken zählt auf jeden Fall mein Anstoß. Der ist wirklich gut und ermöglicht es mir, Chancen zu bekommen. Des Weiteren kann ich mich gut in Partien reinsteigern bzw. kämpferisch sein und Fehler meines Gegners konsequent nutzen.

Eine meiner vielen Schwächen ist es, dass ich mich nicht immer zu 100% in das Spiel reinsteigere dann eher „larifari“ spiele. Dann treffe ich Entscheidungen zu schnell und komme nicht in den Rhythmus, den ich brauche, um volle Leistung abzurufen. Zusätzlich setze ich mich oft unter Druck und kann das spielen wenig genießen. Um ehrlich zu sein, sehe ich meine Technik als Schwachpunkt, weil ich häufig eine kleine bzw. große Körperbewegung im Stoß habe und oft nicht richtig stehe, was häufig zu Fehlern führt.

Wie siehst du die Entwicklung des Billardsports in Deutschland und allgemein? Es gibt ja immer wieder positive Neuerungen. Dennoch hat man das Gefühl, Billard ist nach wie vor eine Randsportart, der immer noch hier und da das „Kneipen-Image“ anheftet. Was kann man tun, um den Sport zu fördern? Oder muss das vielleicht gar nicht das Ziel sein und wir sollten Pool einfach ein „Spiel“ bleiben lassen, statt es zum reinen „Sport“ zu machen?

Grundsätzlich finde ich, dass wir einen positiven Trend verzeichnen können. Im Laufe der letzten 3-5 Jahre hat sich in Billard-Deutschland, vor allem auch durch die German Tour, vieles zum Positiven verändert. Mittlerweile finden zahlreiche Turniere statt und man hat das Gefühl, dass der Sport wieder lebt. Das beziehe ich jedoch nur auf den Kreis der aktiven Billardspieler. Vergleicht man allerdings Deutschland mit den anderen Nationen, sieht es überhaupt nicht gut aus. Diese holen immer mehr auf, wohl bedingt durch die Förderung, und holen Deutschland in der Leistungsdichte ein (bezogen auf Ergebnisse bei Eurotour und Europameisterschaften), wenn man sich mal die Anzahl der Spieler und der Erfolge der anderen Nationen ansieht. Ich finde, dass man in Deutschland schon alleine die gleichen Spielsysteme bzw. Ausspielziele auf den Deutschen Meisterschaften anwenden müsste, die auch bei der EM und bei der Eurotour gespielt werden, um eine Vereinheitlichung zu schaffen. Dass Billard weiterhin als Randsportart betrachtet wird, ist wohl schwierig zu ändern. Es gibt einfach zu wenige Möglichkeiten, den Sport attraktiv darzustellen, sodass ein „Wow-Effekt“ entstehen könnte. Trotzdem sollten oder müssen natürlich jegliche Möglichkeiten, den Sport zu fördern, genutzt werden.

Kurz nach dem Triumph beim Berlin Masters 2019. (Foto: Berlin Masters)

Es heißt oft, ab einem gewissen Niveau wäre Pool zu leicht. Fast jeder Profi kann mehrere Partien 8, 9 und 10 Ball ausmachen oder eine 100 im 14.1 schießen. Sollte man das Spiel deiner Meinung nach schwerer machen oder ist es gerade der Reiz, dass beim Pool jeder einzelne Fehler den ganzen Satz kosten kann?

Meiner Meinung nach sollte man das „Spiel“ nicht schwerer machen, da es so immer spannend und nicht vorhersehbar bleibt. Durch einzelne kleine Fehler einen Satz zu verlieren oder auch zu gewinnen, finde ich persönlich sehr toll. Für mich ist es sehr wichtig, dass das Material bzw. die Tische anspruchsvoll sind, damit meine ich vor allem die Taschen. Wenn man auf Tischen mit engen Taschen spielt, ist jedes Match offener, da das Lochen dann eine gutes Positionsspiel voraussetzt, wenn man möglichst fehlerfrei spielen möchte. Zusätzlich sind die Partien nicht so schnell vorbei und es gewinnt dort meist derjenige, der besser spielt.

Was wären deine Ideen, um das Spiel anspruchsvoller zu machen? Tische vergrößern? Taschen verkleinern? Neue Disziplinen? Glaubst du, das sich z.B. das anspruchsvollere Chinese Pool durchsetzen wird?

Ideen zu einer Veränderung habe ich grundsätzlich nicht. Ich mag unsere vier Disziplinen und dabei sollte man es auch belassen. Das Chinese Pool wird sich bei der Masse nicht durchsetzen, weil es zu anspruchsvoll ist und viele dort den Spaß verlieren würden.

Das muss natürlich auch sein: What‘s in your case? Spielqueue, Breakqueue, Jumpqueue? Schwörst du auf eine Kreide oder einen Handschuh?

  • Spielqueue : Peter Ernst Custom Queue
  • Breakqueue: Predator BK 2
  • JumpCue: Predator Air II
  • Case: GD Cue Case

Ich verwende mittlerweile wieder die Blue Diamond Kreide oder die Master. Damit habe ich ein
besseres Kreidegefühl.

Mit Siegercheck und Pokal in Berlin. (Foto: Berlin Masters)

Was machst du als Ausgleich zum Billard? Und was machst du sonst so, wenn du nicht Billard spielst?

So oft es die Zeit zulässt, gehe ich ins Fitnessstudio und mache Krafttraining und Spinning-Kurse. Mit einem Job, einer Weiterbildung und einer Freundin zugleich ist die Zeit relativ begrenzt. Ich trainiere nebenbei noch Vereinsmitglieder und spiele dann selber, sowie ich Lust habe und es notwendig ist!
In Münster kann man, vor allem im Sommer, sehr viel unternehmen. Im Sommer lege ich mich gerne an den Kanal und gehe Schwimmen oder spazieren bzw. chille mit meinen Kollegen am Aasee. Am liebsten gehe ich aber mit meiner Freundin in die Stadt oder zum Hafen etwas essen oder trinken.

Was war dein schönster Moment als Billardspieler? Und gibt es vielleicht auch einen peinlichen oder denkwürdigen Moment, über den du im Nachhinein schmunzeln musst?

Das ist wirklich nicht leicht zu sagen. Es kommt ganz auf die Situation an, denn jeder meiner ausgewählten Momente hatte was Besonderes. Zum einen war es 2011 mein erstes großes Turnier, welches ich gegen Andreas Roschkowsky im Finale gewonnen hatte. Dann kam es 2011 noch zum Triumph im 8-Ball bei den Jugend-Europameisterschaften. Ein besonderes Highlight war ebenfalls 2011 der Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft, die wir nur mit Unterstützung der bereits abgestiegenen Wuppertaler holten. Wuppertal holte damals mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft gegen Fortuna Straubing ein Unentschieden und rettete uns den Titel, weil wir in Dachau mit 2:6 verloren hatten, so aber letztlich trotzdem auf dem 1.Platz standen. Das war sehr emotional.

Lars, wir bedanken uns recht herzlich für dieses tolle Interview und die vielen Einblicke in dein Leben als Billardspieler. Wir wünschen Dir im Namen von Sixpockets alles Gute, weiterhin viel Erfolg, und „Gut Stoß“!

Hier gibt’s übrigens den gesamten Finaltag des Berlin Masters 2019 inklusive Endspiel im Video von Orange Forks Productions.

 

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